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Christopher gewinnt “brothers and sisters Act”

18 Tage vor dem ersten Aufschlag zu den HTT Finals 2025 im Union Tennis Center La Ville, spitzt sich...

von Claus Lippert
zuletzt bearbeitet: 04.11.2025, 15:18 Uhr

18 Tage vor dem ersten Aufschlag zu den HTT Finals 2025 im Union Tennis Center La Ville, spitzt sich die Lage in der HTT Jahreswertung “Race to La Ville” und damit auch die Frage, welche acht Spieler das glanzvolle HTT Saison Finale bestreiten werden, immer weiter zu. Weiter intakte Chancen, aus der Außenseiterrolle heraus den Showdown der HTT Top 8 zu erreichen, haben Serbiens Jungstar Teo Katic und der 15jährige Austro-Bolivianer Christopher Birnbaumer, die sich am gestrigen Montag Abend in zwei “sehr speziellen” Vorschlussrunden-Matches beim 30. November HTT 250 Turnier durchgesetzt haben. Ein Bericht von C.L

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Zwei Teenager spielen um November HTT 250 Titel und die letzte Chance sich für die Finals zu qualifizieren

Zwei aufstrebende Teenager im Duell um den letzten HTT 250er-Titel des Jahres 2025, das gibt es heute Abend ab 20 Uhr im UTC La Ville mit dem Finale beim 160. HTT Saisonturnier zwischen Teo Katic und Christopher Birnbaumer zu sehen. Die beiden Youngsters stehen sich zum ersten Mal auf der HTT gegenüber, und das in einem Spiel, das richtungsweisend in Sachen Finals-Qualifikation werden könnte. Bei dann noch zwei ausständigen Turnieren, an denen übrigens die gesamte HTT Elite startberechtigt wäre, wird der Zug in Richtung “Finals” für den Verlierer der heutigen Finalpartie vermutlich abgefahren sein. In diesem Wissen, haben sich die beiden Finalisten auch im gestrigen Halbfinal-Doppelpack in zwei “very special” Matches richtig schwer getan, um ins Endspiel zu gelangen. Das traf auch auf den topgesetzten Serben Teo Katic zu, der in einer Neuauflage des Oktober HTT 500 Finales von vor einer Woche gegen den hoch motivierten Mike Juritsch seine Schwierigkeiten hatte, um erneut als Sieger vom Platz zu gehen. Dabei startet der HTT US Open Semifinalist perfekt in die zweite Partie mit seinem amerikanischen Gegner binnen sechs Tagen.

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Katic ringt Juritsch im Match-Tiebreak nieder und feiert seinen 50. HTT Karriere-Einzelsieg

Katic holte gleich im Eröffnungsgame mit einem sehenswerten Rückhand-Cross-Winner ein frühes Break, das angesichts seiner bisherigen Aufschlagstärke im Verlauf dieses Turniers, wie die halbe Miete auf den Sieg schien. Doch bald bekam man auf dem Platz den Eindruck, dass der 18jährige an diesem Abend nicht seine vollen Qualitäten der letzten Wochen ausspielen konnte. Bei seinem zweiten Aufschlagspiel war es dann auch soweit. Katic musste erstmals an diesem Turnier-Wochenende sein Service abgeben. Mehr noch! Der Ranglisten-Fünfzehnte vom AZ Tennisclub verlor gegen einen auf der Vorhand fehlerfrei agierenden Gegner gleich fünf Games am Stück und hatte nach nur 28 Minuten  mit 3:6 den ersten Satzverlust in diesem Turnier zu beklagen. Auf der anderen Seite schien Juritsch mit einem frühen Break samt 2:0 Führung einer geglückten Revanche entgegen zu steuern, während Katic mit sich selbst und seinem schmerzenden Körper beschäftigt schien. Schmerzen in der Wade, im Rücken, und im rechten Auge, der Halbinvalide mit knackigen 18 Jährchen am Buckel, schien körperlich am Ende. Das war er vielleicht auch, aber der HTT Grand-Slam-Champion im Doppel hatte taktisch noch einen letzten Pfeil im Köcher. Katic begann sein Spiel über die gegnerische Rückhand aufzubauen, und das Risiko im eigenen Spiel zu minimieren. So fand der serbische Youngster zurück in eine Partie, die ihm schon entglitten schien. Mit einem Break zum 5:3 und einem durchgebrachten Service-Game, rettete sich Katic in den Match-Tiebreak, der ja an diesem Wochenende zum ersten Mal in der HTT 250er-Ära zum Einsatz kam. Dort führte Juritsch bereits mit 8:5, ehe sich Katic mit vier Punkten in Folge seinen ersten Matchball sicherte. Den wiederum wehrte Juritsch in großem Stil mit einem phantastischen Passierball zum 9:9 ab. Mit einem Service-Winner und einem abschließenden Flugball schleppte sich Katic nach 1:11 Stunden Spielzeit über die Ziellinie  in sein drittes Saison-, und sein fünftes Karriere-Finale sowie zum 50. Einzelsieg seiner HTT-Laufbahn. Mit seinem Zittersieg baute Katic auch seine aktuellen Siegesserien auf der Hobby Tennis Tour weiter aus. So ist der Jungstar nun bereits seit sechs HTT 250-Matches und insgesamt seit 7 HTT Partien ungeschlagen.

