Drei Fragen, um nach dem größten Coup der Karriere erfolgreich zu bleiben

Wie schafft man es, nach dem größten Triumph der Karriere erfolgreich zu bleiben? Tennis-Insider Marco Kühn hat die Antwort parat.

von Marco Kühn
zuletzt bearbeitet: 19.03.2021, 09:50 Uhr

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Dominic Thiem erfüllte sich bei den US Open einen Lebenstraum
© Getty Images
Dominic Thiem erfüllte sich bei den US Open einen Lebenstraum

Du hast zehn Jahre auf dieses eine Ziel hingearbeitet. Du hast Dates sausen lassen, Partys gemieden und diesem einen Ziel alles untergeordnet. Du bist zu einem Experten im Fitnessbereich geworden. Es wäre für dich kein Problem, einen Kurs in Ernährungslehre zu geben. Du hast dein großes Ziel erreicht: Du bist im zehnten Anlauf endlich Vereinsmeister geworden.

Du hast bei der Siegerehrung im Applaus der Vereinsmitglieder gebadet. Mit Stolz bist du nach Hause gefahren und hast ein zuvor unbekanntes Glücksgefühl erlebt. Es ist ein rauschähnlicher Zustand. Ach, und du hast ganz bescheiden reagiert, wenn dir Leute gratuliert haben. Aber innerlich hast du vor Freude Sirtaki getanzt.

Zwei Wochen später interessiert das niemanden mehr.

Während dieser zwei Wochen holt dich der Geist deines Erfolges ein. In dieser Zeit raubt er dir die Energie, die dir die Motivation zum Training, zum Verzicht und zum "immer weitermachen" geschenkt hatte. Nun stehst du ohne diese Energie auf dem Court. Was hinzu kommt: Du hast auch kein großes Ziel mehr im Kopf. Du fühlst dich klein, wehrlos und von den Erwartungen anderer persönlich angegriffen.

An dieser Stelle könnte ich noch schreiben, dass du reihenweise gegen schwächere Gegner verlierst und nach einem Match nicht weißt, wie diese Niederlagen spielerisch entstanden sind.

Das sparen wir uns. Stattdessen hole wir die mentalen "Ghostbusters" und schauen, wie du den Geist vertreibst und wieder in die Erfolgsspur findest. Dazu stellen wir uns drei peinlich simple Fragen. Die Antworten auf diese Fragen können dich wieder in das Mindset versetzen, welches du vor dem größten Coup deiner Karriere hattest. Mit dem Unterschied, dass du den bösen Geist jetzt kennst und an deiner Erfahrung charakterlich gewachsen bist.

Lass uns loslegen.

Frage #1: Wer bin ich?

Es gibt zahlreiche Charaktere, die keinerlei Ideale und Werte besitzen. Sie hüpfen von einem Zug zum anderen. Immer auf dem Weg zum vermeintlichen Erfolg. Wenn sie dann am "Bahnhof des Triumphes" angekommen sind, wissen sie gar nicht mehr, wer sie sind.

Dieses Phänomen kennen wir von Musikern, die heute Rock und morgen Schlager machen und nach ihrem ersten und einzigen Hit in der Entzugsklinik landen.

Du solltest dir spätestens nach deinem größten Coup die Frage stellen, wer du bist. Ein hilfreiches Werkzeug dafür ist die Geschichte. Deine Geschichte. Denn deine Karriere ist eine Geschichte. Der Held dieser Geschichte bist du. Mal musst du gegen furchteinflössende Monster kämpfen. In einer anderen Phase deiner Geschichte bist du der Außenseiter, der es den Neidern zeigt. Es ist für dich wichtig zu wissen, welche charakterlichen Stärken und Schwächen die Heldenfigur deiner Geschichte auszeichnen.

Du findest heraus, wer du bist. Und warum du erfolgreich sein möchtest. Deine Motivation zu trainieren, dich gesund zu ernähren und auf viele Dinge zu verzichten, muss einen gesunden Ursprung haben. Eine denkbar schlechte Motivation ist es, Erfolg haben zu wollen, weil man es anderen beweisen will.

