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Australian Open: Eine „Gewinnwahrscheinlichkeit“ wider jede Vernunft

Wenn die Ergebnisse von vornherein schon feststünden, müsste man Tennismatches gar nicht erst beginnen. Manche Prognosen gehen aber an der Realität weit vorbei.

von Jens Huiber
zuletzt bearbeitet: 17.01.2022, 17:56 Uhr

"Außenseiterin" Keys lässt sich von der "haushohen Favoritin" Kenin gratulieren
© Getty Images
"Außenseiterin" Keys lässt sich von der "haushohen Favoritin" Kenin gratulieren

Das Schöne an der „Expected Goals Statistik“, die die TV-Zuschauer seit einiger Zeit bei vielen Fußball-Matches präsentiert bekommen, ist ja: Aufgrund einer Berechnung, die Großchancen, Torschüsse, Ballbesitz, womöglich auch die Kalorienanzahl des Mittagessens der auf dem Feld vertretenen Spieler mit einbezieht, wird nach einer Partie festgelegt, wie viel Tore eine Mannschaft hätte erzielen sollen. Die Realität soll also so gut als möglich abgebildet werden, manchmal funktioniert das nicht ganz, denn, das wissen alle deutschen Fußballfans seit Sepp Herberger, der Ball ist nunmal rund. Und springt manchmal eben nicht so, wie man es von ihm erwarten sollte.

Das Problem mit der „Gewinnwahrscheinlichkeit“ im Tennissport ist indes, dass schon vor einem Match die Chancen der KontrahentInnen gegeneinander aufgewogen werden (zugegeben: das könnte man mit den Expected Goals auch tun). Ein Blick auf die Weltranglisten hilft dabei manchmal, aber nicht immer. Am Montag konnte man nun den Eindruck gewinnen, dass die für die für die Berechnung der Siegchancen im Match zwischen Sofia Kenin und Madison Keys zuständige Redaktion noch zu sehr in der Vergangenheit gelebt hat. Zugegeben: Kenin hatte 2020 in Melbourne den Titel geholt, im selben Jahr das Endspiel der French Open erreicht. In der vergangenen Saison war aber nicht viel los bei der US-Amerikanerin, natürlich zum Großteil Verletzungen geschuldet.

Kenin klare Favoritin gegen Keys?

Und: Ja, auch Madison Keys hat 2021 nicht die Sterne vom Himmel gespielt. Aber Keys ist mit der Empfehlung eines wirklich beeindruckenden Turniersiegs in Adelaide zu den Australian Open gekommen. Während Kenin nach ihrem Comeback beim ersten Turnier in Adelaide zwar das Viertelfinale erreicht hatte, in Sydney gegen Daria Kasatkina aber schon in Runde eins verlor.

Die logische Schlussfolgerung, die nicht nur bei Eurosport-Kommentator Oliver Faßnacht zu heftigem Stirnrunzeln führte: Kenins Siegchancen lägen bei 68 Prozent, jene von Keys nur bei 32. Faßnacht justierte die Verhältnisse sofort auf ein mindestens Fifty-Fifty mit sogar leichten Vorteilen für Keys nach - und behielt angesichts des 7:6 (2), 7:5 für die US-Open-Finalistin von 2017 damit auch recht.

Eines hat der Versuch, die Tennismatches mit der Bekanntgabe der Gewinnwahrscheinlichkeiten aufzupeppen, aber vielleicht doch bewirkt: Plötzlich lohnt es sich umso mehr, das Einschlagen live mitzuverfolgen. Um dann seine eigenen Erwartungen mit den „offiziellen“ zu vergleichen.

Hier das Einzel-Tableau der Frauen

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von Jens Huiber

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zuletzt bearbeitet: 17.01.2022, 17:56 Uhr

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