Oliynykova kritisiert Sabalenka-Rolle als Werbebotschafterin
Ihren sportlich großen Auftritt bei den Australian Open nutzt die Ukrainerin Oleksandra Oliynykova, um auf die dramatische Situation durch den Krieg in ihrer Heimat aufmerksam zu machen. Ein Dorn im Auge ist ihr dabei das Verhalten der Weltranglistenersten Aryna Sabalenka und anderen Spielerinnen aus Belarus und Russland.
von Dietmar Kaspar
zuletzt bearbeitet:
25.01.2026, 17:58 Uhr

Gegen die Titelverteidigerin in der Rod Laver Arena – viel größer konnte die Bühne für die Ukrainerin Oleksandra Oliynykova bei ihrem ersten Start im Hauptfeld eines Grand-Slam-Turniers kaum sein. Nachdem sie sich in der vergangenen Saison über kleinere ITF-Turniere mehr als 200 Plätze in der Weltrangliste nach vorn spielen konnte und in der vergangenen Saison in der Qualifikation der Majors in London und New York jeweils in der ersten Runde scheiterte, sollte es bei der ersten direkten Teilnahme gleich die US-Amerikanerin Madison Keys in der größten Arena von Melbourne sein.
Schon mit ihrem Erscheinungsbild, den Tattoos an ihrem Körper und den temporären Punkten im Gesicht, sorgte die 25-Jährige für Aufsehen und ließ auch sportlich große Taten folgen. Lange trauten die Zuschauer:innen ihren Augen kaum, als die Außenseiterin mit einem couragierten Auftritt loslegte und sich eine schnelle 4:0-Führung erspielen konnte. Auch wenn sie sich der Favoritin dennoch final in zwei Sätzen geschlagen geben musste, sorgte sie sportlich für ein großes Ausrufezeichen.
Doch damit war die Bühne für Oliynykova noch lange nicht geschlossen. Via Pressekonferenz und weiterer Zuhilfenahme der Medien nutzte sie das Forum, um auf ihre Geschichte und ihre aktuelle Situation aufmerksam zu machen. Als Tochter eines ukrainischen Offiziers musste sie mit ihrer Familie aus politischen Gründen nach Polen fliehen, ehe sie im vergangenen Jahr wieder nach Kiew zurückkehrte. Und so schilderte sie ihre aktuelle Situation in der Heimat, wo aktuell Temperaturen um Minus 15 Grad herrschen: „Ich habe dort zurzeit keinen Strom, keine Heizung, kein Wasser. Ich dusche im Tennis-Club.“
Auch wenn sie aktuell sportlich auf dem Weg in die absolute Weltspitze ist, sieht sie ihre Rolle nicht nur als Tennis-Profispielerin, sondern auch als Botschafterin ihrer Heimat, um auf die menschenunwürdige Situation dort aufmerksam zu machen. So unterstützt sie auch ein Crowdfunding-Programm, um Geld für die Drohnenabwehr zu sammeln und dafür zu sorgen, dass dieses direkt an der benötigten Stelle ankommt.
Sorglose Rolle von Sabalenka, Andreeva und Shnaider
Entsetzten löst bei Oliynykova das Verhalten von Profikolleginnen aus Belarus und Russland aus. So kritisierte sie explizit die Sorglosigkeit von Aryna Sabalenka: „Das brutale Verhalten der Weltranglistenersten Sabalenka hat viele empört. Trotzdem tut sie so, als wisse sie nichts vom Krieg in der Ukraine. Sie verstehe nicht, warum ihr die ukrainischen Spielerinnen nach dem Match nicht die Hand geben. Und, wie man sagt, existiere für sie nur der Sport, alles andere sei ihr egal.“ Kritik hat die Grand-Slam-Debütantin auch für die jüngere Generation übrig. So kann sie bei Mirra Andreeva und Diana Shnaider nicht nachvollziehen, weshalb diese sich vom Kriegstreiber Wladimir Putin persönlich auszeichnen ließen.
Fassungslosigkeit über Sabalenkas Rolle als Gesicht für Gucci
Der berühmte Tropfen, der das Fass bei Oliynykova diebezüglich zum Überlaufen bringen sollte, folgte nach ihrer Kritik mit der Bekanntgabe von Sabalenka als globale Markenbotschafterin für das Modelabel Gucci. Weltweit strahlt Sabalenka nun, um mit ihrem Gesicht die Edelmarke zu promoten. Ihren Kommentar diesbezüglich äußerte die 25-jährige Oliynykova diesmal auf ihrem eigenen Instagram-Kanal: „Eine Anhängerin eines blutrünstigen Diktators wird zur Markenbotschafterin einer Topmarke. Was ist nur los mit dieser Welt? Und ab welchem Zeitpunkt begannen die Menschen, kraftvolle Aufschläge und Vorhände höher zu bewerten als zerstörte Leben?“

