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Novak Djokovic - Die Chronik der Tage von Melbourne

Am 5. Januar erreichte Novak Djokovic als ungeimpfter Profi Australien und löste eine Kontroverse aus. Am Freitag wurde dem Weltranglistenersten zum zweiten Mal das Visum entzogen. Der SID zeichnet die Ereignisse nach:

von SID
zuletzt bearbeitet: 14.01.2022, 17:12 Uhr

Wie wird die Causa Djokovic enden?
© Getty Images
Wie wird die Causa Djokovic enden?

Dienstag, 4. Januar:

Wochenlang wurde spekuliert: Tritt Djokovic die Reise nach Melbourne an, wo er seinen zehnten Titel bei den Australian Open und seinen 21. Grand-Slam-Triumph erringen kann? Lässt sich der Skeptiker womöglich impfen, da die australischen Behörden immer wieder auf die Pflicht für eine Teilnahme verwiesen hatten? Nun schafft Djokovic mit einem Eintrag bei Instagram Klarheit. "Ich fliege mit einer Ausnahmegenehmigung nach Down Under", schreibt er, also ohne vollständige Impfung. Die Diskussionen beginnen.

Mittwoch, 5. Januar:

Craig Tiley, Turnierdirektor der Australian Open erklärt, dass 26 Personen der rund 3000 Turnierbeteiligten um eine Ausnahmegenehmigung gebeten hätten. Nur eine Handvoll sei damit erfolgreich gewesen. "Niemand wurde besonders begünstigt, es gab keine Sonderbehandlung für Novak", sagt Tiley, der in großer Erklärungsnot ist. Denn das mediale Echo fällt gewaltig aus. Von "Heuchelei", einer "schallenden Ohrfeige" und einer "Beleidigung für jeden Australier" ist die Rede angesichts der strengen Maßnahmen, die die Bevölkerung seit Beginn der Coronapandemie akzeptieren musste. Am späten Abend Ortszeit erreichte Djokovic Melbourne.

Donnerstag, 6. Januar:

Der australische Grenzschutz gibt bekannt, dass Djokovic beim Versuch der Australien-Einreise abgewiesen worden ist. Der Sportstar wird in eine Unterkunft für Ausreisepflichtige verlegt, seine Anwälte legen Berufung ein. Auch Serbiens Präsident Aleksandar Vucic schaltet sich ein und missbilligt die "Belästigung" von Djokovic, dessen Vater bei Protesten in Belgrad noch schärfere Töne anschlägt. Djokovics langjähriger Rivale Rafael Nadal zeigt weniger Verständnis: "Ich denke, wenn er wollte, würde er hier in Australien spielen ohne ein Problem."

Freitag, 7. Januar:

Djokovic dankt den Fans "auf der ganzen Welt" für ihre Unterstützung. "Ich kann es fühlen, und ich weiß es sehr zu schätzen", schreibt er bei Instagram. Unterdessen wird ein weiterer Fall bekannt. Die tschechische Doppelspielerin Renata Voracova, die ebenfalls nach kürzlich überstandener Coronainfektion eine Ausnahmeregelung in Anspruch genommen hatte, landet im gleichen Quarantäne-Hotel wie Djokovic. Die 38-Jährige sagt tschechischen Medien, das Zentrum sei "wie ein Gefängnis".

Samstag, 8. Januar:

Djokovics Anwälte geben bekannt, dass sich der Sportler bei seiner Impf-Ausnahmegenehmigung auf eine am 16. Dezember festgestellte Coronainfektion beruft. Schnell tauchen Berichte auf, nach denen Djokovic an den Tagen danach zumindest teilweise ohne Maske an Veranstaltungen teilnahm. Seine Anwälte behaupten unterdessen, dass er bei seiner Ankunft am Flughafen von Melbourne acht Stunden lang festgehalten wurde, größtenteils in Isolationshaft. Voracova verlässt Australien.

Sonntag, 9. Januar:

Turnierdirektor Tiley meldet sich zu Wort und sagt den Zeitungen The Age und Sydney Morning Herald, der veranstaltende Verband Tennis Australia sei bezüglich der Ausnahmegenehmigungen in einen Konflikt der Zuständigkeiten zwischen dem Bundesstaat Victoria und der Bundesbehörden geraten. Boris Becker sagt der Bild, dass sein früherer Schützling Djokovic niemals ohne korrekte Papiere in den Flieger gestiegen wäre: "Er ist ja schließlich kein Idiot." Falls der langjährige Tourdominator in Melbourne aufschlage, stehe er vor einer Herkulesaufgabe: "Das ist ein Mount Everest, den er da besteigen müsste."

Montag, 10. Januar:

Die Berufungsanhörung von Djokovic beginnt, wird aber immer wieder verzögert, da das Online-System des Gerichts aufgrund des großen weltweiten Interesses zusammenbricht. Schließlich erringen Djokovics Anwälte einen überraschenden Sieg über die australische Regierung - ausschlaggebend war ein Verfahrensfehler der Grenzbehörden. Der Richter ordnet die "unverzügliche" Entlassung Djokovics aus der Unterbringung für Ausreisepflichtige an. Die Regierung kündigt an, weitere Schritte zu prüfen.

Dienstag, 11. Januar:

Kurz nach Mitternacht in Melbourne meldet sich Djokovic zu Wort - per Twitter vom Training aus der Rod Laver Arena: "Trotz allem, was passiert ist, möchte ich bleiben und versuchen, an den Australian Open teilzunehmen." Die australischen Behörden untersuchen, ob Djokovic bei seiner Ankunft am Flughafen von Melbourne eine falsche Angabe bezüglich seiner Reiseaktivitäten vor dem Abflug gemacht hat. Zudem zeigen ihn Bilder in den Sozialen Medien bei Terminen nach dem positiven Coronatest vom 16. Dezember.

Mittwoch, 12. Januar:

Djokovic gibt ein Statement ab, in dem er einen "unabsichtlichen" Fehler in seinen Reiseunterlagen und in seinem Verhalten nach der angeblichen Coronavirus-Infektion einräumt. Dazu zählt, dass er im Dezember ein Interview trotz der Kenntnis seines positiven PCR-Tests absolviert hat. Er gibt an, dass sein Team der australischen Regierung neue Informationen übergeben habe. Der Sprecher von Einwanderungsminister Alex Hawke sagt, dies würde die Entscheidung verzögern. 

Donnerstag, 13. Januar:

Djokovic wird in der ersten Runde der Australian Open gegen seinen serbischen Landsmann Miomir Kecmanovic gelost. Seine Teilnahme bleibt ungewiss. Der Weltranglistenvierte Stefanos Tsitsipas sagt, Djokovic spiele "nach seinen eigenen Regeln" und habe andere Spieler "wie Idioten" aussehen lassen. 

Freitag, 14. Januar: 

Die australischen Behörden entziehen Djokovic erneut das Visum, dies gibt Hawke bekannt. Der serbische Tennisstar, dem auch ein dreijähriges Einreiseverbot droht, legt dagegen erneut Einspruch ein. Der Fall soll am Sonntag vor einem Bundesgericht entschieden werden, ab Samstag ist Djokovic wieder in Gewahrsam. Premierminister Scott Morrison verteidigt die Entscheidung. "Die Australier haben während dieser Pandemie viele Opfer gebracht, und sie erwarten zu Recht, dass das Ergebnis dieser Opfer geschützt wird", sagte er.

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