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Gold, Silber, Bronze, Blech – Die Deutschen bei Olympia

Wie schnitten die deutschen Spieler und Spielerinnen bei den olympischen Tennisturnieren ab? Hier ist die Antwort!

von tennisnet.com
zuletzt bearbeitet: 31.07.2016, 14:02 Uhr

1992: Barcelona Olympics. Boris Becker and Michael Stich of Germany win mens doubles. Mandatory Credit: Allsport/ALLSPORT

Nachdem Tennis in den Jahren 1968 sowie 1984, wo Steffi Graf siegte, ein Demonstrationswettbewerb bei den Olympischen Spielen war, kehrte der „weiße Sport“ im Jahr 1988 nach 64-jähriger Pause ins olympische Programm zurück. Wie haben sich die Deutschen seitdem bei Olympia geschlagen? Ein Blick in die Geschichtsbücher.

Olympische Spiele 1998 in Seoul

Für das deutsche Tennis hätte es nach der jahrelangen olympischen Pause für den „weißen Sport“ gar keinen besseren Start in die Olympische Spiele geben können. Steffi Graf vergoldete in Seoul ihr Jahr 1988 und wurde Olympiasiegerin mit einem Finalsieg gegen Gabriela Sabatini.Da die „Gräfin“ zuvor bereits alle vier Grand-Slam-Turniere des Jahres gewonnen hatte, war der Begriff Golden Slam geboren.Eine Leistung, die bis heute nicht wiederholt werden konnte und womöglich sogar für die Ewigkeit ist. Im Doppel gewann Graf an der Seite von Claudia Kohde-Kilsch, die im Einzel bereits ihr Auftaktmatch veloren hatte, die Bronzemedaille. Das Kuriose dabei: Die beiden brauchten nur einen Sieg für Edelmetall. Denn das Starterfeld bestand nur aus 14 Doppeln, Graf und Kohde-Kilsch griffen als Nummer zwei der Setzliste erst im Viertelfinale ins Turnier ein. Ein Spiel um die Bronzemedaille gab es damals noch nicht, sodass zweimal Bronze verteilt wurde. Das verlorene Halbfinale gegen Jana Novotna und Helena Sukova geriet knapp 25 Jahre später in die Schlagzeilen, als Kohde-Kilsch in einem Interview erklärte, dass Peter Graf zu ihrem Stiefvater gesagt haben soll, dass Steffi mit Absicht schlecht gespielt habe.

Bei den Herren verzichtete Boris Becker auf seinen Start beim olympischen Tennisturnier in Seoul, das zwei Wochen nach den US Open über die Bühne ging. Aus deutscher Sicht waren Eric Jelen und Carl-Uwe Steeb, der sich aber erst für das Hauptfeld qualifizieren musste, dabei. Während Jelen in der ersten Runde dem späteren Olympiasieger Miloslav Mecir unterlag, spielte Steeb groß auf und erreichte das Viertelfinale. Dort verlor er gegen US-Amerikaner Tim Mayotte, der schließlich Silber gewann. Im Doppel schieden Jelen und Steeb in der ersten Runde gegen die Schweden Stefan Edberg und Anders Jarryd aus.

Olympische Spiele 1992 in Barcelona

Nach Seoul war Steffi Graf auch in Barcelona die große Favoritin auf Gold, nachdem Monica Seles, die Nummer eins der Welt, sowie Martina Navratilova und Gabriela Sabatini von der ITF für das Turnier nicht zugelassen wurden. Und so sah alles danach aus, dass Graf ihre zweite Goldmedaille gewinnen würde. Mit nur 15 Spielverlusten in fünf Matches zog die Deutsche mehr als souverän ins Finale ein. Dort wartete Jennifer Capriati, zum damaligen Zeitpunkt 16 Jahre und 132 Tage alt. Die US-Amerikanerin hatte im Viertelfinale den Medaillentraum von Anke Huber platzen lassen. Capriati schaffte die Sensation und besiegte die klare Favoritin in einem packenden Match. Graf blieb der schwache Trost, dass sie zumindest Edelmetall in jeder Farbe in ihrer Sammlung hat. Barbara Rittner, die eine Wildcard für das Turnier bekam, schaffte mit zwei Siegen den Sprung ins Achtelfinale und verlor dort gegen Arantxa Sanchez Vicario in drei Sätzen. Im Doppel gingen Graf und Huber an den Start. Die beiden verloren in der zweiten Runde gegen die späteren Olympiasiegerinnen Gigi Fernandez und Mary Joe Fernandez.

