Davis Cup: Hamburger Erkenntnisse

Deutschland hat in Hamburg das angestrebte Ziel erreicht: Die Qualifikation für die Finalrunde im Davis Cup 2022. Die Veranstaltung leidet allerdings unter den äußeren Umständen. Und der Abwesenheit des deutschen Zugpferds Alexander Zverev.

von Jens Huiber
zuletzt bearbeitet: 16.09.2022, 23:59 Uhr

Der Center Court am Hamburger Rothenbaum am Freitag
© Getty Images
Der Center Court am Hamburger Rothenbaum am Freitag

Von Jens Huiber aus Hamburg

Wer dieser Tage mit ortsansässigen Fans spricht, der bekommt glaubwürdig versichert: Hamburg hatte einen superben Sommer, fast schon zu schön, um wahr zu sein. Dummerweise ist dieser Sommer mit dem Donnerstag zu seinem Ende gekommen. Und am Freitag bei der Partie zwischen  Deutschland und Belgien gab es kein Revival der Temperaturen in den Mitt-Zwanzigern. Ob er schon einmal bei solchen Temperaturen eine Davis-Cup-Partie gespielt habe, wurde Jan-Lennard Struff in der Pressekonferenz nach seinem Erfolg gegen Zizou Bergs gefragt. Struff konnte sich an keine derartige Gelegenheit erinnern, wies aber gleich darauf hin, dass er selbst während seiner Partie keine Probleme mit der Temperatur hatte.

Das Tennisstadion am Hamburger Rothenbaum ist eine grandiose Wettkampfstätte, das flexible Dach eine wunderbare Versicherung gegen schlechtes Wetter beim kombinierten ATP/WTA-Event Mitte Juli. Aber, nicht einmal allzu streng genommen: es ist halt keine Halle, wie von der ITF eigentlich gefordert.

Was auch das australische Team nicht müde wurde zu beteuern, allen voran Alex de Minaur, der trotz seines Comeback-Sieges gegen Benjamin Bonzi am Donnerstag nicht besonders glücklich wirkte. Nun kann es den Australiern andererseits auch schon egal sein, sie werden beim Viertelfinale in Malaga dabei sein. Dort wird in einer „echten“ Halle gespielt, gemäßigtere Temperaturen sind zu erwarten.

Zverev zittert mit dem deutschen Team

Was man natürlich auch von den Fans vor Ort hört: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung. Und so kommt es nicht überraschend, dass viele Fans ihre Mütze nicht nur zur Sicherheit, sondern auch zur fachgerechten Nutzung mit an den Rothenbaum gebracht haben. „Viele“ Fans ist dann allerdings auch relativ zu sehen: Ja, das Hamburger Stadion fasst deutlich mehr Zuschauer als die Standorte Glasgow, Bologna und Valencia. Aber dort sind die Tribünen bei den Matches der Heimteams voll, in Hamburg nicht einmal zu einem Drittel. Was natürlich auch damit zusammenhängt, dass anderswo Carlos Alcaraz (Valencia), Matteo Berrettini und Jannik Sinner (Bologna) sowie Andy Murray und Cameron Norrie (Glasgow) am Start sind.

Ein weiterer Grund: die schon an mehreren Stellen angesprochenen sportlichen Eintrittspreise am Rothenbaum.

In Hamburg zitterte Alexander Zverev nun mit der deutschen Mannschaft mit, nicht nur aufgrund der engen Matches. Die Idee, Zverev in seiner Geburtsstadt als Zugpferd einzuspannen, war so bestechend einfach wie richtig. Aber, und das ist die dritte Erkenntnis, die man als aufmerksamer Zuhörer der Hamburger mitnimmt: Es hätte sehr wohl auch andere Möglichkeiten in dieser tollen Stadt gegeben, die Davis-Cup-Zwischenrunde auszutragen.

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von Jens Huiber

Samstag
17.09.2022, 09:15 Uhr
zuletzt bearbeitet: 16.09.2022, 23:59 Uhr