ATP Finals: Risse im Führungsanspruch der Großen Drei

Wedere Rafael Nadal noch Novak Djokovic oder Roger Federer haben es in das Endspiel der ATP Finals geschafft. Eine wirkliche Wachablöse kann aber erst bei den Grand-Slam-Turnieren erfolgen.

von Jörg Allmeroth
zuletzt bearbeitet: 17.11.2019, 13:25 Uhr

Wird auch dieser Herr 2020 endgültig abgelöst?
© Getty Images
Wird auch dieser Herr 2020 endgültig abgelöst?

In den letzten Tennisjahren hat sich eins nie wirklich gelohnt: Die außergewöhnlichen Gentlemen an der Spitze dieses Sports abzuschreiben. Und zwar, obwohl Roger Federer, Rafael Nadal und Novak Djokovic inzwischen in einem Alter angekommen sind, in dem Superstars früherer Epochen längst in den wohlverdienten Ruhestand eingetreten waren - auch Boris Becker, der, körperlich angeschlagen, mit 31 aufhörte. 2017 wurde der Bulgare Grigor Dimitrov Weltmeister in der Londoner O2 Arena, 2018 der 21-jährige Deutsche Alexander Zverev. Jedes Mal wurde danach der Generationenwechsel beschworen und die Ablösung der Großen Drei herbeispekuliert. Doch wer gewann die Grand Slam-Titel der nachfolgenden Spielzeiten, es waren: Federer, Nadal, Djokovic, Djokovic, Djokovic, Nadal, Djokovic und noch einmal Nadal. Und auch die Weltrangliste zeigt in diesem Jahr folgendes Bild, ganz vorne: 1. Nadal, 2. Djokovic, 3. Federer.

Dennoch: Das Jahr 2019 hat, trotz der fortgesetzten Dominanz der drei Superstars bei den Major-Wettbewerben, einige Risse in deren Führungsanspruch gezeigt. Federer fehlte auf der Zielgeraden der großen Turniere oft die letzte Konsequenz, die Qualität, in den wichtigsten Momenten zu punkten. Er gewann gleichwohl vier Turniere, wer hätte jemals geglaubt, dass er als 38-jähriger noch so wirkungsvoll sein könnte. Djokovic und Nadal teilten sich die Major-Titel fein säuberlich untereinander auf, aber sie hatten auch ihre hartnäckigen Beschwerlichkeiten mit kleineren und größeren Verletzungen, fehlten bei diversen Wettbewerben. Wird man sie noch, wie Federer, mit 38 Jahren auf den Centre Courts herumwirbeln sehen? Wohl eher nicht.

Federers letztes Jahr?

Die Frage bleibt, ob die nachrückenden Spieler - wie die WM-Finalisten Thiem und Tsitsipas oder wie Zverev und der Russe Daniil Medvedev - die Großen Drei ablösen können, wenn die noch im Einsatz sind im Wanderzirkus. Oder ob sie deren Plätze einnehmen, wenn Federer, Nadal und Djokovic abgetreten sind? Das kommende Jahr wird mehr Klarheit bringen, es ist vermutlich das letzte oder vorletzte Jahr in Federers Karriere. Und auch eins der Jahre, in denen Nadal noch einmal größere Kräfte in seinem geschundenen Körper mobilisieren kann. 

Sie hätten „ihren Punkt gemacht“ in der angelaufenen Saison, lobte Federer nach seinem Halbfinal-Aus in London die jüngeren und viel jüngeren Herausforderer, sie seien „tatsächlich“ in der Spitze angekommen. 16 Jahre nach Federers strahlendem Aufscheinen in der Tenniswelt, nach seinem ersten Grand-Slam-Coup, naht nun das Ende einer Epoche. Wie nah es ist, wird sich womöglich schon früh in der Saison 2020 zeigen.

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von Jörg Allmeroth

Sonntag
17.11.2019, 17:18 Uhr
zuletzt bearbeitet: 17.11.2019, 13:25 Uhr

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