Andy Roman feiert Sensationssieg in Kitzbühel
Die 11. Auflage des HTT Generali Open Kitzbühel 250er-Turniers ist am Samstag letzter Woche mit eine...
von Claus Lippert
zuletzt bearbeitet:
31.07.2026, 22:18 Uhr
Die 11. Auflage des HTT Generali Open Kitzbühel 250er-Turniers ist am Samstag letzter Woche mit einer Überraschung zu Ende gegangen. Oder ist der unheimlich anmutende Siegeszug des erst 14jährigen Andy Roman durch das Tableau des 40. HTT-Kitzbühel-Turniers und des insgesamt 1.530sten Sandplatz-Events der HTT Geschichte sogar als Sensation zu werten? Wie auch immer, der kampfkräftige Teenager vom TC Strebersdorf hat sich bei Kaiserwetter am Court Küchenmeister in einem packenden und sehenswerten Finale gegen den Tiroler Christoph Pirchmoser durchgesetzt, und mit einem 6:4, 6:4 Sieg die Nachfolge von Vorjahressieger Marcus Schischlik angetreten, dazu den insgesamt sechsten HTT Turniersieg, vorallem aber den mit Abstand größten Erfolg seiner noch so jungen HTT Karriere erobert, und das höchst unerwarteter Weise. Ein Bericht von C.L
Andy Roman – vom hinterfragenswerten Goinger Centercourt Auftritt zum Triumph am Küchenmeister in Kitzbühel
Wir starten diesen speziellen Turnierbericht mit einen Blick zurück, in die entlegene Vergangenheit und in die erst ein paar Tage hinter uns liegende Zeit am Goinger Pramaweg. Am zweiten Spieltag der 2026er-Ausgabe der HTT Generali Open Kitzbühel, wunderte sich so manch aufmerksamer Zuschauer vor Ort über die Match-Ansetzung am Goinger Centercourt. Speziell das Auftakt-Match des vorwöchigen Mittwochs sorgte für einige Fragezeichen in den Augen so manchen Besuchers. Remo Wagner gegen Andy Roman! Ok, da durften zwei talentierte, vom HTT Veranstalter hoch geschätzte junge Herren am Goinger Show-Court ran. Mehr war da aber nicht, nicht einmal von den anwesenden Familien rein zu interpredieren. Mehr Gewicht hatte da schon die Anmoderation der beiden Jungstars, die bei Andy Roman im Nachhinein fast “Prophetisches” in sich hatte. Der 14jährige vom TC Strebersdorf wurde zwar als Sohn von …… vorgestellt, gleichzeitig als Sprößling des HTT Ranglisten-Ersten und HTT Kitzbühel-Rekordsiegers aber auch mit dem Attribut auf den Platz “moderiert”, bereits selbst an seiner eigenen Erfolgsgeschichte zu schreiben. Drei Tage später war diese Erfolgsstory in die Tat umgesetzt. Ein weiteres HTT Märchen im Jahr 2026, wie beispielsweise der HTT French Open Erfolg eines jungen Franzosen, der gerade drei Wochen zuvor nach Wien kam. Oder das HTT Wimbledon-Wunder rund um Lokal-Hero Martin Priban, der als einstiges Ballkind in seinem Heimverein zum HTT Wimbledon-Champion avancierte.
