French Open: Ein Boykott, den keiner bemerkt hat
Der Media Day vor Beginn der French Open 2026 ist vom angekündigten Teil-Boykott der Spieler und Spielerinnen nicht besonders beeinträchtigt worden. Zumindest aus Sicht der schreibenden Zunft.
von Jens Huiber
zuletzt bearbeitet:
22.05.2026, 17:32 Uhr

Novak Djokovic ist längst in einem Stadium seiner Karriere angekommen, wo ihm alles ziemlich pari ist. So auch die angekündigte Aktion der meisten Teilnehmer in Roland-Garros 2026, dass sie am Media Day lediglich 15 Minuten Zeit mit Presseverpflichtungen verbringen wollen, um gegen die aus ihrer Sicht ungerechte Verteilung des Preisgeldes zu protestieren. Er sei nicht Teil dieser Aktion, erklärte Djokovic. Und nahm sich im großen Interview-Raum deutlich mehr Zeit als ein akademisches Vierterl.
Jene Profis, die sich als Teil des Protestes sehen, betonten in erster Linie, dass es ja darum gehe, die Spieler und Spielerinnen mit einer Anhebung des Preisgeldes zu unterstützen, die außerhalb der jeweiligen Top 100 liegen. Und die sich ein professionelles Leben auf der Tennistour (etwa mit mitreisendem Coach und Physio) kaum leisten können.
Shelton deutlich kürzer gefragt als Djokovic
Sebastian Ofner, die österreichische Nummer eins, wollte das nicht ausschließen. Merkte aber auch an, dass die Topstars gegen ein paar Cent extra auch nichts einzuwenden hätten. Ofner wäre übrigens auch länger als 15 Minuten zur Verfügung gestanden - da waren es eher die fleißigen Helfer aus der Turnierleitung, die das Gespräch im zugegeben sehr gut gefüllten Medienbereich abwürgten.
Festzuhalten ist nach einem Tag voller Pressekonferenzen, dass die schreibende Zunft von diesem Boykott nach 15 Minuten genau gar nichts mitbekommen hat. Weil die Pressekonferenzen so eng getastet sind, dass eine volle Viertelstunde fast nie ausgeschöpft werden kann. Und wenn dann nur in der Landessprache Fragen kommen - wie bei Ben Shelton, der parallel zu Djokovic angetreten war - kann sich die Sache auch in sieben Minuten erledigt haben.
Gelitten haben möglicherweise die TV-Stationen, die vor Beginn eines großen Turnieres längere Interviews bekommen. Allerdings eh nur von jenen Spielern, die sich auf der Tour eine goldene Nase verdient haben. Und für die die Protestaktion gar nicht angelegt war.
