Roger Federer – „Durchwursteln ist eine Herausforderung, das hat seinen Reiz“

Roger Federer beginnt die Rasensaison in Stuttgart mit vielen Fragezeichen.

von tennisnet.com
zuletzt bearbeitet: 07.06.2016, 09:02 Uhr

ROME, ITALY - MAY 11: Roger Federer of Switzerland in action against Alexander Zverev of GErmany during day four of the The Internazionali BNL d'Italia 2016 on May 11, 2016 in Rome, Italy. (Photo by Matthew Lewis/Getty Images)

Als am Sonntagnachmittag das French-Open-Finale zwischen Novak Djokovic und Andy Murray lief, saß Roger Federer im Auto. Er war auf dem Weg aus der Schweiz nach Stuttgart. Und hatte weder Zeit noch Muße, sich den Roland-Garros-Showdown der beiden Arbeitskollegen anzusehen: "Ich habe im Moment genug mit mir selbst zu tun", sagt Federer, "wenn ich nicht selbst in einem Turnier drin bin, schaue ich mir auch kein Tennis an." Aber, klar, was Djokovic zuletzt geleistet habe, das sei "Weltklasse", so Federer: "Vier Grand Slams hintereinander zu gewinnen, verdient höchsten Respekt."

Noch bei keinem Turnier richtig fit gewesen

Federer ist guten Mutes in die schwäbische Landeshauptstadt gekommen. Er will hier beim MercedesCup sein Comeback beginnen, eigentlich soll hier sogar seine ganze Saison so richtig beginnen. "Körperlich ist alles okay. Es gab keine Probleme mehr in den letzten beiden Wochen", sagt Federer, "jetzt muss ich mich rantasten ans Turniergeschehen. Schritt für Schritt gehen, von Spiel zu Spiel denken." Im Normalfall wäre seine klare Ambition der Turniersieg, gab der 34-Jährige zu, doch nicht in dieser Spielzeit, nicht nach all der Malaise im Winter und Frühjahr: "Ich wäre schon mal froh, wenn ich zwei Spiele gewinne. Dann würde ich im Halbfinale stehen - und dann kann sicher noch was passieren."

Es ist, in der Tat, die schwierigste Serie der mittleren und späten Federer-Jahre im Wanderzirkus. Schon vor Turnierbeginn, bei einem Gespräch mit dem Südwestrundfunk, hatte Federer selbst etwas kopfschüttelnd darauf hingewiesen, dass er bis jetzt "gerade mal 15 Matches" gespielt habe "statt bis zu 40 sonst" und bei keinem Wettbewerb wirklich "richtig fit" gewesen sei: "Selbst bei den Australian Open, in Melbourne, litt ich noch unter den Nachwirkungen einer Grippe. Und dann kam die Meniskusoperation." Und mit ihr die erste Zwangspause bis zu den Sandplatzturnieren in Monte Carlo und Rom. Federer spielte dort durchwachsen, und anschließend folgte der nächste Rückschlag. Nämlich Rückenbeschwerden, die auch zum Verzicht auf die Offenen Französischen Meisterschaften in Paris führten.

"Ich riskiere nicht meine Gesundheit für irgendeinen Rekord"

Es war auch das erste Mal seit den US Open 1999, dass ein Grand-Slam-Festival ohne Federer stattfand. Federer bedauert diese Entscheidung aber keine Sekunde, auch nicht den Umstand, dass seine Marathonpräsenz bei den Majors damit ein Ende hatte: "Ich riskiere nicht meine Gesundheit, meine weitere Karriere für irgendeinen Rekord. Was ich gemacht habe, war total richtig." Stattdessen fand Federer Zeit für hartes Training, um den Körper wieder zu drillen, fit zu machen für die vielen Termine, die jetzt noch kommen. Die Grasturniere in Stuttgart und Halle, dann Wimbledon. Später die Olympischen Spiele und die US Open. Und dann auch noch der Herbst mit dem Heimspiel in Basel, vielleicht auch noch die ATP-WM in London.

"Es steht noch viel Tennis an. Ich bin gespannt, wie ich das alles meistern werde", sagt Federer. Er wäre aber nicht Federer, würde er der ungewohnten Situation nicht auch etwas Positives abgewinnen: "Dieses Durchwursteln bisher, das ist auch eine neue Lage, eine Herausforderung, die ich noch nicht kannte", so der vierfache Familienvater, "irgendwie hat es auch seinen Reiz." In Stuttgart hat er zunächst ein Freilos, tritt dann entweder gegen den Franzosen Fabrice Martin oder das US-amerikanische Toptalent Taylor Fritz an. "Es wird kein Spaziergang werden. Egal, gegen wen es geht", sagt Federer.

von tennisnet.com

Dienstag
07.06.2016, 09:02 Uhr