TC Going – ein ganz spezieller Ort im Leben des Andy Roman
Andy Roman und Kitzbühel, bzw. Andy Roman in Kitzbühel, das ist ohne Zweifel das nächste kitschige Kapitel im Buch der HTT Märchen-Geschichten 2026. Der Goinger Tennisclub am Fuße des Wilden Kaisers, ist ein ganz spezieller, besonderer Ort für den frischgebackenen HTT Generali Open 250er-Champion. Schon als Baby saß Klein-Andy mit Schnuller im Mund und umgeschnallter Windelhose im Kinderwagen, um die Tiroler Bergluft zu schnuppern und das ständige Ploppen der Tennisbälle am Pramaweg zu vernehmen. Als er mit 10 Jahren in der Saison 2022 sein HTT-Debüt – natürlich hier in Going – feierte, hatte das eher symbolischen, statt sportlich wertvollen Charakter. Aber es war natürlich ein ersters Herantasten an die Verhältnisse im Tiroler Unterland, und das Sammeln von Erfahrungen, die ihm vier Jahre später zum wertvollsten Titel seiner Karriere verhelfen sollten. Den Triumph am Samstag Nachmittag, und als solchen muss man Romans Turniersieg bezeichnen, war allerdings so nicht unbedingt zu erwarten. Erstens einmal, hatte der Teenager vom TC Strebersdorf vor seinem mittwöchigen Erstrunden-Auftritt gegen Remo Wagner noch kein einziges Spiel davor in Going und Kitzbühel bei insgesamt 0:4 Niederlagen gewonnen. Und auch der Weg ins Finale am “Küchenmeister” war ein steiniger, der gut und gerne auch schon früher hätte enden können. Gegen Remo Wagner “zitterte” sich Roman mit 10:7 im “Champer” in die nächste Runde. Dort sah er gegen Titelverteidiger und Clubkollege Marcus Schischlik nach 0:6 verlorenem ersten Satz wie der sichere Verlierer aus, ehe der Youngster abermals im Match-Tiebreak (diesmal mit 10:3) die Partie auf seine Seite zog. Beachtliche Mentalität und irren Kampfgeist bewies Andy Roman dann am Freitag, als er im Halbfinale den Ost-West-Gipfel im Duell der Generationen gegen den 55jährigen Schefffauer Matthäus Rass für sich entscheid, und beim 4:6, 6:3, 10:5 Erfolg zum dritten Mal in Serie nach Satzrückstand und gewonnenem Match-Tiebreak als Sieger vom Platz “stolzierte”.
Andy Roman im Finale gegen Pirchmoser mit einem Blitzstart
Als Belohnung durfte Andy Roman am großen Kitzbüheler Finaltag auf einen der Show-Courts der ATP Tennisanlage am Kapserfeld ran. Auf Court “Küchenmeister”, dort wo Papa Damian Roman in der Vergangenheit schon legendäre Tennisschlachten ausgefightet hatte, stand für “Andy” der “last dance” auf dem Weg zum größten HTT Karriere Erfolg an. Der Endgegner dort war ein Tiroler, der nach der Auslosung eigentlich gar nicht im Tableau zu finden war. Der 17jährige Christoph Pirchmoser vom TC Kirchbichl hatte seinen verletzten Landsmann Harald Toplitsch vertreten, und das in höchst erfolgreicher Manier. Pirchmoser hatte im Semifinale sogar den an Nummer 1 gesetzten HTT Kitz-Sieger von 2024 Michael Unterberger ausgeschaltet, und mit großen Ambitionen den “Küchenmeister” betreten, den riesigen Silber-Pott in Tirol zu behalten. Die Anfangsphase aber gehörte seinem Gegner aus Wien, der mit 3:0 einen Blitzstart hinlegte, der in Sachen Nervosität vieles leichter machen sollte. Der Teenie aus der Bundeshauptstadt wirkte cool und selbstsicher, und das bei seiner Premiere auf der ATP Anlage in Kitzbühel. Der 14jährige blieb in der Folge auch bei sich, als sich Pirchmoser ergebnistechnisch heran tastete. Bei 6:4 zog der spätere Sieger aber einen Schlußstrich unter den ersten Satz, damit war Andy Roman zum ersten Mal in dieser Kitzbühel-Woche mit einer 1:0 Satzführung unterwegs.
