Ritterschlag und Finale – Dominic Thiem besiegt sensationell den „Maestro“

Roger Federer musste sich Österreichs Nummer eins nach einem spannenden Match in drei Sätzen beugen.

von tennisnet.com
zuletzt bearbeitet: 11.06.2016, 08:25 Uhr

STUTTGART, GERMANY - JUNE 11: Dominic Thiem of Austria serves against Roger Federer of Switzerland during the semifinals on day 8 of Mercedes Cup 2016 on June 11, 2016 in Stuttgart, Germany. (Photo by Daniel Kopatsch/Bongarts/Getty Images)

Was für ein verrückter zweiter Satz, was für ein sensationelles Match – und am Ende auch mit einem „Happy End“ fürDominic Thiem.Der Lichtenwörther setzte sich im Halbfinale der mit 606.525 Euro dotierten ATP-World-Tour-250-Veranstaltung in Stuttgart gegen den großenRoger Federerdurch. Der Eidgenosse musste sich am Ende mit 6:3, 6:7 (7), 4:6 dem Weltranglisten-Siebten geschlagen geben und gratulierte dem Niederösterreicher nach 1:57 Stunden Spielzeit zum Sieg. Im zweiten Durchgang hatte der Österreicher bereits mit 5:0 geführt, verlor danach ebenso fünf Games in Folge, konnte sich aber im Tiebreak mit 9:7 durchsetzen. Das entscheidende Break im dritten Durchgang gelang der österreichischen Nummer eins zur 4:3-Führung. Ein Sieg gegen Federer auf Rasen kann durchaus als Ritterschlag gesehen werden und als Beweis dafür, dass Thiem nun auch ganz klar auf den Rasencourts dieser Welt angekommen ist. Der österreichische Tennisfan kann sich mit Sicherheit auf die nächsten Turnierauftritte des 22-Jährigen freuen.

Völlig verrückter zweiter Satz

„Einfach nur unfassbar, was Dominic für ein Rasenmatch hier abliefert“, meinte Alexander Antonitsch („Eurosport“) während des dritten Satzes – und wirklich war die Leistung des Österreichers besonders am Ende des zweiten und während des kompletten dritten Satzes auf allerhöchstem Niveau. Satz Nummer eins stand hingegen noch ganz im Zeichen des Schweizers. Ein Break zum 3:1 reichte Federer zum Gewinn des ersten Abschnitts. Danach folgte ein völlig verrückter zweiter Durchgang: Thiem schaffte ein Doppelbreak gegen den Weltranglisten-Dritten und lag mit 5:0 in Front. Der Eidgenosse schien reichlich ratlos, bündelte zu dem Zeitpunkt alle Kräfte und glich ebenfalls mittels zweier Breaks zum 5:5 aus. Der Tiebreak war dann an Spannung kaum zu überbieten. Thiem wehrte zwei Matchbälle ab und setzte sich am Ende mit 9:7 in der Kurzentscheidung durch.

Im entscheidenden dritten Satz spielten beide Kontrahenten auf absolut gleicher Augenhöhe. Der Österreicher schenkte seinen Schlägen immer mehr Vertrauen, ging ordentliches Risiko und wurde schlussendlich mit einem Break zum 4:3 belohnt. Auch eine darauffolgende Regenunterbrechung (die zweite während des Matches) konnte die Reise des Österreichers ins Endspiel nicht mehr aufhalten. Thiem hielt noch zweimal sein Service und verwertete seinen zweiten Matchball. Im Head-to-head stellte der Schützling von Günter Bresnik gegen den 17-fachen Grand-Slam-Champion auf 2:1. Thiem hatte erst kürzlich im Achtelfinale des Sandplatzturniers in Rom Federer in zwei Sätzen ausgeschaltet.

Thiem kann’s nicht richtig glauben

Im anschließenden Interview mit Barbara Schett konnte Thiem seinen Sieg noch nicht begreifen. „Den besten Spieler aller Zeiten auf seinem besten Belag zu schlagen, das ist unglaublich“, sagte Thiem, der entgegen der Annahme von Schett zum Ende doch nervös war und „einen schweren Arm beim Ausservieren“ hatte. Dass er auf Rasen speziell nach der kurzen Vorbereitungszeit seit dem Halbfinale in Roland Garros kaum etwas erwartete, schon gar kein Finale, gab Thiem gerne zu. „Auf Hartplatz oder Sand vielleicht, aber hier hätte ich nicht damit gerechnet.“

Die vergebene 5:0-Führung in Satz zwei war für ihn hingegen kein Drama, wie er nach Matchende verriet. „Sobald man etwas nachlässt, verliert man dann ein paar Spiele. Trifft man ein paar erste Aufschläge nicht, ist schon Feuer unterm Dach. Im Tiebreak war natürlich eine Riesenportion Glück dabei, die für Siege gegen so große Spieler aber auch immer dazu gehört.“ Ob Thiem nun sogar seinen ersten Titel auf Rasen holen kann? Im Endspiel bekommt er es am Sonntag ab 13:30 Uhr MESZ (live auf SWR, Eurosport und ORF SPORT+) mit dem DeutschenPhilipp Kohlschreiberzu tun.

Hier die Ergebnisse aus Stuttgart:Einzel,Doppel,Einzel-Qualifikation.

Hier der Spielplan.

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11.06.2016, 08:25 Uhr