Rafael Nadal – Die Geburtsstunde des „Stiers aus Manacor“
Rafael Nadal setze sich vor zehn Jahren beim ATP-Turnier in Rom in einem dramatischen Finale gegen Guillermo Coria durch.
von tennisnet.com
zuletzt bearbeitet:
08.05.2015, 20:05 Uhr

Rafael Nadal ist unbestritten der beste Sandplatzspieler in der Tennisgeschichte.Beim ATP-Masters-1000-Turnier in Madrid ist der Spanier nach dem Einzug ins Halbfinale nicht weit entfernt von seinem 47. Sandplatztitel. Nicht nur wegen seines unbändigen Kampfgeistes wird Nadal an Anlehnung an seine Heimatsstadt respektvoll als „Stier aus Manacor“ bezeichnet. Doch wann war überhaupt die Geburtsstunde des „Stiers aus Manacor“?
Nimmermüder Tennis-Krieger gegen „El Mago“
Heute vor zehn Jahren, am 8. Mai 2005, zeigte Nadal zwar nicht zum ersten Mal in seiner Karriere seine Fähigkeiten als nimmermüder Tennis-Krieger, doch es war außerdem ein wegweisender Sieg für seine zukünftige Karriere. Im Endspiel des ATP-Masters-Series-Turniers (heute ATP-Masters-1000-Turnier) in Rom traf der damals 18-jährige Nadal auf den Argentinier Guillermo Coria, auch bekannt als „El Mago“ (der Magier). Coria war der herausragende Sandplatzspieler der Jahre 2003 und 2004, doch der Triumph bei den French Open blieb ihm verwehrt.Im Jahr 2004 führte der Argentinier im Endspiel seinen Landsmann Gaston Gaudio zwei Sätze lange vor und verlor schließlich nach zwei vergebenen Matchbällen.
Nadal und Coria standen sich in jenem Jahr bereits drei Wochen zuvor im Endspiel von Monte Carlo gegenüber, wo sich der Spanier in vier Sätzen durchsetzen konnte. Im Foro Italico in Rom entwickelte sich eine Nervenschlacht auf Augenhöhe. Zum damaligen Zeitpunkt wurde das Endspiel bei Turnieren der Masters Series noch über drei Gewinnsätze gespielt. Nadal und Coria schenkten sich nichts. Der Argentinier konnte die Satzführung des Spaniers jeweils ausgleichen und schien im fünften Satz die bessere Ausdauer zu haben.
Coria hat es auf dem Schläger
Coria ging mit 3:0 und Doppelbreak in Führung und hatte einen Spielball zum 4:0. Doch dass ein Match von Nadal erst entschieden ist, wenn der letzte Punkt gespielt ist, wurde schon in den frühen Karrierejahren sichtlich. Das Flutlicht im Foro Italico war längst angeschaltet, als Nadal zunächst zum 3:3 ausglich und dann bei 6:5 seinen ersten Matchball hatte. Coria wehrte den Matchball ab und erzwang nach fünf Stunden Spielzeit den entscheidenden Tiebreak.
Nadal erwischte einen Blitzstart und erspielte sich eine 5:1-Führung. Coria stemmte sich erneut vehement gegen die drohende Niederlage, setzte aber bei 4:5-Rückstand einen Vorhand-Angriffsball ganz knapp ins Aus. Dass auch Nadal Nerven hat, zeigte er bei seinem dritten Matchball, als er einen Doppelfehler zum 6:6 servierte. Nach 5:14 Stunden Spielzeit endete schließlich die epische Finalschlacht, als ein Volley von Coria ins Aus segelte. 6:4, 3:6, 6:3, 4:6, 7:6 (6) für Nadal – „der Stier aus Manacor“ war geboren!
„Das ist das härteste Match, das ich in meinem Leben gespielt habe, mehr als fünf Stunden. Ich habe wegen der Unterstützung der Zuschauer gewonnen. Es war unglaublich“, freute sich der 18-jährige Spanier. Das Duell zwischen Nadal und Coria war vom spielerischen Niveau und der Dramatik her eines der besten Sandplatzmatches aller Zeiten und stellte einen neuen Rekord auf. Die beiden spielten das längste Endspiel bei einem ATP-Turnier und übertrafen Jose Higueras und Peter McNamara um eine Minute.Der Spanier und der Australier hatten sich im Jahr 1982 im Finale am Hamburger Rothenbaum einen denkwürdigen Kampf über 5:13 Stunden geliefert.
Während Nadal vier Wochen später zum ersten Mal die French Open gewinnen konnte und viele weitere dramatische Matches siegreich gestalten konnte, begann der Stern von Coria langsam zu verglühen. Der Argentinier konnte an seine Glanzzeiten nicht mehr anknüpfen undfing sich zu allem Übel auch noch die „Yips“ ein, die seine Karriere zerstörten.
Hier könnt ihr euch die Highlights des Matches zwischen Nadal und Coria anschauen sowie das Finale in voller Länge!
(Text: cab)
