Davis Cup: Vier Kapitäne steuern auf den Titel zu

Heute findet in Madrid das erste Halbfinale des Davis-Cup-Final-Turniers 2021 statt. Serbien trifft dabei auf Kroatien (ab 16 Uhr live im Stream bei servustv.com), morgen spielt Deutschland gegen Russland. Neben den Spielern stehen auch die Kapitäne im Scheinwerferlicht.

von Jens Huiber
zuletzt bearbeitet: 03.12.2021, 08:04 Uhr

Michael Kohlmann mit Tim Pütz und Kevin Krawietz
© Getty Images
Michael Kohlmann mit Tim Pütz und Kevin Krawietz

Würde man in Moskau, Zagreb, Belgrad und Berlin eine Umfrage in der Fußgängerzone durchführen, wer denn der Fußball-Nationaltrainer des jeweiligen Landes ist - man käme wohl auf ein recht zufrieden stellendes Ergebnis. Fragt man indes nach dem Davis-Cup-Kapitän, der dasselbe Amt bekleidet wie Dragan Stojkovic in Serbien, Zlatko Dalic in Kroatien, Valery Karpin in Russland und Hansi Flick beim Deutschen Fußball Bund, ist mit eher dünnen Antworten zu rechnen.
Wer sind also die vier Männer, die ihre Teams an diesem Wochenende zum Sieg bei der Davis-Cup-Finalrunde in Madrid führen wollen? Ein kleiner Überblick ..

Der Teamspieler - Michael Kohlmann

Der deutsche Davis-Cup-Chef erlebt in sportlicher Hinsicht gerade ein Highlight nach dem anderen: Vor ein paar Wochen hat sein Lieblingsteam in der Major League Baseball, die Atlanta Braves, erstmals seit 1995 wieder die World Series gewonnen. Borussia Dortmund spielt eine starke Bundesliga-Saison, könnte den morgigen Samstag für Kohlmann (und auch Jan-Lennard Struff) mit einem Sieg gegen den FC Bayern krönen. Und in Sachen Kernkompetenz sieht es auch sehr gut aus: Deutschland steht nach Siegen gegen Serbien, Österreich und Großbritannien unter den besten vier Nationen im Davis Cup 2021.

Der Anteil von Kohlmann ist dabei kaum zu überschätzen: Die Stimmung in anderen Mannschaften mag gut sein, bei den Deutschen ist sie prächtig. Kohlmann kennt seine Spieler seit vielen Jahren, hat etwa Tim Pütz ins Team berufen, lange bevor der unter die Top 20 in der Doppel-Weltrangliste empor geschossen ist. Kohlmann stellt sich nie in den Vordergrund und dennoch immer vor seine Mannschaft. Er selbst hat im Jahr 2000 im Viertelfinale in Australien sein Davis-Cup-Debüt gegeben, Lleyton Hewitt war damals eher zu gut aufgelegt für ihn.

Die Kernkompetenz lag bei Michael Kohlmann im Doppel, gerne auch an der Seite von Alexander Waske, mit dem er 2007 gegen Belgien seinen letzten Paarlauf im Nationaltrikot bestritt. Kohlmann ist aber auch ein echter Tennislehrer, der seinen Spielern während der Matches weiterhelfen kann. Was gegen einen ziemlich ausgebrannt wirkenden Andrey Rublev wichtig werden kann.

Viktor Troicki hat nur mit Novak Djokovic viel Freude
© Getty Images
Viktor Troicki hat nur mit Novak Djokovic viel Freude

Der Ex-Champion - Viktor Troicki

Viktor Troicki zeigt in den den Tagen von Innsbruck und Madrid zwei Gesichter: Wenn seine Nummer eins, Novak Djokovic, auf dem Court steht, dann kann sich der serbische Capitano beruhigt zurücklehnen, dem Großmeister bei der Arbeit zusehen und im Geiste schon den sicheren Länderpunkt verbuchen. Die zweiten Einzelspieler haben Troicki indes an den Rand des Nervenzusammenbruchs getrieben: Lediglich Dusan Lajovic konnte mit Ach und Krach einen Zähler verbuchen, Filip Krajinovic gegen Deutschland und vor allem Miomir Kecmanovic gegen Kasachstan mussten ihren jeweiligen Gegnern letztendlich zum Sieg gratulieren.

