tennisnet.com WTA › Grand Slam › US Open

Naomi Osaka: Wie viel Modeschau sollte erlaubt sein?

Hier und da eine modische Extravaganz wie jene von Naomi Osaka gestern in Roland-Garros? Ja, bitte!

von Jens Huiber
zuletzt bearbeitet: 27.05.2026, 10:56 Uhr

Das sportliche, schon reduzierte Outfit von Naomi Osaka
© Getty Images
Das sportliche, schon reduzierte Outfit von Naomi Osaka

Laura Siegemund sollte man grundsätzlich immer zuhören. Zum einen, weil sie ja herrlich eloquent agiert. Vor allem aber auch, weil Siegemund ein Level an Wurschtigkeit erreicht hat, das in seiner Grandiosität höchstens noch von Novak Djokokic erreicht wird. Nole sagt, was Sache ist, Laura Siegemund auch. Und das ganze Gedöns um Naomi Osaka vor allem vor Beginn des Matches war ihre Sache nicht. 

Die Argumentation etwa im Interview bei Eurosport war ja folgende: Sie sei zum Tennisspielen hier, wenn andere auch eine Modeschau anböten, sei ihr das generell pari. Nicht egal aber wäre es, dass für Spielerinnen wie Osaka die Regeln gebeugt würden. Insofern, als dass die Japanerin für ihre partielle Entkleidungsaktion länger gebraucht habe, als dies erlaubt sei. Mit anderen Worten: Hätten Siegemund und Osaka die Rollen getauscht, die Deutsche hätte eine Time Violation ausgefasst. 

Das ist zwar vorstellbar. Aber auch schwierig zu beweisen. Gerade beim Einmarsch und bei der folgenden Prozedur scheint es einen Graubereich zu geben. Es gibt ja auch Spieler, die aus dem Arrangement ihrer Trinkflaschen eine ganze Wissenschaft machen.

Roger Federer mit dem Segen von Anna Wintour

Die andere Frage wäre: Wie viel Modeschau sollte bei einem Grand-Slam-Turnier (und nur dort erzielt eine derartige Aktion überhaupt überhaupt ihre beabsichtigte Wirkung) erlaubt sein? Es ist ja nicht so, dass James Duckworth heute auf Court 7 bei seiner Partie gegen Rafael Jodar eine modische Extravaganz auffahren wird.  

Nein: In Erinnerung sind außergewöhnliche Auftritte und Outfits von Maria Sharapova und Serena Williams vor allem bei den US Open (Serenas Catsuit in Roland-Garros fällt eher nicht in diese Kategorie) und von Roger Federer in Wimbledon, wo der Maestro dereinst mit langer Hose und vor allem einem herrlichen „Man Bag“ auf den heiligen Rasen geschritten ist. Wenn der Verdacht nicht nahe gelegen hätte, dass dieser Auftritt von Federer zuvor einer kritischen Überprüfung durch Anna Wintour standgehalten hätte, die Urteile wären womöglich nicht zwingend positiv ausgefallen.     

Letztlich ist ja auch der Tenniszirkus eine große Unterhaltungsveranstaltung. Der um Aufmerksamkeit ringt. Und so viele globale Superstars gibt es nicht. Bei großzügiger Betrachtung kommt man wohl auf sechs: Carlos Alcaraz, Jannik Sinner, Novak Djokovic, Aryna Sabalenka, Coco Gauff - und eben Naomi Osaka. Da kann man ab und zu ein bisschen zusätzliches Flair schon verschmerzen. 

Hier das Einzel-Tableau in Roland-Garros 


 

von Jens Huiber

Mittwoch
27.05.2026, 11:45 Uhr
zuletzt bearbeitet: 27.05.2026, 10:56 Uhr