Bei den Herren hatte das deutsche Team mit Boris Becker und Michael Stich gleich zwei heiße Eisen im Feuer. Doch im Einzel lief es ganz und gar nicht nach Plan. Stich verlor in der zweiten Runde gegen Landsmann Carl-Uwe Steeb in vier Sätzen, Becker scheiterte im Achtelfinale an Fabrice Santoro ebenfalls in vier Sätzen. Und auch Steeb musste seinen Medaillentraum im Achtelfinale begraben, als er gegen den Mexikaner Leonardo Lavalle verlor. Becker und Stich konnten sich nach dem Ausscheiden voll und ganz auf das Doppel konzentrieren. Dass die beiden überhaupt zusammen an den Start gingen, war schon etwas überraschend und auch ein Verdienst von Niki Pilic, der die beiden zu Höchstleistungen antrieb.Aus den Rivalen wurde schließlich eine Zweckgemeinschaft, die an einem Strang zogen, Gegnern und der Hitze in Barcelona trotzten und schließlich Olympiasieger wurden.Im Rückblick auf ihre Karriere betonten Becker und Stich immer wieder, dass ihre olympische Goldmedaille mit der Zeit immer mehr an Wert gewonnen hatte.

Olympische Spiele 1996 in Atlanta

Steffi Graf musste ihre Teilnahme in Atlanta wegen einer Knieverletzung absagen, sodass Anke Huber die einzige deutsche Starterin war. Ein deutsches Damen-Doppel gab es somit auch nicht. Für Huber sollte es auch in Atlanta nichts mit einer Medaille werden. An fünf gesetzt verlor sie im Achtelfinale gegen die spätere Olympiasiegerin Lindsay Davenport.

Bei den Herren musste Boris Becker nach seiner verletzungsbedingten Aufgabe in Wimbledon schließlich auf die Olympischen Spiele verzichten. Für Michael Stich kam ein Start in Atlanta nicht infrage. Marc-Kevin Goellner und David Prinosil gingen im Einzel an den Start. Beide verloren in der ersten Runde und konnten sich somit voll und ganz auf das Doppel konzentrieren. Und dort glänzte das eingespielte Duo Goellner und Prinosil. Zwar verloren sie im Halbfinale hauchdünn gegen die Briten Neil Broad und Tim Henman mit 8:10 im dritten Satz, doch im Match um die Bronzemedaille spielten die beiden groß auf und besiegten die favorisierten Niederländer Jacco Eltingh und Paul Haarhuis.

Olympische Spiele 2000 in Sydney

Für Anke Huber sollte es in Sydney endlich mit Edelmetall bei Olympia klappen. Sie hätte als Nummer sechs der Setzliste gute Chancen gehabt, doch sie musste ihren Start kurzfristig absagen. Huber hatte sich beim verlorenen Viertelfinale bei den US Open einen Anriss der Strecksehne des rechten Armes zugezogen. Jana Kandarr war nach der Absage die einzige deutsche Starterin und überzeugte in Sydney. Sie erreichte das Achtelfinale und scheiterte dort an der späteren Olympiasiegerin Venus Williams.

Bei den Herren waren mit Nicolas Kiefer, Tommy Haas, Rainer Schüttler und David Prinosil gleich vier Deutsche dabei. Kiefer, immerhin an neun gesetzt, und Prinosil (gegen Roger Federer) verloren in der ersten Runde, Schüttler in der zweiten Runde (gegen Gustavo Kuerten). So ruhten die Hoffnungen auf Tommy Haas, der ein starkes olympisches Turnier spielte, das Halbfinale erreichte und dort den 19-jährigen Roger Federer klar mit 6:3, 6:2 besiegte. Zum olympischen Gold reichte es für Haas nicht, er verlor das Finale gegen Yevgeny Kafelnikov in fünf Sätzen. Im Doppel spielten Haas und Prinosil und scheiterten im Viertelfinale an den späteren Olympiasiegern Sebastien Lareau und Daniel Nestor.

Olympische Spiele 2004 in Athen

Die Geschichte über die deutschen Damen in Athen ist schnell erzählt. Nach den Karriereenden von Steffi Graf und Anke Huber war das deutsche Damentennis an einem historischen Tief angelangt, sodass entschieden wurde, dass keine deutsche Spielerin in Athen an den Start gehen sollte. So lag der Fokus auf den Herren, wo im Einzel Tommy Haas, Nicolas Kiefer, Rainer Schüttler und Florian Mayer dabei waren. Schüttler und Mayer schieden in der ersten Runde aus, Haas verlor in der zweiten Runde nach Vergabe von drei Matchbällen gegen Andy Roddick. Kiefer erreichte das Achtelfinale und unterlag Mikhail Youzhny. Im Doppel spielten Kiefer und Schüttler groß auf, schlugen zahlreiche Topteams und spielten schließlich um die Goldmedaille. Der Olympiasieg war zum Greifen nah. In einem epischen Finale gegen die Chilenen Fernando Gonzalez und Nicolas Massu, das bis tief in die Nacht ging, hatten die beiden bereits mehrere Hände an der Goldmedaille, als sie im Tiebreak des vierten Satzes vier Matchbälle in Folge hatten.Was der größte Tag in der Tenniskarriere von Kiefer und Schüttler werden sollte, endete mit der bittersten Niederlage und Tränen.Die Freude über die Silbermedaille setzte erst nach Verarbeitung dieser riesengroßen Enttäuschung ein.

