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Florian Pimishofer kämpft sich zu HTT-French-Open-Titel

Seit Mittwoch Abend leuchtet ein neuer Stern am Tennishimmel der HTT. Der erst 19jährige Florian Pim...

von Claus Lippert
zuletzt bearbeitet: 10.06.2021, 03:18 Uhr

Seit Mittwoch Abend leuchtet ein neuer Stern am Tennishimmel der HTT. Der erst 19jährige Florian Pimishofer aus Niederösterreich ist der neue Sandplatzkönig von Österreichs größter Breitensport-Tennisserie, und nach einem außergewöhnlichen Finalauftritt der Nachfolger von Yannick De Giacomo als HTT French Open-Sieger. Der an Nr. 11 gesetzte Ternitzer setzte sich in einem über weite Strecken höchst ausgeglichenen, im Finish äußerst dramatischen und insgesamt wahnsinnig intensiven Endspiel gegen den Ranglisten-Fünften Maximilian Wild mit 7:5, 6:3, 3:6, 7:5 durch, und feierte nach 3:46 Stunden und einem insgesamt 319 Punkte andauernden Schlagabtausch am Centercourt Lance Lumsden den ersten HTT-Grand-Slam-Titel seiner Karriere. Für Pimishofer war es überhaupt der erste HTT-Turniersieg seiner Laufbahn, der ihn mit einem Schlag auch einen Platz in den aktuellen Top Ten der neuesten HTT Computer-Rangliste sicherte. Aus dem UTC La Ville berichtet für hobbytennistour.at C.L

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Pimishofer verwandelt im ersten Satz einen 1:5 Rückstand noch in ein 7:5

Ein Finale beim Heimturnier in Seebenstein im September 2018, das war bislang das mit Abstand beste HTT-Resultat des Florian Pimishofer. Seit Mittwoch Abend zählt der 19jährige Niederösterreicher aber zur Creme de la Creme der Hobby-Tennis-Szene Österreichs, und zu einem gerade einmal 53 Herren umfassenden elitären Club, der sich HTT-Grand-Slam-Champion nennen darf. Ein sportlich bitterer Nachmittag wurde jener des 9. Juni 2021 hingegen für Maximilian Wild, der in seinem ersten HTT-French-Open-Finale zu unkonstant, zu fehlerhaft, zu hektisch und ohne der nötigen Ruhe das finale NÖ-Derby nach großartigem Beginn “peu a peu” aus der Hand gab, und damit am Ende auch den zweiten HTT Major-Titel nach den HTT Australian Open 2019 verpasste. Bei 30 Grad im Schatten prägte Wild zunächst das Geschehen am Centercourt des UTC La Ville förmlich nach Belieben. Es war ein mehr als fulminanter Start jenes Mannes, der mit dem Sieg beim Peugeot Mai Masters Series 1000 Turnier im Gepäck anreiste, und insgesamt eine 9:0 Saisonbilanz mit in das finale Duell mit Pimishofer brachte. Dementsprechend legte Wild los, nahm einem sichtlich nervös und konzeptlos beginnenden Pimishofer bei dessen HTT Grand Slam Final-Premiere in den ersten 10 Minuten gleich zwei Mal den Aufschlag ab, und lag zwischenzeitlich mit 4:0 und 5:1 Führungen klar auf Kurs Satzgewinn. Die Wende folgte im achten Game beim Stand von 5:2 als Wild versuchte, mit eigenem Aufschlag die 1:0 Satzführung in trockene Tücher zu verfrachten. Dem war aber nicht so, denn Wild musste erstmals in diesem Endspiel der 30. Auflage des Peugeot Sandplatz Grand Slam Turniers seinen Aufschlag abgeben, und das gleich schmerzhafter Weise zu Null. Wild schien geschockt, gab neun Punkte in Serie, und sein Service zwei weitere Mal ab. Damit hatte Pimishofer tatsächlich eine Mega-Aufholjagd vollbracht, und ein 1:5 nach 55 Minuten in ein 7:5 verwandelt.

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Maximilian Wild nach 0:2 Satzrückstand mit Moral und Klasse

Im zweiten Durchgang sahen die Zuschauer dann ein permanentes Auf & Ab. Kaum ein Game ohne Einstand, Break & Re-Break zu Beginn des Satzes, die Entscheidung fiel aber erst im achten Game, als Wild bei 3:4 drei Spielbälle zum 4:4 ausließ, und am Ende mit drei Doppelfehlern in diesem Aufschlagspiel das Break zum 3:5 kassierte. Pimishofer behielt die Nerven, und hatte nach weiteren 59 Minuten Spielzeit mit 6:3 die 2:0 Satzführung klar gemacht. Nur 12 Minuten später, hatte Wild seine ganze Klasse am Court Lance Lumsden demonstriert, und seinem Gegner mit einer herausgespielten 3:0 Führung den Fehdehandschuh hingeworfen. Die Doppelfehler Nr. 7 und 8 von insgesamt am Ende 15 Stück dieser ärgerlichen “errors”, stoppten kurz der Aufwärtstrend des 9fachen HTT Titelträgers. Doch das kassierte Break zum 2:3, besserte Wild mit dem prompten Re-Break zum 4:2 aus, und damit war die Messe in diesem dritten Satz gelesen. Ein weiteres Husarenstück wie im ersten Satz sollte Pimishofer diesmal nicht gelingen. Wild schloß den dritten Heat mit einem grandios geschlagenen Vorhand-Winner nach 40 Minuten zum 6:3 ab, und durfte plötzlich mit einem bislang einmaligen Rekord auf der Peugeot Hobby-Tennis-Tour spekulieren. Ein 0:2 in Sätzen aufzuholen, das ist in der Grand-Slam-Geschichte der HTT bislang erst einem einzigen Spieler gelungen. Mario Kiss war es, der im HTT Australian Open Finale 2008 gegen Andreas Harbarth ein 4:6, 5:7 noch in ein 6:2, 6:3, 6:0 verwandeln konnte.

