Französisch-serbischer Finalgipfel um die HTT Sandplatzkrone
Womöglich dauert das Turnier am Altmannsdorfer Ast jetzt schon sehr lange, für einige sogar zu lange...
von Claus Lippert
zuletzt bearbeitet:
03.06.2026, 11:18 Uhr
Womöglich dauert das Turnier am Altmannsdorfer Ast jetzt schon sehr lange, für einige sogar zu lange! Anders ist die maue Performance der meisten Akteure am gestrigen – auch insgesamt enttäuschend verlaufenden – Halbfinaltag bei den HTT French Open 2026 nicht zu erklären. Nur einer lieferte an Tag 6 der HTT French Open mit gewohnter Kontinuität & Souveränität ab. Die Rede ist natürlich von Nicolas Fares, dem neuen Shootingstar im Wiener Tennis, womit auch der vor dem Turnier für absurd gehaltene erste HTT French Open Titel für einen französischen Spieler immer näher rückt. Die Hoffnung auf einen glanzvollen und würdigen Abschluss der 35. HTT French Open Auflage lebt aber immer noch, zumal das zweite HTT Major-Event des Jahres mit dem Topfavoriten Vuk Jovanovic aus Serbien, dem französischen Überflieger einen adäquaten zweiten Spieler und Gegner für das anstehende Best of Five Traumfnale – LIVE im Ticker ab 17 Uhr auf www.hobbytennistour.at – zur Seite stellt. Ein Bericht von C.L
Eine Rechnung begleichen – das Motto für beide Teams vor dem heutigen Doppelfinale bei den HTT French Open 2026
Bevor wir uns dem erwähnten Traumfinale und dem halbfinalen Geschehen von Tag 6 widmen, machen wir noch eine kurzen Ausflug zum Doppel. Bevor die Kritik über die nicht vorhandene Berichterstattung über den eigentlich “schöneren” der beiden HTT FO Bewerbe laut wird. Wobei ganz ehrlich. Die Doppelstars der Szene – und da sind ausnahmslos alle Spieler & Teams gemeint, haben bislang in dieser Saison gar nichts beigetragen, um das Doppel auch nur irgendwie einem zarten Hype zuzuführen. Dennoch steht am Mittwoch Abend ab 18 Uhr mit der Partie Martin Zehetner & Harald Schachinger gegen Bernhard Scheidl & Florian Koppitsch ein starkes und durchaus attraktives Doppel-Endspiel mit einem zusätzlich interessanten Aspekt auf dem Programm. Zwei ehemalige Nummer 1-Paarungen, die sich beide noch dazu auf Comeback-‘Tour befinden, matchen sich um den Sandplatz-Grand Slam-Titel 2026. Vorallem für das Duo Martin Zehetner & Harald Schachinger bietet sich mit dem am Dienstag in zwei Sätzen gegen Julian Jelinek & Vincent Weinhandl gelungenen Finaleinzug die große Chance, ein düsteres Kapitel ihrer gemeinsamen HTT Karriere auszumerzen. Insgesamt drei Mal, mussten sich die beiden Niederösterreicher im Finale des wichtigsten HTT Sandplatzturniers knapp vor dem Pokalgewinn geschlagen geben. 2018 und 2019 baute sich das russisch-estische Team um Alex Sikanov und Juri Maelson als unüberwindliches Bollwerk vor den 3fachen HTT Major-Doppel-Champions auf. 2021 agierten die Doppel-Könige der frühen 20er-Jahre Christoph Csar und Marek Schee als finale Spielverderber. Fünf Jahre danach ergibt sich jetzt aber quasi aus dem Nichts die große Chance, mit den HTT French Open einen späten Frieden zu schließen. Ähnliches gilt auch für die beiden Burgenländer Florian Koppitsch und Bernhard Scheidl, die in der Night Session am Dienstag Abend das Duo Alex Leitgeb-Milan Volbert im Match-Tiebreak aus deren Titelträumen unsanft weckten, und die HTT FO Ausgabe von 2024 vergessen machen möchten. Damals waren die beiden als Nummer 1 zu den HTT FO angereist, ehe sich Scheidl vor dem ersten Spiel verletzt abmelden musste. Wer erfüllt sich also heute Abend den verspäteten Traum vom HTT French Open Titel?
“plus rien ne marche” für Alexander Leitgeb im HTT FO Semifinale
Zurück in den Single-Bewerb, wo ab 17 Uhr das vielleicht wichtigste HTT-Tennismatch des Jahres auf dem Programm steht. Zumindest für alle, die es mit roter Asche halten, und die der Faszination Tennis auf Sand erlegen sind. Wir haben bislang insgesamt ein höchst attraktives zweites HTT Grand Slam Turnier der Saison 2026 erlebt. Mit einem kleinen Dämpfer am gestrigen Halbfinaltag, der so gar nicht in die Gänge kommen wollte. Zwar schaute nach drei eher trüben und regnerischen Tagen endlich wieder einmal die Sonne am Altmannsdorfer Ast vorbei, doch ansonsten war das eher ein trister sechster Turniertag im UTC La Ville. Kaum Zuschauer-Interesse, keine Stimmung, und diese Tristesse vor den beiden Show-Courts, die übertrug sich dann irgendwie auch auf das Tennis spielende Personal am Center Court. Geboten bekam man im halbfinalen Doppelpack nicht das erwartete und erhoffte Spitzentennis von vier Könnern, sondern biedere Tennis-Schmalkost, die knapp vor Spieltagende gegen 22 Uhr sogar einschläfernd wirkte. Aber der Reihe nach. Im ersten Halbfinale zwischen Mai Masters Series 1000 Sieger Alex Leitgeb und dem französischen Damian Roman-Bezwinger Nicolas Fares, hoffte man als neutraler Tennisfan auf ein echtes Tennisfest und ein Match der Extreme. Auf der einen Seite der Hard Hitter vom TC Alt Erlaa, und auf der anderen Seite des Netzes, die zu Fleisch gewordene Ballmaschine aus dem Indischen Ozean. Geworden ist es ein ganz müder Abklatsch der erwarteten Knaller-Paarung. Das lag vorallem an Leitgeb, der sich in unterirdischer Form dem französischen Überflieger gegenüberstellte, und in nur 48 Minuten mit 0:6, 1:6 abgestraft wurde. “Ich habe heute überhaupt nicht zu meinem Spiel gefunden. Ich bin aber auch seit einigen Wochen nicht mehr in jener Form, in der ich bei diesem Turnier gerne gewesen wäre”, analysierte der Mai Masters 1000 Champ aus Wien. Für den 19jährigen endete damit so wie 2023 der Traum vom HTT French Open Titel im Semifinale.