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Wer ist die Nummer 1 im Hause Birnbaumer?

Besondere Spannung herrschte am Montag Abend auch vor dem zweiten Halbfinal-Duell, dem noch mehr Aufmerksamkeit als dem “Katic-Juritsch-Treffen” zu Teil wurde. Und das hatte einen guten Grund. Zum ersten Mal in der HTT Geschichte, standen sich zwei Familienmitglieder in der Konstellation “Bruder & Schwester” in einem HTT-Halbfinale gegenüber. Wie kompliziert so eine Geschwister-Beziehung sein kann, weiß jeder, der durch Bruder-, oder Schwesterliebe gesegnet ist. Eifersucht, Rivalität trotz enger Familienbande sind speziell im Wettbewerb zwischen Geschwistern keine Seltenheit. 2308 Turniere hat es also gedauert, bis die HTT so ein Bruder-Schwester-Duell mit all seinen Facetten geboten bekam. Die Birnbaumers aus dem heuer so höchst erfolgreichen bolivianischen Tennisclan waren die Auserkorenen, die sich dem Experiment “Familien-Semi” stellten. Hortencia, die 25jährige Tochter gegen Christopher das Nesthäckchen, den 15jährigen Sohn! Wer würde den Platz im November HTT 250 Finale ergattern, wer damit seine Chancen auf eine Finals-Teilnahme wahren? Und vorallem, wer ist denn nun die Nummer 1 im Hause Birnbaumer? Sechs Titel auf HTT 250er-Ebene haben die beiden “Birnis” in dieser Saison zusammen schon gewonnen, Schwester Laura hat sogar noch einen siebenten Pokal für den Trophäenschrank daheim beigesteuert. Aber wie würde sich ein so brisantes HTT Match zwischen den als schüchtern und zurückhaltend geltenden Hortencia und Christopher entwickeln?

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Hortencia lässt 4:0 Führung gegen kleinen Bruder im zweiten Satz ungenützt

Zunächst einmal ließ Hortencia das kleine Brüderlein einmal ein paar Minuten am Centercourt stehend warten. Eine Aktion – ob gewollt oder ungeplant – die Wirkung zeigte. Denn der nervös wirkende Christopher hatte in der Anfangsphase keinen Meter gegen die ambitioniert startende und hervorragend spielende große Schwester, die mit einem raschen Break gleich im Auftaktgame loslegte, und diese Führung bis 3:2 transportierte, ehe sie das Re-Break kassierte. Mit einem zweiten, und letztlich entscheidenden  Aufschlagverlust war der erste Satz aus Schwestern-Sicht nach exakt 56 Minuten mit 4:6 verloren gegangen. Emotionen, Diskussionen, Streitigkeiten – alles Fehlanzeige. In ruhig artikuliertem Spanisch, verständigten sich die beiden südamerikanischen HTT-Cracks über die ein oder andere mögliche strittige Situation auf dem Court. Als Christopher im zweiten Satz nach einer engen “In oder Out-Entscheidung” das Publikum befragte, und sich schließlich ohne klarer Rückmeldung der Zuseher den Punkt und damit ein Game gutschreiben ließ, quittierte dies die große Schwester auf der anderen Seite mit einem charmanten Lächeln. Und das, obwohl die 25jährige davor eine klare 4:0 Führung verjuxt hatte, und bei 5:4 erfolglos auf den Satzausgleich serviert hatte. Immerhin in den Tiebreak schaffte es die 3fache Saisonsiegerin aus Santa Cruz, wo sie bei 6:5 sogar einen Satzball vorfand. Just in dieser Phase aber trumpfte der kleine Bruder groß auf, brillierte mit einem Rückhand-Cross-Winner zum 6:6, legte mit einem Vorhand-Winner an die Linie zum 7:6 nach, ehe er beim Matchball von einem letzten Vorhand-Fehler seiner “Sister” profitierte. Wer der stärkere Spieler der beiden besten Birnbaumers ist, konnte man in dieser Partie nicht herausfiltern. Technik, Taktik, und das Spielerische, das waren in dieser ganz speziellen Begegnung nicht die wichtigsten Faktoren. Entscheidend war da wohl schon eher, was sich zwischen den Ohren der beiden Birnbaumers abspielte. Und da hatte Christopher Birnbaumer eben nach 1:52 Stunden Spielzeit das bessere Ende für sich.

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von Claus Lippert

Dienstag
04.11.2025, 14:08 Uhr
zuletzt bearbeitet: 04.11.2025, 15:18 Uhr