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Australian Open 2020: Ein letztes Hurra für die goldene Generation?

Angelique Kerber und Julia Görges gehen mit Außenseiterchancen in die Australian Open 2020. Jedoch weit entfernt von einer Favoritenrolle wie in den vergangenen Jahren.

von Jörg Allmeroth
zuletzt bearbeitet: 19.01.2020, 12:31 Uhr

Was bringen die Australian Open 2020 für Angelique Kerber?
© Getty Images
Was bringen die Australian Open 2020 für Angelique Kerber?

Als Andrea Petkovic gleich zu Beginn des Jahres ihre Absage für die Australian Open verkündete, hatte ihre Freundin Angelique Kerber schon wieder eine lange Reise zum ersten großen Tennis-Abenteuer 2020 hinter sich. Kerber, die deutsche Frontfrau, will es in dieser Saison noch einmal wissen, nach einer Achterbahnfahrt der vergangenen Spielzeiten soll es wieder aufwärts gehen, am besten gleich in Australien. Dort, wo sie 2016 den ersten großen Coup landete, als Titel-Heldin von Melbourne. Kerber war über Hawaii in Richtung des Fünften Kontinents gereist, etwa in jener Zeit, in der sich Petkovic vielleicht noch vage Hoffnungen machte, bei der ersten Grand-Slam-Bewährungsprobe im Melbourne Park dabei zu sein. 

Doch schließlich trennten sich ihre Wege, und man dachte auch an die ersten beiden Advents-Sonntage zurück, in denen Petkovic dem deutschen Fernsehvolk als TV-Moderatorin der ZDF-Sportreportage erschienen war. Damals wirkte es schon so, als habe Petkovic bereits mit dem aktiven Tennis abgeschlossen und sei fortan als geschmeidige, kenntnisreiche Beobachterin der Sportwelt tätig. Was weder ganz richtig noch ganz falsch ist. Petkovic wird wohl noch ein, zwei Jahre weiterspielen in der Tretmühle des globalen Wanderzirkus. Aber für sie gilt mehr noch als für ihre langjährigen Mitstreiterinnen, dass Kräfte, Energien und Turniereinsätze genau eingeteilt werden müssen. Pausen, regelmäßig, sind nötig, ganz abgesehen von Verletzungs-Auszeiten wie jetzt im Januar. 

Kerber und Görges mit neuen Coaches

Der Beginn des neuen Jahrzehnts markiert einen Einschnitt im deutschen Damentennis, weil sich die tragenden Kräfte dieser Frauen-Bewegung nun allesamt auf der Zielgeraden ihrer Laufbahn bewegen. Jene Spielerinnen, die in den Zehner-Jahren für einen bemerkenswerten Aufschwung sorgten, allen voran Angelique Kerber, die zur ersten deutschen Spielerin in der absoluten Weltklasse und zur Erbin von Steffi Graf avancierte – mit drei Grand-Slam-Titeln, darunter dem Wimbledon-Coup 2018, mit Platz 1 in der Weltrangliste und einer olympischen Silbermedaille in ihrem Glanzjahr 2016. Aber auch Julia Görges, die sich spät noch ihren Traum von einer Top Ten-Platzierung erfüllen konnte. Petkovic und Kerber sind nun 32 Jahre alt, Görges 31. Die eine Frage ist: Hat die Ü-30-Fraktion noch einmal Großes vor sich, Kerber mit ihrem neuen Coach Dieter Kindlmann, Görges mit neuem Trainer Jens Gerlach? Und die andere Frage ist: Wie geht es eigentlich weiter, nach dieser goldenen deutschen Generation, nach Jahren, in denen sogar wieder ganz große Titel in das einstige Tennis-Wunderland Deutschland geholt wurden. 

Verlorenes Terrain gegen Barty und Co.

2019 war in jedem Fall nicht das Jahr für die deutschen Spielerinnen, in keiner Beziehung. Kerber fiel zurück in der Weltrangliste, sie war nicht mehr in Reichweite der Top-Pokale, Görges enttäuschte noch ein bisschen mehr. Am Ende landeten sie in der Weltrangliste auf den Plätzen 20 und 28. Dahinter klaffte schon eine große Lücke, erst auf den Plätzen 75 und 78 fand sich wieder deutsches Personal, mit der Schwäbin Laura Siegemund und mit Petkovic. Bemerkenswerter war eigentlich etwas anderes, nämlich die Abwesenheit von jungen deutschen Spielerinnen, von Nachwuchskräften aus anderen Generationen. Die einzige deutsche Spielerin unter 25, die es überhaupt in die Top 200 schaffte, war die Rheinländerin Antonia Lottner auf Platz 160. Lottner ist auch die einzige aus der jüngeren Generation, die nach überstandener Qualifikation ins Rennen geht. „Um die Zukunft mache ich mir schon Sorgen“, sagt die Chefin des deutschen Frauentennis, Barbara Rittner. „Es klafft eine Riesenlücke hinter unseren etablierten Topleuten. Ich hoffe einfach, dass sie noch ein paar Jahre weiterspielen.“ 

Verlorenes Terrain zurück zu erobern, es wird auch den Spitzenkräften um Angelique Kerber nicht leicht fallen. Denn 2019 erlebte das weltweite Frauentennis rasante Geschichten um junge, dynamische Spielerinnen wie Ashleigh Barty, Bianca Andreescu, Belinda Bencic, Aryna Sabalenka und Naomi Osaka. Andreescu, die 19-jährige Kanadierin, setzte dabei den fulminanten Schlussakkord mit ihrem US Open-Sieg. Die Weltrangliste ordnete sich neu, in Abwesenheit deutscher Spielerinnen in diesem Machtkampf. Am Ende des Jahrzehnts, in dem manche schwarz-rot-goldene Ausrufezeichen auf den Centre Courts festgeschrieben wurden, sah die Hierarchie zunächst wieder so aus wie zu Beginn der Zehner-Jahre – ohne deutsche Spielerinnen auf dem Gipfel oder in seiner Nähe. Höchste Zeit für Kerber, Görges und ihre Mitstreiterinnen, dass sich was dreht. 2020. Und womöglich auch darüber hinaus.

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