Olympische Spiele 2008 in Peking

Auch in Peking suchte man bei den Damen deutsche Starterinnen vergeblich. Und so richtete sich wieder der Blick auf die Herren, wo nur Nicolas Kiefer und Rainer Schüttler am Start waren. Kiefer erreichte im Einzel wie vor vier Jahren das Achtelfinale, verlor dort gegen Paul-Henri Mathieu. Schüttler scheiterte in der zweiten Runde an Novak Djokovic. Im Doppel konnten Kiefer und Schüttler ihren Coup von Athen nicht wiederholen. Sie verloren bereits ihr Auftaktmatch gegen die Österreicher Julian Knowle und Jürgen Melzer.

Olympische Spiele 2012 in London

Nach 2004 nahmen erstmals wieder deutsche Damen bei Olympia teil. Und die Chance auf Edelmetall war sogar gegeben. Mona Barthel scheiterte zwar in der ersten Runde, doch Angelique Kerber, Sabine Lisicki und Julia Görges zogen allesamt auf dem „Heiligen Rasen“ in Wimbledon ins Achtelfinale ein. Lisicki unterlag in einem packenden Match Maria Sharapova, Görges scheiterte an Maria Kirilenko. Kerber kam schließlich ins Viertelfinale, musste sich dann aber Victoria Azarenka beugen. Im Doppel scheiterten die Duos Kerber/Petkovic (gegen die Williams-Schwestern) und Görges/Anna-Lena Grönefeld jeweils in der zweiten Runde.

Bei den Herren sagte Philipp Kohlschreiber kurz vor Turnierbeginn wegen einer Verletzung ab. Philipp Petzschner erreichte die zweite Runde. Im Doppel schieden Petzschner und Christopher Kas in der ersten Runde aus. In London wurde zudem erstmals eine Mixedkonkurrenz ausgetragen. Angelique Kerber und Philipp Petzschner verloren in der ersten Runde. Sabine Lisicki und Christopher Kas schafften den Einzug ins Halbfinale und freuten sich bereits über eine vermeintliche Medaille, vergaßen aber dabei, dass es ein Spiel um die Bronzemedaille gab. Statt Edelmetall gab es Tränen bei Lisicki.

Olympische Spiele 2016 in Rio de Janeiro

Das olympische Tennisturnier in Rio de Janeiro stand aus deutscher Sicht zunächst unter keinem guten Stern. So sagte Alexander Zverev im Vorfeld des Turniers wegen Erschöpfung ab, Philipp Petzschner konnte wegen einer Infektion nicht antreten. Und es kam noch schlimmer:Dustin Brown spielte ein beherztes Erstrundenspiel in Rio, knickte jedoch übel um und zog sich einen doppelten Bänderriss zu.Während Jan-Lennard Struff in der ersten Rund ausschied, gewannPhilipp Kohlschreiberzwar seine erste Runde, musste dann aber zunächst seinen Doppelstart absagen und anschließend auch für das Einzel passen. Der Grund:Ein Ermüdungsbruch im Fuß.Im Mixed war durch die zahlreichen Verletzungen und Absagen schließlich keine deutsche Paarung von der Rangliste so gut notiert, dass es für das Hauptfeld reichte.

Erfreulich lief die Damenkonkurrenz. Zwar schieden Andrea Petkovic und Annika Beck in der ersten Runde aus und auch für die beiden deutschen Doppel war sofort Schluss, aberAngelique KerberundLaura Siegemundspielten im Einzel groß auf. Siegemund zog ins Viertelfinale ein und verlor dort gegen Monica Puig.Kerber marschierte ins Finale, musste sich dann aber eine entfesselnd aufspielenden Puig geschlagen geben, die für Puerto Rico die erste Goldmedaille überhaupt bei Olympischen Spielen gewann.Die Silbermedaille für Kerber war die insgesamt achte Medaille für den Deutschen Tennis Bund in der Olympiageschichte.

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31.07.2016, 14:02 Uhr