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Australian Open: Novak Djokovic deklassiert Rafael Nadal und holt siebten Melbourne-Titel

Der Serbe entschied das überraschend einseitige Endspiel mit 6:3, 6:2, 6:3 für sich und feierte im 53. Vergleich mit dem spanischen Weltranglistenzweiten seinen 28. Erfolg.

Damit ist Djokovic, dem in der Partie nur 9 Unforced Errors (34 Winner) unterliefen, nach seinem siebten Streich in der Rod Laver Arena der alleinige Rekordsieger des "Happy Slams" - vor Roger Federer und Roy Emerson (jeweils sechs Titel). Hier gehts zum Nachlesen zum Liveticker

von Ulrike Weinrich aus Melbourne
zuletzt bearbeitet: 27.01.2019, 12:51 Uhr

Novak Djokovic steht im Halbfinale der Australian Open
© getty pictures
Novak Djokovic steht im Halbfinale der Australian Open

Vor 15.000 Zuschauer verwandelte der Branchenführer nach nur 2:04 Stunden seinen zweiten Matchball und kassierte für seinen 15. Major-Coup seit 2008 ein Preisgeld in Höhe von umgerechnet rund 2,59 Millionen Euro. Für Nadal, der bis zum Finale keinen Satz abgegeben hatte, blieb die Hälfte. Der 32-Jährige verpasste zunächst auch die Chance, als erster Spieler der Open Era alle vier Grand-Slam-Events mindestens zweimal gewonnen zu haben.

"Vor einem Jahr hatte ich die Operation am Ellbogen. Und es ist wirklich wunderbar, hier zu stehen und drei der letzten vier Grand-Slam-Titel zu halten", sagte Djokovic bei der Siegerehrung, während Nadal meinte: "Novak, du hast ein wahnsinniges Niveau gezeigt. Das war nicht mein Tag. Ich werde weiter hart arbeiten und kämpfen, um wieder eine bessere Chance zu haben als heute Abend." 

Das Duell der Giganten, ein Dauerbrenner im Tennis-Universum, begann schon überraschend einseitig. Zwar hatte Nadal drei Tage zuvor im Halbfinale gegen NextGen-Star Stefanos Tsitsipas (Griechenland) eine wahrhaftige Gala gezeigt, doch am Sonntag stand "Rafa" über weite Strecken völlig neben sich.

Bereits im ersten Spiel bekam er kaum Druck hinter den Ball und zeigte sogar den seltenen Vorhand-Slice. Die ersten sechs Punkte gingen an Djokovic, dessen serbische Fans vor allen vor der Arena auf dem Garden Square ordentlich Stimmung machten. 

Die Anhänger des 31-Jährigen hatten auch gut lachen, denn "Nole" gelang sofort das frühe Break, als Nadal eine "leichte" Vorhand, vergleichbar mit einem Elfer ohne Torwart, unbedrängt ins Aus spielte. Es war bezeichnend für die Verunsicherung des elfmaligen French-Open-Rekordchamps, der immer wieder hilfesuchend in seine Box blickte, in der Coach Carlos Moya einmal sogar verzweifelt mit der Faust gegen die Begrenzung schlug.

Nadal stand völlig neben sich - Djokovic stabil

Nach neun Minuten lag "Nole" mit 3:0 in Front - Nadal hatte zu diesem Zeitpunkt einen einzigen Punkt (!) gemacht. Die Zuschauer, darunter Vogue-Chefin Anna Wintour, trauten ihren Augen kaum. Im siebten Spiel schlug der Mallorquiner sogar einmal komplett an der Filzkugel vorbei.

Er hatte allerdings auch Pech, dass Djokovic äußerst stabil wirkte und im gesamten Auftaktdurchgang nur einen Punkt bei eigenem Aufschlag abgab. Nach einem Rückhandfehler von Nadal hatte der Weltranglistenerste Satzball.

Und mit einer Vorhand ins Netz machte der Linkshänder den Satzverlust nach 36 Minuten perfekt. Es war sein elfter Unforced Error - der "Djoker" hatte zu diesem Zeitpunkt erst drei unerzwungene Fehler auf dem Konto. Das sind Welten auf diesem Niveau.      

Auch in der Folge dominierte der topgesetzte Wahl-Monegasse die Partie, die eine Neuauflage des Australian-Open-Finals von 2012 war. Damals hatten sich die beiden Gladiatoren eine Rekord-Schlacht über 5:53 Stunden geliefert. Es ist bis dato das längste Major-Endspiel der Geschichte.

"Rafa" hätte an diesem Abend die Kräfte von Hulk gebraucht

Diesmal allerdings fehlten Nadal die Waffen, zwar ging er beim 1:0 im zweiten Satz erstmals in Führung, doch er wirkte nicht stabil. Djokovic nutzte diesen Umstand gnadenlos aus und nahm seinem Rivalen im fünften Spiel zum insgesamt zweiten Mal den Aufschlag ab. Auf der Tribüne wunderte sich ob des unerwarteten wie raschen Verlaufs auch Hollywood-Schauspieler Eric Bana, der als Hulk-Darsteller bekannt ist.

Die außergewöhnlichen Kräfte der grünen Phantasiefigur hätte Nadal an diesem für ihn letztlich so gebrauchten australischen Sommerabend benötigt, um die Partie zumindest ein wenig ausgeglichener zu gestalten. 

Nach einem weiteren Service-Verlust des "Stiers von Manacor" demonstrierte Djokovic seine Überlegenheit, als er sich mit drei Assen in Folge (!) auch den zweiten Satz holte. 

Die Zuschauer bejubelten inzwischen längst jede gelungene Aktion von Publikumsliebling Nadal. Nachdem er auch in Durchgang drei mit 1:0 in Führung gegangen war, schwappte sogar die Welle durch die Arena. Natürlich machte auch Australiens Ikone Rod Laver (80) in der VIP-Box mit.

Es nützte nichts, die Protagonisten des "Traumfinals" begegneten sich im Melbourne Park am Yarra River nicht auf Augenhöhe. Djokovic ließ nach einem weiteren Break zum 2:1 nichts mehr anbrennen, blieb fast fehlerfrei, während Nadal bei weitem nicht an die starken Leistungen der beiden Vorwochen anknüpfen konnte und weiter auf seinen zweiten Melbourne-Coup nach 2009 warten muss - es wäre sein 18. Major-Titel gewesen.

"Nole" holt dritte Grand-Slam-Trophäe in Folge - Nummer 15 insgesamt

Seinen einzigen Breakball des gesamten Matches setzte Nadal beim 2:3 bezeichnenderweise mit der Rückhand ins Netz.

Djokovic indes, amtierender Wimbledon- und US-Open-Sieger, gewann seine dritte Grand-Slam-Trophäe in Folge. Nach seiner persönlichen Krise und der Ellbogen-Verletzung scheint der Serbe stärker denn je zu sein. Der Norman Brookes Challenge Cup ist die jüngste Bestätigung dafür. 

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von Ulrike Weinrich aus Melbourne

Sonntag
27.01.2019, 11:48 Uhr
zuletzt bearbeitet: 27.01.2019, 12:51 Uhr

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