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Australian Open: Brady und Geserer - das Team der Stunde im Welttennis

Jennifer Brady steht zum zweiten Mal nach den US Open 2020 im Halbfinale eines Grand-Slam-Turniers. Großen Anteil daran hat ihr deutscher Coach Michael Geserer.

von Jörg Allmeroth
zuletzt bearbeitet: 17.02.2021, 17:00 Uhr

Jennifer Brady steht zum zweiten Mal in einem Major-Halbfinale
© Getty Images
Jennifer Brady steht zum zweiten Mal in einem Major-Halbfinale

Wie die Zusammenarbeit mit ihrem Trainer Michael Geserer so ablaufe, wurde Jennifer Brady auch nach ihrem jüngsten Grand-Slam-Coup gefragt. „Er hat den Plan. Und ich mache, was er sagt“, erklärte die Amerikanerin kurz und knapp in der Plauderstunde mit der Weltpresse. Brady und Geserer (51), der bayrische Übungsleiter, sind auch bei den Australian Open so etwas wie das Team der Stunde. Schon bei den US Open rückte die 25-jährige aus Harrisburg (Pennsylvania) an der Seite Geserers in die Vorschlussrunde auf, nun wiederholte sie mit geradezu irritierender Selbstverständlichkeit in Melbourne diesen Tennis-Knalleffekt dank eines Drei-Satz-Sieges über Landsfrau Jessica Pegula. „Im Moment lebe ich meinen Traum“, sagt Brady, die in der Nacht zum Donnerstag gegen die Tschechin Karolina Muchova um das Endspielticket kämpfte.

Die neuerliche Erfolgsgeschichte Bradys ist umso bemerkenswerter, da sie vor dem ersten Major der Saison in die härtere Quarantäne musste und 14 Tage in ihrem Hotelzimmer gefangen war. Als einzige Spielerin überhaupt aus dem Wanderzirkus stieß sie trotz dieses Handicaps in die zweite Turnierwoche vor, dank Pragmatismus und Unerschütterlichkeit, die Geserer eingefordert hatte: „Die Devise war: Wir können nichts an dieser Lage ändern, also machen wir das Beste draus“, sagt Brady, „ich konnte mich in dieser Zeit sogar ein bisschen erholen.“ 

Auch Coach von Julia Görges

Kurios wirken die Querverbindungen, die sich zwischen Geserer, Brady, dem schönen Städtchen Regensburg und auch einer gewissen Julia Görges ergeben. Geserer war für einige Zeit auch Coach von Görges und durchaus mitverantwortlich für eine späte Renaissance der deutschen Nationalspielerin. Dann trennte sich Görges etwas abrupt von Geserer, der erst 2019 wieder in den Tourbetrieb einstieg – bei Brady. Viel gemeinsame Übungszeit verbrachte das deutsch-amerikanische Duo in Regensburg, dort, wo auch Görges ihren neuen Lebensmittelpunkt hat.

In der Corona-Krise entwickelten sich die Dinge dann dramatisch für die beiden Frauen: Görges verlor im Zuge des monatelangen Lockdowns immer mehr an Motivation, entdeckte neues Lebensglück abseits der Centre Courts und spielte im Herbst bereits mit Rücktrittsgedanken. Zu den US Open fuhr sie wegen der beschwerlichen Corona-Regelungen erst gar nicht hin. Dort aber, im Big Apple, begann erstmals Bradys Stern hell zu strahlen – der Frau, die ihre ganze Vorbereitung in Regensburg absolviert hatte. Brady schlug im Achtelfinale die ehemalige Weltranglisten-Erste Angelique Kerber, wurde im Halbfinale erst von der späteren Turniersiegerin Naomi Osaka gestoppt. „Eine ganz andere Spielerin“ sei sie geworden mit Geserer, lobte Brady damals ihren Anweiser, der einst selbst auf der Tingeltour unterwegs gewesen war und später als Trainer erste Schlagzeilen bei Philipp Kohlschreiber schrieb. Görges, seine zweite namhafte Geschäftspartnerin, ging derweil zum Saisonende in Frühpension.

Geserer als Trainer des Jahres nominiert

Geserer, ein stets ruhiger, besonnener und klar strukturierter Pädagoge, erhielt schon 2018 einen Ehrenpreis des Deutschen Tennis Bund für seine Trainerarbeit, damals wurde auch sein Wirken für das Regensburger Frauenteam gewürdigt, das er als verantwortlicher Manager aus der Regionalliga heraus in die Bundesliga führte – und dort zu zwei Titeln. Ende 2020 wurde er neben dem Polen Piotr Sierzputowski (Coach von French Open-Siegerin Iga Swiatek) und dem Belgier Wim Fissette (Coach von Naomi Osaka) sogar als WTA-Trainer des Jahres 2020 ausgezeichnet. „Ihn als Trainer ausgesucht zu haben, war die beste Entscheidung in meiner Karriere bisher“, sagt Australian Open-Halbfinalistin Brady über den letzten Deutschen in Melbourne. Mit dem 51-jährigen peilt Brady nun auch das nächste große Karriereziel an, einen Platz unter den besten Zehn der Weltrangliste.

Hier das Einzel-Tableau bei den Frauen

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