Andy Roman bleibt im Finish cool und fixiert eines seiner Karriereziele
Im zweiten Durchgang gestaltete Pirchmoser seine angedachte Aufholjagd vor rund 35 Zuschauern am Küchenmeister mit neuer Taktik. Der 17jährige Kirchbichler agierte mit offensiverem und schnellerem Tennis, und variierte mit Netz-Attacken und Stoppbällen. Dennoch blieb Roman in dieser heißen Phase konzentriert, und vorallem fehlerfrei. Der 14jährige hatte Eigenfehler-technisch nichts zu verschenken, und damit legte er den Grundstein zum Titelgewinn, wenngleich er im Finish noch ein zunächst bitter scheinendes Re-Break kassierte. Doch statt in Panik zu verfallen, womöglich den ganz großen Erfolg vor Augen, in allerletzter Sekunde noch zu scheitern, holte sich der zum Schluss offensiver spielende Wiener das alles entscheidende letzte Break, und mit 6:4, 6:4 den vielumjubelten Titel. Dann ging es auf den Centercourt weiter, hinein ins riesige Stadion, wo mit Siegerehrung und Foto-Session der Sensations.Coup des Andy Roman gebührend gefeiert wurde. Und es war in der Tat ein ganz besonderer Sieg, den der Jungstar da eingefahren hatte. Zunächst einmal hat er aus persönlicher Sicht, ein ganz ganz großes Karriere-Ziel mit dem HTT Kitzbühel-Erfolg erreicht und früh mit zarten 14 Jahren abgehakt. Andy ließ übrigens streng genommen, zum ersten Mal in der HTT Kitzbühel-Ära auch seinen erfolgreichen Papa Damian hinter sich.
Andy Roman mit Saisontitel Nr. 4 bereits seit 16 Spielen unbesiegt
Zudem sorgte Andy Roman für den dritten Strebersdorfer HTT Kitzbühel-Erfolg in Serie, und das nach Michael Unterberger 2024 und Marcus Schischlik 2025. Insgesamt holte der Roman-Sohn den fünften HTT Kitz-250er-Titel für die Top Players aus der Roman-Academy. Einen solchen riesigen Silber-Pott hatten nämlich zuvor auch schon Christoph Gastner und Klaus Kune eingesackt. Andy Roman schraute zudem die Erfolgsbilanz der Strebersdorfer auf satte 13 Turniersiege am Pramaweg in Going und am Kapserfeld in Kitzbühel. Eine unfassbare Quote. Unglaublich liest sich aber auch Andy Romans Saisonbilanz 2026 auf der Hobby Tennis Tour. Immerhin feierte er bereits den vierten HTT-Turniersieg in diesem Jahr, damit ist er der an Titeln gemessen erfolgreichste Spieler der ersten sieben Monate des Jahres 2026. Noch imposanter wiegt der Umstand, dass der ehemalige Ranglisten-Erste der HTT-Junioren bereits seit 16 Matches ungeschlagen ist. Motiviert und ehrgezeig wie sein Vater, erkundigte sich Andy Roman auch gleich beim HTT Veranstalter nach der aktuellen Rekordserie für die meisten Matches in Folge. Nun, da hat der 14jährige noch einen breiten Weg zu gehen, denn immerhin liegen die von Lukas Prüger gehaltenen Rekorde in “noch” anderen Sphären. Prüger scheiterte im November 2017 erst nach 31 Siegen in Serie an einem damals entfesselt spielenden Kevin Köck, der im Endspiel des November Masters Series 1000 Turniers, auch den siebenten PrügerTitel in Serie verhinderte. Aber zum Trost für Andy Roman: Erstens sind Rekorde dazu da, um sie zu brechen. Zweitens, darf sich der 14jährige über Platz 49 in der aktuellen Ausgabe des HTT Computer-Rankings freuen. Erstmals in den Top 50, und das mit 14 Jahren. Bleibt noch zum Abschluss die Erinnerung an seinen Abgang am letzten Samstag. Da gab es von den Zuschauern auf der Anlage, Gratulationen und Applaus in Hülle & Fülle. Womit wir am Ende wieder beim für viele fragwürdigen Centercourt-Aufftritt des Andy Roman am zweiten Spieltag wären. Wie war das noch mit der Ansetzung und Anmoderation und dem Hinweis der längst selbst schreibenden Erfolgsgeschichte des Andy Roman. Nenn es Zufall oder Intuition!