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Wild kommt im vierten Satz nach 1:4 Rückstand nochmals zurück, Pimishofer verwandelt aber schließlich seinen zweiten Matchball zum HTT-Major-Triumph

Den vierten Satz mit neuen Bällen eröffnete Florian Pimishofer, der bei 1:0 Führung nicht weniger als fünf Break-Chancen zum 2:0 ausließ, und sich damit wohl um eine frühere Vorentscheidung gegen einen längst fluchenden und unkonzentriert wirkenden Gegner brachte. Kurz darauf führte Pimishofer trotzdem 4:1. Die Drei Stunden-Grenze war längst überschritten, Wild schaffte in kaum einem Game einmal zwei Punkte am Stück zu machen, und mit dieser Inkonstanz war einem wie Pimishofer bis zu diesem Zeitpunkt nicht beizukommen. Doch der 19jährige war noch einmal gefordert, immerhin galt es den Sack zuzumachen, und das immerhin in einem HTT-Grand-Slam-Finale. Das kann schon eine schräge Nummer werden, und tatsächlich wurde es noch einmal spannend bis dramatisch. Zunächst bekam man im sechsten Game  des vierten Satzes noch einmal alles geboten, was dieses Match an kuriosen “Up & Downs” zu bieten hatte. Aufgepasst: Wild servierte in diesem Game nicht weniger als vier Doppelfehler, wehrte drei Break-Chancen Pimishofers zum 1:5 ab, ehe er auf 2:4 verkürzte, und noch einmal Hoffnung schöpfte. Erst recht, als dem an Nummer 3 gesetzten Niederösterreicher das Break zum 3:4 gelang, er den eigenen Aufschlag zum 4:4 nützte, und er auch noch die 5:4 Führung Pimishofers mit eigenem Aufschlag zum 5:5 egalisieren konnte. Das zweite Mal gegen den Matchverlust zu servieren, ging bei 5:6 hingegen nicht mehr gut. Einen Matchball konnte Wild mit einem herrlichen Half Volley noch abwehren, ein letzter Vorhand-Fehler besiegelte aber um exakt 20:16 Uhr die finale Niederlage des im Race to La Ville führenden Niederösterreichers.

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Der neue HTT French Open Sieger im Interview

Es war der 102. unerzwungene Fehler Wilds, selbst hochgerechnet auf ein best of five Match mit letztlich vier langen und intensiven Sätzen, eine absolut untragbare Horror-Quote für einen Spieler seines Kalibers. Da halfen letztlich auch 76 Winner nichts. Pimishofer hielt das Punkte-Fehler-Verhältnis “solider” im Rahmen, und hatte nach 3:46 Stunden Spielzeit mit 161 zu 158 gewonnenen Ballwechseln gerade einnal drei Punkte mehr als sein unterlegener Gegner. Wild nahm bei der Siegerehrung “not amused” den Teller für seine zweite HTT Grand Slam Finalteilnahme entgegen, und durfte sich letztendlich mit der erfolgreich verteidigten Führung im Race to La Ville, und dem Vorstoß auf Platz 2 der HTT Entry-List trösten. Anders der Gewinner, der den wohl kaum erwarteten Moment in vollen Zügen auskostete. Ein Foto hier, ein geküsster Silberpokal da, Pimishofer war nach einem unfassbaren Fight zum 53. HTT Grand Slam Sieger der Open Ära avanciert, und am Ende bei der abschließenden PK hoch zufrieden. “Es ist gerade ein Supergefühl diesen Pokal hier auf der HTT gewonnen zu haben. Ich habe mich lange darauf vorbereitet, und so gesehen geht ein Wunsch von mir in Erfüllung. Der Maxi hat am Anfang gutes Tennis gespielt, und mir keine Chance gelassen um ins Match zu finden. Ich bin aber meiner Linie treu geblieben, habe versucht die Bälle im Spiel zu halten, und das hat am Ende auch funktioniert. Im vierten Satz mit 4:1 Führung und 2:1 Sätze voran liegend, da überlegt man natürlich kurz was jetzt kommen kann. Man muss aber weiter konzentiert bleiben, Punkt für Punkt spielen, denn im fünften Satz wären die Karten wohl neu gemischt gewesen. Schade das viele HTT-Stars nicht am Start waren, und das Damian Roman im Semifinale nicht antreten konnte. So habe ich meine Chance gewittert, und ich denke ich habe sie perfekt genützt”, so der frischgebackene HTT French Open Sieger 2021.

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von Claus Lippert

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