Nick Kyrgios - eine Chronik der Affären und Skandale

Nick Kyrgios muss nach seinem Ausraster im Match gegen Casper Ruud tief in die Tasche greifen. Der Norweger hatte nach dem Match auch eine Sperre für Kyrgios gefordert.

von Jörg Allmeroth
zuletzt bearbeitet: 17.05.2019, 18:54 Uhr

Nick Kyrgios muss tief in die Tasche greifen
© Getty Images
Nick Kyrgios muss tief in die Tasche greifen

Abends, ein paar Stunden nach dem nächsten denkwürdigen Auftritt, folgte mal wieder ein kleiner Beschwichtigungsversuch. Die Emotionen hätten ihn an einem „ereignisreichen Tag“ in Rom überwältigt, teilte Nick Kyrgios seiner Internetgemeinde am Donnerstag noch schnell auf Instagram mit. Es war das übliche Muster beim 24-jährigen Australier, dem berüchtigten Bad Boy des Tennis-Wanderzirkus: Erst ein Aussetzer, ein Black-Out, ein Skandal auf einer der großen Bühnen seines Sports, danach so etwas wie eine Erklärung, ein Abwiegeln, ein Versuch, alles unter der Rubrik „Alles halb so wild“ abzuhandeln. 

Aber selten eine Entschuldigung, auch nicht in diesem Fall, im Fall seiner Disqualifikation im Zweitrunden-Match gegen den Norweger Casper Ruud. Gegen alles und jeden hatte Kyrgios wieder einmal gewütet, gegen „idiotische Zuschauer“, gegen den inkompetenten Schiedsrichter. Dann kassierte er Strafe auf Strafe, warf mit Schläger, Trinkflasche und einem Pausenstuhl umher – bevor er seinen wohlverdienten Zwangsabschied kassierte und vom Platz stürmte. Und sofort stellte sich die Frage: Wann darf, wann wird der hoch talentierte, aber eben auch emotional hochgradig instabile Profi wieder zurückkehren? Wie hart könnte er bestraft werden, nachdem seine eigene Spielerorganisation ihn lange Zeit von harten Sanktionen verschont hielt? Ging es nach seinem Gegner vom Donnerstag, nach Casper Ruud, brauchte Kyrgios einen empfindlichen Denkzettel: „Ich bin nicht der einzige auf der Tour, der denkt, dass er mindestens für ein halbes Jahr gesperrt werden sollte.“ Vorerst wurden Kyrgios allerdings nur die handelsüblichen Tagesstrafen aufgebrummt: 20.000 Euro für das Verhalten in diesem Match, der Entzug des Preisgeldes (33.365 Euro) und die Kosten für das Spielerhotel in Rom.

Kyrgios ist ein Wiederholungstäter

Natürlich wird es dabei nicht bleiben können. Schließlich ist Kyrgios ein Wiederholungstäter, einer von der unbelehrbaren Sorte. Was allerdings auch in Teilen mit der Generösität der ATP-Tour zu tun hat, der Profigewerkschaft. Wann immer Kyrgios verhaltensauffällig wurde, ließ ihn die ATP ja eher milde davonkommen mit seinen Eklats und Tiraden, verhängte Strafen, die viele seiner (teils betroffenen) Kollegen als Witz bezeichneten. Dabei schwang die Hoffnung mit, der als kommende Nummer eins gehandelte Australier könne sich früher oder später charakterlich läutern – oder wenigstens auf schlimme Ausraster verzichten. Doch es war genau so vergeblich, als wolle man einen notorischen Brandstifter zum Eintritt in die Freiwillige Feuerwehr überreden. Kyrgios hatte weiter seine schlimmen Ausfälle, seine selbstzerstörerischen Momente – bis zu seinem Turnier-Ausschluss nun in Rom. 

Dabei hatte Kyrgios am Rande des Masters auch schon ordentlich für Aufruhr gesorgt, in einem Podcast-Interview, in dem er gegen einige seiner Berufskollegen gewaltig loslederte, wie immer in der Rolle des Anti-Diplomaten. Novak Djokovic? „Einer, der alles tut, um geliebt zu werden und niemals an Federer herankommen wird.“ Nadal? „Wohlwollend nur, wenn er gewinnt.“ Nadals Ex-Coach, Onkel Toni? „Ein Idiot.“ Fernando Verdasco? „Seine Arroganz macht mich wahnsinnig.“ Und Kyrgios über Kyrgios? „Ich investiere viel zu wenig in meinen Sport. Ich werde auch nicht mehr lange spielen. Ich will mehr Zeit mit meinen Kumpels daheim in Australien verbringen und mehr Basketball spielen.“ Viele seiner Kollegen schüttelten da aufs Neue den Kopf, die meisten sind schon länger genervt über die Eskapaden von Kyrgios, seine exzentrische Selbstdarstellung. Zur Seite sprang ihm in Rom nur Federer, der sagte, Kyrgios habe doch „nur einen Stuhl beschädigt.“

Kein neuer Connors oder McEnroe

Doch zu viele gravierende Affären sind mittlerweile auf dem Konto von Kyrgios aufgelistet, um ihn weiter mit eher sanfter Hand zu sanktionieren. Es müsse vorbei sein „mit dem falschen Romantisieren von Kyrgios´ Rüpeleien“, er sei keineswegs ein „neuer McEnroe oder Connors“, sondern ein dickschädeliger Dummkopf, war in australischen Internetforen zu lesen, in der Heimat der Skandalnudel. Die Anspielung auf die umstrittenen Stars der Vergangenheit hatte auch damit zu tun, dass Kyrgios schon reihenweise Spiele lustlos abgeschenkt hatte – ganz anders als die früheren, extrem ehrgeizigen Heroen. In seiner Interbotschaft am Donnerstag machte Kyrgios sich natürlich auch noch über die möglichen Konsequenzen seines Black-Outs lustig, er konnte mal wieder nichts anders: „Sorry, Rom. Bis bald. Vielleicht.“ 

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von Jörg Allmeroth

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