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Australian Open 2021: Angelique Kerber - Ein Tag zum Vergessen

Angelique Kerber ist bei den Australian Open 2021 in der ersten Runde ausgeschieden. Down Under war in diesem Jahr für die deutsche Nummer eins keine Reise wert.

von Jörg Allmeroth
zuletzt bearbeitet: 08.02.2021, 16:44 Uhr

Angelique Kerber am Montag in Melbourne
© Getty Images
Angelique Kerber am Montag in Melbourne

Es war gut eine halbe Stunde in der Margaret Court Arena zu Melbourne vergangen, da huschte ein Lächeln über das Gesicht von Angelique Kerber (33). Es war allerdings kein Lächeln, das mit Zufriedenheit oder Genugtuung zu tun hatte. Kerber lächelte über die etwas absurde Situation, in der sie genau zu diesem Zeitpunkt steckte: Sie hatte die ersten neun Spiele ihrer Auftaktpartie allesamt verloren, es stand 0:6 und 0:3 gegen die Amerikanerin Bernarda Pera, es war zum Verzweifeln. Und irgendwie auch schon wieder zum grimmigen Lachen, so traurig war das alles bei diesem verkorksten Australian-Open-Start.

„Es war nicht mein Tag“, sagte Kerber später, als dann nach einer empfindlichen 0:6 und 4:6-Niederlage schon auf den ersten Grand-Slam-Metern ihr Turnierende besiegelt war. Kerber hatte sich zwar noch einmal hereingekämpft in die Partie, in ihrer Niemals aufgeben-Attitüde, doch eine dieser typischen Houdini-Geschichten mit einem verrückten Entfesselungsakt wurde es nicht mehr an einem grauen Februarnachmittag im National Tennis Center. Die Enttäuschung sei schon „sehr groß jetzt“, meinte Kerber, „das muss man erst mal wegstecken.“

Serena erteilt Siegemund Lehrstunde

Es war nicht Kerbers Tag, es war aber auch ganz und gar nicht ein Tag der deutschen Frauen, dieser verspätete Starttag ins erste Majorturnier der schwierigen Saison 2021. Schon bevor Kerber mit hängenden Schultern und versteinerter Miene aus der Court-Arena herausmarschiert war, hatte sich Laura Siegemund beim 1:6, 1:6 gegen Großmeisterin Serena Williams einer Lehrstunde unterziehen müssen. 55 Minuten dauerte die Lektion der Amerikanerin, die wieder einmal auf der Jagd nach dem ewigen Grand Slam-Rekord mit 24 Titelgewinnen unterwegs ist und ihrer deutschen Gegnerin bitter die Grenzen aufzeigte.

Besser wurde es für das ohnehin schmale weibliche Kontingent des DTB auch nicht, als Andrea Petkovic zu ihrer Erstrundenprüfung gegen Tunesiens Ons Jabeur antrat: Die Darmstädterin ackerte und rackerte mit gewohnter Intensität, doch als abgerechnet war an diesem Eröffnungs-Montag, da hatte auch Petkovic nach einem 3:6, 6:3 und 4:6 keine Beschäftigung mehr als Solistin.

Görges ist schon weg, Petkovic wird bald folgen

Kerber hatte vor fünf Jahren und einer Woche in Melbourne ihren Aufstieg in die Weltspitze mit einem triumphalen Finalsieg über Serena Williams gekrönt, es war der erste wirklich große Glücksmoment inmitten des neuen deutschen Fräuleinwunders. Doch nun hat die Corona-Pandemie die Auflösungserscheinungen dieser ohnehin schon abebbenden Erfolgswelle noch einmal verstärkt – und wenn nicht alles täuscht, stehen dem deutschen Frauentennis nun eher karge Jahre bevor, ohne Spiele und Spielerinnen, die in der zugespitzten Grand-Slam-Phase für Aufregung, Dramatik und Schlagzeilen sorgen können.

Julia Görges, eine der Hauptdarstellerinnen dieser goldenen Generation, hat im letzten Jahr bereits ihren Rücktritt erklärt, auch mit der Begründung, in Corona-Zeiten irgendwo die Motivation und die Sinnhaftigkeit ihres Tuns verloren zu haben. Petkovic wird nicht über diese Saison hinaus spielen, in Melbourne sagte sie am Montag über sich selbst, sie sei mal gespannt, „wie lange der alte Gaul noch durchhält.“

Kerber im harten Lockdown

Und Kerber? Sie war schon lange vor den Irrungen und Wirrungen, die den Turnierstart in Melbourne begleiteten, keine Gewinnerin der Pandemie-Ära. Kerber braucht für Erfolge, für ihr Selbstbewußtsein den regelmäßigen Kampf auf den Courts, ein geordnetes, stetes Arbeiten. Doch 2020 musste sie nach dem ersten Lockdown eine ewig lange Pause von rund einem Dreivierteljahr einlegen. Als sie dann wieder am Spielgeschehen teilnahm, kam sie nie voll auf Touren, sie fiel in der Weltrangliste zurück, war eher eine Randfigur im großen Spiel der Kräfte. In die Australian Open ging sie nun als Nummer 25 der Tennischarts, es war eine ehrliche Bewertung.

Vieles lief dann im Countdown zu den seltsamsten Australian Open der Geschichte gegen sie. Der Zwang zum harten Lockdown, nachdem sie unglücklicher Weise in einem Flugzeug mit einem späteren Positivfall gesessen hatte. Die zwei Wochen der Einsamkeit im Hotelzimmer, ohne Trainingsübungen, mit viel totzuschlagender Zeit. Kerber spielte allerdings ordentlich beim Vorbereitungsturnier letzte Woche, sie gewann sogar gegen jene Ons Jabeur, die nun Petkovic aus dem Turnier schlug. Aber bevor sie am Montag nun ein echtes Gefühl für diesen herausfordernden Grand Slam bekam, war sie schon draußen aus der Melbourne-Geschichte. Acht Punkte in den bloß 18 Minuten des ersten Satzes, dann noch mal drei verlorene Spiele, später ein Aufbäumen ohne Happy-End – es war ein rasant bitterer Abschied.

Vielleicht auch ein Abschied mit Nachhall? Kerber wird sich auch die Frage nach dem Großen und Ganzen ihrer Karriere stellen, wenn es kurz- bis mittelfristig keinen Anschluß an die (gerade enteilte) Weltspitze gibt. Melbourne kann sie noch als Turnier außer Konkurrenz abhaken, mit den besonderen Umständen, mit dem Wettbewerbsnachteil, der ihren Start behinderte. Aber sie braucht nun bessere Ergebnisse fürs angekratzte Selbstbewußtsein, je eher, desto besser. Ein einigermaßen normaler Turnierkalender wäre da hilfreich, aber wer weiß schon, was die nächsten Wochen und Monate bringen. In Melbourne sprach Kerber an diesem Montag auch über die Perspektiven für das deutsche Damentennis, über ein Morgen ohne Kerber, Petkovic, Görges und Co. „Wir müssen sehr geduldig sein in Deutschland“, sagte sie, „wir haben ein paar sehr gute, sehr junge Spielerinnen.“ Es gehe aber, so Kerber, „um die übernächste Generation.“ Und um die „ferne Zukunft.“

Hier das Einzel-Tableau der Frauen

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