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Cilic: "Kann Sieg meines Lebens werden"

Marin Cilic hat alles, was es braucht, um Roger Federer besiegen zu können. Und bei allen Nettigkeiten: "Am Sonntag ruht die Freundschaft", sagt Cilic vorm Endspiel.

von Jörg Allmeroth
zuletzt bearbeitet: 16.07.2017, 08:46 Uhr

Marin Cilic

Marin Cilic weiß, wie man Roger Federer schlägt. Er tat es auf dem Weg zu seinem bisher größten Erfolg, dem Sieg bei den US Open 2014. "Unreal" sei Cilics Vorstellung gegen ihn im Halbfinale gewesen, erinnert sich Federer, "er ließ mir keine wirkliche Chance." Nun hat Federer die leise Befürchtung, dass der 28-jährige Kroate sich auch in Wimbledon in einen Spielrausch gesteigert hat, in eine selbstbewußte Verfassung, "in der er nur schwer zu bremsen ist, genau so wie Stan Wawrinka zuletzt in solchen Endspielen."

Cilics Triumph in New York war der kaum erwartete Paukenschlag einer Comeback-Mission, die er mit seinem berühmten Landsmann Goran Ivanisevic unternommen hatte. Gemeinsam verblüfften sie die Tenniswelt, der ehemalige "Herr der Asse" und sein Schützling, der 2013 wegen der Einnahme eines Stimulanzmittels eine viermonatige Dopingsperre abgesessen hatte. Der Internationale Sportgerichtshof CAS hatte den Bann zwar reduziert, weil er den Aussagen Cilics teilweise Glauben schenkte, die Aufputschsubstanz habe sich in Glukosetabletten befunden. Aber Ivanisevic erinnerte sich an den Beginn der Liasion so: "Wir haben auf einem Scherbenhaufen begonnen, es war total deprimierend", so Ivanisevic, "ich musste Marin erst mal klar machen, dass ihn nicht alle für einen Betrüger und Verbrecher halten."

Cilic muss gegen Federer die Zähne zeigen

Die Wege von Ivanisevic und Cilic haben sich inzwischen wieder getrennt, aber eins ist geblieben aus der gemeinsamen Zeit. Das stärkere Selbstwertgefühl des eleganten Technikers und die härtere Wettkampfmentalität. Cilic war früher oft zu nachdenklich, zu nett, er galt als einer, der unfreiwillig zu viele Geschenke verteilte. "Ich habe ihm gesagt: Du musst Deine Zähne zeigen, du musst eine Aggressivität da draußen ausstrahlen. Freundlich kannst Du sein, wenn das Spiel vorbei ist." Manchmal sei er in Gefahr, in die alten Zeiten zurückzufallen, sagte Cilic jetzt in Wimbledon: "Da merke ich selbst, dass ich nicht taff genug bin." Dann folgt aber auch schnell die dunkelgelbe Karte, der harte Zwischenruf des neuen Coachs, des Schweden Jonas Björkmann: "Marin soll jemand sein, vor dem man Respekt und auch Angst auf dem Platz hat", sagt der frühere Doppelspezialist.

Letztes Jahr war Cilic knapp dran, Federer zu stürzen. Er hatte drei Matchbälle im vierten Satz des Viertelfinalmatchs, er verlor dann den Tiebreak dieses Durchgangs 9:11 und fand nicht mehr heraus aus dem Frust über die vergebenen Chancen. "Roger ist ein guter Freund", sagt Cilic, "aber am Sonntag ruht die Freundschaft, wenn wir auf den Platz gehen. Das ist meine große Chance, das kann der Sieg meines Lebens werden."

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16.07.2017, 08:46 Uhr