Da wirkte Troicki einigermaßen genervt. Er weiß aber natürlich, dass im Davis Cup die Nerven ganz besonders flattern können. 2019 war Troicki selbst noch aktiv, hatte an der Seite von Novak Djokovic den Sieg gegen die Russen mehrmals am Schläger - und vergab seine Chancen in etwa derselben Manier wie Kecmanovic die seinen gegen Mikhail Kukushkin.

Aber: Viktor Troicki hat sich in Serbien in Tenniskreisen unsterblich gemacht. 2010 verlor er im Endspiel in Belgrad mit Nenad Zimjonic zwar das Doppel gegen Frankreich, im fünften und entscheidenden Match gegen Michael Llodra holte er aber den Titel für seine Nation. Am Sonntag möchte er dies als Kapitän tun.

Daniil Medvedev und Shamil Tarpischev
© Getty Images
Daniil Medvedev und Shamil Tarpischev

Der Multi-Funktionär und Flegel - Shamil Tarpischev

Oft ist die Rede von Männern oder Frauen, die im Tennis schon alles gesehen haben. In Sachen Davis Cup (und auch Fed Cup) könnte man in dieser Hinsicht Shamil Tarpischev an vorderster Front nennen. Tarpischev hat mit den russischen Männern 2002 und 2006 den Davis Cup gewonnen, die Frauen holten unter ihm als Kapitän 2004, 2005, 2007 und 2008 die Mannschaftskrone heim nach Russland.

Vielleicht strahlt Tarpischev deshalb eine gewisse Bierruhe aus, während Andrey Rublev mit sich und derWelt hadert, eine elektronische Bande kurz mal kaputt schießt wie im Match gegen Elias Ymer. Tarpischev, mittlerweile 73 Jahre alt und neben anderen Tätigkeiten und Ämtern auch Mitglied im Internationalen Olympischen Committee, trägt so etwas mit Fassung. Und feiert Punkte wie Siege eher spärlich. Selbst gespielt hat der russische Kapitän für sein Land nie.
Dafür hat er 2014 in einer TV-Talkshow gegen die Williams-Schwestern rassistisch und sexistisch ausgeteilt, was ihm eine Sperre der WTA von einem Jahr eingebracht hat.

Der National-Coach - Vedran Martic

Kroatien hat im Laufe seiner noch jungen Geschichte zwei Grand-Slam-Champions im Männer-Einzel produziert: Goran Ivanisevic, der 2001 in Wimbledon das legendäre Endspiel gegen Patrick Rafter gewann, und Marin Cilic, der sich 2014 bei den US Open den Titel holte. Beide Spieler hat Vedran Martic gecoacht. Allerdings nicht zum Zeitpunkt ihrer größten Erfolge: Bei Ivanisevic hat er vor dem Wimbledon-Triumph gewirkt, bei Cilic erst in jüngerer Vergangenheit.

Auf Marin Cilic möchte sich Martic auch in diesen Tagen wieder verlassen können, alleine, der Veteran hat sich noch nicht von seiner besten Seite gezeigt. Dafür hat Martic, der selbst nie im Davis Cup für Kroatien gespielt hat, Borna Gojo so stark geredet, dass dieser im Viertelfinale Lorenzo Sonego besiegen konnte. Und bei den Kroaten gilt fast noch mehr als im deutschen Team: Wenn es nach den Einzeln 1:1 steht, darf man schon mal mit dem Sieg planen. Denn mit Nikola Mektic und Mate Pavic steht das beste Doppel des Jahres 2021 bereit.

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