WTA Linz: Die schöne Qual der Wahl

Sandra Reichel hat dieser Tage ein Problem, das Turnierdirektorinnen eher gerne haben.

von Jörg Allmeroth
zuletzt bearbeitet: 04.10.2019, 19:17 Uhr

Cory Gauff schlägt erstmals im Hauptfeld von Wimbledon auf
© Getty Images
Cori Gauff

Sie hat mehr Anfragen hochkarätiger Spielerinnen als Wild-Card-Zugänge für ihre „Upper Austria Ladies“ in Linz. Reichel, die kürzlich erst als Chefin am Hamburger Rothenbaum eine äußerst gelungene Premiere des ATP-500er-Turniers stemmte, hat vor dem ersten Aufschlag des Hauptfeldes tatsächlich die Qual der Wahl, denn sie muss bei der Zuteilung der Freikarten auch einigen vertrauten, lieb gewonnenen Akteurinnen eine Absage erteilen. Andere dagegen wird Reichel glücklich machen, wahrscheinlich am meisten die, die sich von ihrer Teilnahme in Linz auch noch eine Qualifikationschance für die WTA Finals in Shenzhen oder das B-Finale der Tour ausrechnen.

Ein zusätzlicher Platz ist gerade noch frei geworden, der Platz, den eigentlich Maria Sharapova beansprucht hatte. Aber die schillernde Russin musste quasi auf den allerletzten Drücker wegen Schulterproblemen absagen, „mit großem Bedauern“, wie sie der Turnierdirektion und ihren Fans in Österreich und rund um die Welt mitteilte. Allerdings kann man nicht verschweigen, dass diese Absage auch eine gewisse Irritation auslöste – denn zuletzt war ja bei Instagram noch eine Botschaft von Sharapova aufgetaucht, in der sie sich erfreut zeigte, zum WTA-Turnier nach Luxemburg zurückzukehren, das in der Woche nach Linz stattfindet.

Coco-Mania auch in Linz?

Natürlich ist das Fernbleiben der Russin bedauerlich für jene Fans, die sich explizit Tickets wegen ihres Auftritts im schönen Linz ergattert hatten. Aber Tatsache ist auch: Es gibt ein für diese Turnierkategorie extrem gut besetztes, hochkarätiges Teilnehmerinnenfeld, das Weltklassetennis, Topmatches und einen intensiven Kampf um den Siegerpokal verspricht. Als Last-Minute-Coup darf zudem sicher das Mitwirken von US-Wunderkind Coco Gauff in der Qualifikation gewertet werden - der Teenagerin, der in diesem Sommer neben den etablierten Stars der Branche die größten Schlagzeilen gehörten. Gerade Wimbledon erlebte Anfang Juli eine wahre Coco-Manie. Die sich dann fast noch einmal steigerte, als die 15-jährige bei den US Open in New York antrat.

Nun wird Linz den ersten Auftritt von Gauff nach dem Grand Slam-Spektakel in New York erleben, zunächst in der Qualifikation, idealer Weise danach auch im Hauptfeld. Eine Wildcard für Gauff war wegen der WTA-Regularien nicht möglich, die erlauben nämlich nur drei Wild Card-Einsätze pro Saison für eine Spielerin ihres Alters. Mit dabei sind in der Qualifikation auch u.a. Laura Siegemund. Timea Babos, Sorana Cristea und Kirsten Flipkens.

Kvitova führt Teilnahmefeld an

An starkem Personal ist auch kein Mangel, wenn dann im Hauptfeld die ersten Bälle auf dem Centre Court und den weiteren Spiel-Plätzen fliegen. Petra Kvitova führt aktuell die Meldeliste an, die Nummer 7 der Welt und zweimalige Wimbledonsiegerin. Und dann kommt mit Belinda Bencic auch gleich eine Topakteurin ins Spiel, die sich noch sehr berechtigte Hoffnungen auf einen Startplatz in Shenzhen macht. Bencic, derzeit die Nummer 10 in der WTA-Hierarchie, spielt 2019 die stärkste Saison seit ihrem Profistart, das erste große Ausrufezeichen hatte sie im Februar mit ihrem Sieg in Dubai gesetzt.

Dahinter folgen u.a. Anastasija Sevastova, Anett Kontaveit, Maria Sakkari, Kristina Mladenovic oder Camila Giorgi. Aus deutscher Sicht dürfte besonders spannend der Auftritt von Julia Görges werden: Die Fed Cup-Spielerin trennte sich kürzlich nach einer sehr durchwachsenen Saison von ihrem Trainer Sebastian Sachs und ihrem Physiotherapeuten Florian Zitzelsberger. Schon im Mai, nach den French Open, hatte Görges einen Schlussstrich unter die Zusammenarbeit mit dem damaligen Coach Michael Geserer gezogen. Görges hatte die laufende Spielserie als Nummer 14 begonnen, rutschte zuletzt aber auf Platz 27 der Tennis-Charts ab.

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04.10.2019, 18:52 Uhr
zuletzt bearbeitet: 04.10.2019, 19:17 Uhr