Nicht wie Kyrgios – der 4-jährige Leidensweg von Omar Jasika
Der ehemalige Junioren-Grand-Slam-Sieger Omar Jasika wurde 2018 aufgrund Kokain-Konsums für zwei Jahre gesperrt und musste inklusive der darauffolgenden Covid-Unterbrechung für vier Jahre auf der Tour pausieren. In einem Instagram-Post macht der Australier auf die unterschiedliche Handhabung im Fall seines Landsmanns Nick Kyrgios aufmerksam, dessen Sperre sich auf einen Monat belief.
von Dietmar Kaspar
zuletzt bearbeitet:
05.09.2026, 12:35 Uhr

Auch bei Omar Jasika deutete sich schon in frühester Jugend eine ganz große Karriere an. So konnte der Australier 2014 im Junioren-Wettbewerb der US-Open triumphieren und schaffte den Major-Sieg im Gegensatz zu Nick Kyrgios, der sich 2013 auf heimischem Boden bei den Australian Open den Titel sichern konnte, sogar im vorletzten Jahr seiner Junioren-Zeit. Auch der Übergang zu den Herren verlief durchaus zügig. So konnte er sich nach dem verheißungsvollen Coup von New York innerhalb von zwei Jahren in die Top 250 der Welt hochdienen.
Doch zu Beginn des Jahres 2018 sollte seine Karriere eine dramatische Wendung nehmen. Nachdem der heute 29-jährige bei einer Doping-Probe positiv auf Kokain getestet wurde, musste er eine Sperre von zwei Jahren hinnehmen. Zudem fiel das Ende der Sperre exakt in den Start der Covid-Pandemie, weshalb er erst nach insgesamt vier Jahren wieder auf der Tour aufschlagen sollte.
Immerhin konnte der Linkshänder trotz des vierjährigen Leidenswegs wieder Fuß auf der Tour fassen und sich bis auf Position 177 hochspielen. Den Sprung in die absolute Weltelite konnte der Spieler aus Melbourne jedoch bis heute noch nicht liefern. Aktuell verdingt er sich wieder auf Turnieren der World Tennis Tour bei einem Ranking um Position 400.
Sämtliche Erinnerungen wurden bei Jasika nun beim aktuellen Fall von Nick Kyrgios geweckt, der ebenfalls positiv auf Kokain getestet wurde, dessen Sperre aber mit der Auflage zur Teilnahme an einem vorgeschriebenen Behandlungsprogramm auf gerade mal einen Monat fixiert wurde. Doch auch ohne die Teilnahme an diesem Programm hätte die Sperre für den ehemaligen Wimbledon-Finalisten nur drei Monate betragen.
In einem Instagram-Post machte Jasika rückblickend auf seinen Fall und die unterschiedliche Auswirkung der Doping-Sperre aufmerksam. Dabei verzichtete er auf jegliche Anklage seines Profikollegen Kyrgios, den er dort sogar als seinen Kumpel bezeichnet: „Zunächst einmal ist dies kein Angriff auf Nick. Er ist ein Kumpel von mir, und ich unterstütze ihn aufrichtig in dieser Situation.“
Obwohl eine Rehabilitation mit einem Behandlungsprogramm bei ihm noch nicht angeboten wurde, begrüßt er diesen Schritt: „Ich bin froh, dass er die Gelegenheit erhalten hat, an einem Therapieprogramm teilzunehmen, auf sich selbst du achten und mit seinem Leben und seiner Karriere voranzukommen.“
Dennoch beklagt Jasika die unterschiedliche Handhabung der ähnlich gelagerten Fälle: „Ich übernahm die Verantwortung für mein Handeln und verbüßte die gesamte Dauer dieser Sperre. Da kurz nach Ablauf meiner Sperre die Covid-Pandemie ausbrach, verlor ich faktisch fast vier Jahre meiner Karriere – und das in einigen der wichtigsten Jahre meines Lebens.“
Trotzdem lässt der zweifache ATP-Challenger-Titelträger gegenüber dem 31-jährigen Kyrgios keinen Neid aufkommen: „Ich sage nicht, dass Nick eine längere Sperre hätte erhalten sollen. Ich sage nur, dass ich mir gewünscht hätte, mir wären dieselbe Hilfe und dasselbe Verständnis zuteilgeworden.“
