Kohlschreiber-Coach Tobias Summerer - "Philipp will sich jeden Tag verbessern"

Jahrelang ist Tobias Summerer mit Florian Mayer auf der ATP-Tour unterwegs gewesen. nach dem Rücktritt des Bayreuthers kümmert sich Summerer nun um Philipp Kohlschreiber. Ein Interview in der Tennisbase Oberhaching.

von Jens Huiber
zuletzt bearbeitet: 28.12.2018, 20:19 Uhr

Tobias Summerer hat nun Philipp Kohlschreiber im Blick
© Jürgen Hasenkopf
Tobias Summerer

tennisnet: Herr Summerer. Nachdem Sie jahrelang an der Seite von Florian Mayer durch die Tenniswelt gereist sind, touren Sie nun mit Philipp Kohlschreiber. Man könnte fast meinen, die Reiserei macht Ihnen Spaß.

Tobias Summerer: Na, ja, Spaß … manchmal schon, aber es ist auch Stress. Nur: Das gehört zu unserem Job dazu, und ganz ehrlich freue ich mich jetzt schon wieder auf Doha und auf Australien, weil man ist im Warmen, es geht gleich mit dem ersten Grand Slam los - ich kann es eigentlich kaum erwarten, dass es losgeht.

tennisnet: Bevor wir zu Ihrem aktuellen Schützling kommen - was macht eigentlich Flo Mayer? Dauerurlaub?

Summerer: Ich glaube, dass er einfach alle Tanks wieder auffüllt, einfach wieder zu Kräften kommt. Und ich bin mir sicher, dass da zunächst einmal viel Last von Flo abgefallen ist nach den 20, 25 Jahren, die er im Tennissport verbracht hat.

Kohlschreiber hat noch ein paar gute Jahre vor sich

tennisnet: Spielt jemand wie Florian Mayer auch noch aus Spaß Tennis?

Summerer: Er hat Anfang Dezember zweimal in der TennisBase Oberhaching mittrainiert, weil er dann seinen Abschieds-Schaukampf in Bayreuth hatte. Aber ich glaube, ansonsten hat Flo nicht ein einziges Mal Tennis gespielt. Und es auch nicht so sehr vermisst.

tennisnet: Philipp Kohlschreiber hat in Wien nach seinem Ausscheiden ja etwas zweifelnd gewirkt, angedeutet, dass er nicht so genau weiß, wie lange er noch spielt. Muss man so etwas ernst nehmen?

Summerer: Nein. Wien war am Ende der Saison, Philipp hat wie alle anderen auch ein langes Jahr gehabt. In der Vorbereitung war er aber sehr motiviert, richtig heiß, auch er freut sich auf die nächste Saison. Und ich glaube, Philipp hat sicher noch ein paar gute Jahre vor sich. Zumal er sehr fit ist, auch wenn er ein paar Probleme mit seinem Arm gehabt hat.

tennisnet: Was braucht ein Spieler wie Philipp Kohlschreiber im aktuellen Stadium seiner Karriere von einem Trainer?

Summerer: Philipp ist ein Spieler, der sich immer weiter verbessern, in allen Bereichen noch etwas rausholen will. Sei es technisch, sei es taktisch. Er will sich wirklich jeden Tag verbessern, über sein Spiel, seine Schläge diskutieren. Das macht mir sehr viel Spaß, weil es schon ungewöhnlich ist, dass ein Spieler in diesem Alter noch bereit ist, auch an Kleinigkeiten zu feilen. Weil es geht ja nur noch um Nuancen.

tennisnet: Das Match gegen Alexander Zverev bei den US Open war wohl das beste von Philipp Kohlschreiber 2018. Warum ist es so schwierig, diese Qualität konstant auf den Court zu bringen?

Summerer: Es war ein sehr gutes Match von Philipp, auch taktisch. Er hat so gespielt, wie es Sascha gar nicht mag. Wenn Philipp solche Matches etwas öfter spielt - und das traue ich ihm absolut zu - dann glaube ich, dass er auch in der Rangliste noch einmal einen Sprung nach vorne machen kann.

"Philipp hat alle Schläge drauf"

tennisnet: Was werden Sie denn ändern am Spiel von Philipp Kohlschreiber?

Summer: Darum geht es eigentlich gar nicht. Es gibt immer Kleinigkeiten rauszuholen. Wir versuchen gerade, dass Philipp den ersten Schlag nach dem Aufschlag bzw. nach dem Return ein bisschen aktiver spielt, weil von der Grundlinie ist er ohnehin sehr stark und sicher. Aber die ersten kleinen Chancen schon zu nutzen, ein bisschen aktiver zu sein, vielleicht auch früher am Netz abzuschließen, daran arbeiten wir.

tennisnet: Richtig oder falsch: Wenn jemand so viele Optionen wie Philipp Kohlschreiber hat - kann das auch die richtige Schlagwahl erschweren?

Summerer: Klar. Philipp hat alle Schläge drauf. Aber zu sagen, genau jetzt einen kurzen Ball zu spielen, vielleicht auch einen Punkt abzukürzen ohne wild zu schießen, ständig wach zu sein, um öfter in die Offensive zu kommen, daran arbeiten wir. Weil das Tempo von den Spielern wird immer  höher.

tennisnet: Themenwechsel. Zum Abschluss des Tennisjahres haben wir bei den ATP Finals einige sehr glatte Resultate gesehen. Haben Sie dafür eine Erklärung?

Summerer: Von den Ergebnissen her war es tatsächlich ein bisschen komisch. Alle Spieler waren natürlich müde. Und auch wenn die so eng beieinander sind: wenn ein Spieler einen guten Tag hat, der andere einen schlechten, dann kann ein Match schnell kippen. Gerade am Ende der Saison, wo man vielleicht mental müde ist und sich nicht mehr so gegen die Niederlage stemmen kann.

Novak Djokovic ist keine Maschine.

tennisnet: Haben Sie in London bei Alexander Zverev eine größere Veränderung feststellen können? Jeder sucht schließlich nach dem Einfluss von Ivan Lendl …

Summerer: Sascha war in den letzten Jahren sowieso schon ein Topspieler. Er hat es vielleicht bei den Grand Slams noch nicht so hinbekommen, aber er hat schon 1000er gewonnen, gute Gegner geschlagen. Was in London auffällig war: Sascha hat unglaublich gut serviert. Und wenn er so gut serviert, ist er eine Bank. Da macht er wenige Fehler, spielt mittlerweile auch offensiver mit der Vorhand, aber der Aufschlag ist natürlich schon ein Macht.

tennisnet: Vor den Finali in Paris-Bercy und in London haben viele Experten gedacht, dass Novak Djokovic bei den Australian Open 2019 nicht zu schlagen sein wird. Ist er nach den Niederlagen gegen Karen Khachanov und eben Zverev vielleicht doch angreifbar?

Summerer: Jeder Spieler ist angreifbar. Novak Djokovic ist keine Maschine, auch wenn er bis zum Match gegen Khachanov auf einem unglaublichen Level gespielt hat. Natürlich: wenn es auf drei Gewinnsätze geht, dann ist Djokovic schwer zu schlagen. Aber ich glaube schon, dass es Chancen für andere Spieler auch gibt.

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