Interview Tobias Kamke: "Noch gute Jahre vor mir"

2011 war Tobias Kamke die Nummer 64 der ATP-Weltrangliste. Seitdem ist der inzwischen 33-jährige Deutsche im Ranking immer weiter zurückgefallen und spielt seit einigen Jahren regelmäßig auf der ATP-Challenger-Tour. Sein letzter Titelgewinn datiert zurück auf das Jahr 2016 als Kamke im russischen Kazan erfolgreich war.

von Florian Heer
zuletzt bearbeitet: 15.07.2019, 21:02 Uhr

© Florian Heer

Wer den gebürtigen Lübecker allerdings bereits abgeschrieben haben sollte, der wurde spätestens in der vergangenen Woche bei den Sparkassen Open in Braunschweig eines Besseren belehrt. Kamke zeigte viel Kampfgeist und sehr solides Tennis, um in das Finale des mit 69.280 Euro dotierten Challenger-Events vorzustoßen. Auch wenn es am Ende nicht ganz gereicht hat und sich das Nordlicht gegen den stark aufspielenden Brasilianer Thiago Monteiro geschlagen geben musste, zeigt die Formkurve des ehemaligen Davis-Cup-Spielers wieder nach oben.

Tennisnet: Das Finale in Braunschweig war Ihr erstes Endspiel auf der ATP-Challenger-Tour seit Lille im März vergangenen Jahres. Für viele kam das aus dem Nichts. Wie erklären Sie sich die Leistungsexplosion während dieser Woche?

Tobias Kamke: Ehrlich gesagt, kam das auch für mich überraschend, da ich in den letzten Wochen nicht viel gespielt habe. Lediglich zwei Turniere habe ich in dieser Saison auf Asche bestritten. Anfang April war ich vielleicht bereits zu verletzt, um zu spielen. Allerdings dachte ich, dass es mit der Hüfte wieder gehen würde. Letzte Woche habe ich dann in Ludwigshafen gespielt. Dort hatte ich mich aber überhaupt nicht wohlgefühlt und habe in der ersten Runde verloren. Trotzdem habe ich versucht an Sachen weiter zu arbeiten, um mein Spiel wiederzufinden. Dass ich Tennis spielen kann, weiß ich. Oft sind es Kleinigkeiten, die den Unterschied ausmachen. Ich hatte eine erste schwere Runde gegen Niklas Guttau, einen jungen Spieler aus Norddeutschland, den ich bereits aus Jugendzeiten kenne und der sich hier in Braunschweig zum ersten Mal qualifizieren konnte. Wenn man es schafft, sich durch so ein Match durchzukämpfen und Wege zum Sieg zu finden, kommt das Selbstverständnis zurück. Dies hat sich während der Woche von Match zu Match weiter aufgebaut. Das fühlt sich gut an.

Wie sieht die aktuelle Trainingssituation bei Ihnen aus?

Ich habe mit dem ehemaligen Top-100 Spieler Julian Reister und Ralph Grambow zwei Coaches. Julian ist für mich in Hamburg zuständig und begleitet mich sechs bis acht Wochen im Jahr auf der Tour. Mit Ralph hatte ich bereits vor fünf Jahren, während meiner erfolgreichsten Zeit, zusammengearbeitet und er ist seit Anfang der Saison wieder Teil meines Teams.

Das Turnier in Braunschweig ist für Sie bestimmt ein besonderes, da man vor Freunden und Familie spielen kann?

Absolut. Das habe ich am Hamburger Rothenbaum schon immer genossen. Braunschweig ist danach das für mich nächstgelegene Turnier und deshalb komme ich jedes Jahr wieder gerne hierher. Es kommt nicht allzu oft vor, dass die Familie und Freunde die Chance haben, mich live spielen zu sehen. Sonst geht das oft nur per Livestream oder Live-Ticker. Außerdem ist es insgesamt hier ein wunderbares Event.

Welche Ziele verfolgen Sie noch auf der Tour?

Auch wenn ich auf dem Papier schon 33 Jahre alt bin, fühle ich mich noch nicht wirklich so. Zudem war ich in 13 Jahren Profisport überwiegend verletzungsfrei. Die Erfahrungen mit der Hüfte waren also Neuland für mich. Natürlich habe ich noch Ziele. Ich habe auch noch richtig Spaß zu trainieren und mich weiterzuentwickeln. Wenn diese Freude nicht mehr da ist, habe ich mir allerdings geschworen, meine Karriere nicht künstlich in die Länge zu ziehen. Dann muss man sich vielleicht eingestehen, dass die Zeit gekommen ist, um ein neues Kapitel im Leben aufzuschlagen. Vom jetzigen Gefühl meines Körpers habe ich aber noch gute drei oder vier Jahre auf der Tour vor mir. Die würde ich gerne mitnehmen. Seitdem ich fünf war, ist Tennis mein Hobby. Ich durfte es zu meinem Beruf machen und dies sollte man wertschätzen. Ehrlich gesagt, ist mir dies in der Vergangenheit nicht immer gut gelungen. Julian, der aufgrund von vielen Verletzungen seine Karriere früh beenden musste, hat mich daran aber immer wieder erinnert, es zu genießen, Tennis spielen zu können.

Haben Sie einen bestimmten Plan, der nach einer Karriere im Profitennis folgen könnte?

Was sich natürlich immer anbietet, ist im Tennis zu bleiben. Konkrete Gedanken habe ich mir allerdings noch nicht gemacht. Wenn es soweit sein sollte, bin ich aber zuversichtlich etwas zu finden, was mich genauso erfüllt wie das Tennisspielen.

Alles Gute und vielen Dank für das Gespräch.

Das Gespräch führte Florian Heer in Braunschweig.

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15.07.2019, 21:25 Uhr
zuletzt bearbeitet: 15.07.2019, 21:02 Uhr