Eine gesunde Motivation ist das Verwirklichen des dir innewohnenden Potentials. Diese Motivation kennt kein Endziel. Sie ist somit - unter bestimmten Umständen - nie aufgebraucht.

Wenn du beginnst, deine Geschichte Revue passieren zu lassen, dann wird es dir gelingen, eine Zukunft zu zeichnen. Dieser Prozess bringt dich dem Kern deines Charakters ein großes Stück näher.

Frage #2: Wo bin ich? 

Nach dem größten Erfolg deiner Karriere fehlt dir ein neues Ziel. Du weißt nicht, wo du bist. Dir fehlt eine Landkarte, um dich orientieren zu können. Es kann sein, dass dich das Erreichen deines Zieles nicht so erfüllt hat, wie du es dir vorgestellt hast. Dies ist der ideale Zeitpunkt, um eine neue Landkarte zu zeichnen.

Du hast einen neuen Punkt in deiner Karriere erreicht. Bei der "Wer bin ich?"-Frage hast du herausgefunden, wer du bist und was deine Motivation ist. Nun verbindest du diese beiden Punkte miteinander. Du überlegst dir, an welches Ziel dich deine Motivation führen kann.

Hier einige Ideen:

- Steigerung der Konstanz im Match
- Verbesserung der mentalen Matchvorbereitung
- Tiefe Analyse von Niederlagen
- Mehr Ruhe zwischen den Ballwechseln
- Bessere Einstellung vor auf dem Papier unwichtigen Matches
- Verbesserung der Aufmerksamkeit gegenüber dem gegnerischen Spiel

Diese Ideen bringen dir einen Vorteil: Sie führen dich nicht einfach nur zu einem großartigen Triumph bei einem Turnier. Sie verbessern dich als kompletten Tennischarakter auf dem Court. Du setzt dir keine kurzfristigen, sondern langfristige Ziele. Du koppelst deine Ziele von einzelnen Triumphen ab und setzt deine sportliche Entwicklung als das eine große Ziel.

Der Clou: Je stärker du als Spieler wirst, desto mehr Erfolg wirst du haben.

Frage #3: Wo will ich hin?

Das Setzen von Zielen ist ein sensibles Kind. Gehst du zu grob vor, schreit es. Bist du zu lieb, dann entwickelt es sich nicht. Es muss also eine andere Idee her. Nehmen wir als Beispiel, dass du die Nummer eins in deinem Verein für die nächsten fünf Jahre werden willst. Dann beginnst du noch härter zu trainieren und bist wieder "im Modus". Fatal kann es werden, wenn du dich zu sehr auf dieses Ziel verlässt. Dann machst du denselben Fehler, wie vor deinem Triumph bei den Vereinsmeisterschaften.

Was kannst du tun? Finde heraus, welche Widrigkeiten du auf dem Weg zu deinem Ziel von der Erfolgsspur räumen musst. Dazu könnte gehören:

- Verkraften niederschmetternder Niederlagen
- Phasen der Zweifel
- Motivationslöcher
- Unerwartete private Probleme
- Verletzungen

Im nächsten Schritt setzt du dir als dein großes Ziel, exakt diese Widrigkeiten lösen zu können. Du bereitest dich mental auf echte Probleme vor, die dem Erreichen deines Zieles im Wege stehen könnten.

Du entwickelst durch diesen Schritt eine Mentalität, die dich auf jede Form der Rückschläge vorbereitet. Dazu gewinnst du neue Energie, die dir nach deinem großen Erfolg verloren gegangen ist.

Wo willst du hin? Du willst der Spieler werden, der trotz kaum zu glaubender Widrigkeiten sein Ziel erreicht. Du willst der Charakter werden, den nichts aufhalten kann. Da willst du hin.

Was kannst du aus diesen drei Fragen lernen? Ein großer Triumph kann dir einen Knacks für deine Karriere geben. Wenn du aber die richtigen Lehren daraus ziehst, so kannst du mit einem stärkeren Charakter wesentlich höhere Ziele erreichen.

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