Serbisches Semifinal-Duell wird zum Blockbuster für Arme
Immerhin hatte man als – ins La Ville gereister – Tennis-Fan ja noch ein zweites Semifinale an diesem Abend. Mit dem ein oder anderen Kaltgetränk versorgt, nahm man auf der La Ville Terrasse zum innerserbischen Gipfeltreffen zwischen Vorjahresfinalist Uros Bigic und dem amtierenden HTT Australian Open Gewinner Vuk Jovanovic Platz. Die Erwartungen war rieisg, dementsprechend hoch wirkte die Fallhöhe, von der die beiden serbischen HTT Top Ten Helden nach diesem Trauerspiel am Centercourt purzelten. Bigic zelebrierte Sandplatztennis in Reinkultur, allerdings hatte er die meiste Zeit des Matches vergessen, vom Tempo her in einen höheren Gang zu schalten. Speziell alles was abseits des Platzes und vor dem Aufschlag beim 16jährigen abläuft, hat die Wirkung einer Überdosis an Schlafmitteln. Ob bewusst eingesetzt um den Landsmann auf der anderen Seite des Netzes in seinem Tun zu bremsen, oder einfach unbewusst geschehend, sei dahingestellt. Fakt ist, der Bigic-Vortrag am Dienstag spät Abends war mal so richtig lähmend. Auf der anderen Seite hatte sich die Nummer 2 des Turniers Vuk Jovanovic ohne zu glänzen den ersten Satz mit 6:4 gesichert, und Finalkurs eingeschlagen. Von dem der 20jährige dann im zweiten Satz komplett abkam. Bigic neutralisierte mit guter Länge in seinen Schlägen und der ihm eigenen Konstanz das Spiel seines höher eingeschätzten Landsmannes, und hievte den serbischen Gipfel tatsächlich in einen dritten Satz. Der wurde dann endgültig zum Blockbuster für Arme. Jovanovic zog in seinem ersten HTT FO Semifinale im Finish auf 3:0 davon, und musste dennoch über die zweieinhalb Stunden Grenze hinaus, auf “Lance Lumsden” verweilen.
Jovanovic voll motiviert vor dem finalen Showdown mit Fares
Das tat er eher mürrisch und widerwillig, immer wieder lautstark mit und über die Bedingungen hadernd. Werbung für sich und das anstehende Finale hätte anders ausgesehen. Trotz des 6:4, 2:6, 6:3 Erfolges am Ende, sind die imaginären Wettquoten des vor dem Turnier als Topfavorit gehandelten Serben am Dienstag Abend drastisch in den Keller abgestürzt. Viele seiner Mitspieler und auch die wenigen Zuschauer vor Ort, geben dem HTT Finals-Champion im finalen Showdown mit Frankreichs Nicolas Fares keine Chance. Anders als der neutral ausgerichtete HTT Veranstalter, der vor einem vorzeitigen Abgesang des Vuk Jovanovic warnt. “Im Finale wird es ein ganz anderes Spiel geben. Jovanovic kann und wird sich mit Fares mitsteigern”. Ein alternativloses Muss für den 20jährigen Serben, der gegen Bigic bereits seinen 21. HTT Einzelsieg in Serie einfahren konnte, und der auf das anstehende Finale gegen den neuen starken Franzosen rieisgen Bock hat. “Ich freue mich extrem auf dieses Match. Und ich liebe es Spiele zu bestreiten, in denen ich von den meisten Menschen abgeschrieben werde. Das motiviert mich zusätzlich”, richtete der junge Serbe seinen Kritikern aus. In jedem Fall hoffen wir im Sinne eines attraktiven Finales auf das Sprichwort “neuer Tag – neues Glück”. An der Motivation wird es bei Jovanovic so oder so nicht scheitern. Immerhin möchte er seine aktuelle Siegesserie behalten und weiter ausbauen. Zudem kämpft er nach seinem HTT Australian Open Titel auch noch um die historische Chance, als bislang erster und einziger Einzelspieler der 36jährigen HTT Geschichte den Grand Slam (also alle vier HTT Majors innerhalb eines Kalenderjahres) zu gewinnen. In jedem Fall gibt es aber eine neue Nation in der HTT French Open Siegerliste, denn weder ein Spieler aus Frankreich noch aus Serbien hat es bislang geschafft, sich die Sandplatzkrone der HTT aufzusetzen.
