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Pegula-Coach David Witt im tennisnet-Interview: „Es gibt keine einfachen Siege mehr“

David Witt war mehr als ein Jahrzehnt lang als Hitting Partner und Coach mit Venus Williams unterwegs. Seit 2019 betreut der Ex-Profi Jessica Pegula. Ein Gespräch im Aorangi Park zu Wimbledon.

von Jens Huiber
zuletzt bearbeitet: 01.07.2023, 21:39 Uhr

Jessica Pegula und Coach David Witt Anfang 2023 beim United Cup
© Getty Images
Jessica Pegula und Coach David Witt Anfang 2023 beim United Cup

David Witt hat ein wenig sorgenvoll in den Himmel geblickt am Freitagnachmittag auf der Anlage des All England Lawn Tennis Clubs. Der Langzeitcoach von Venus Williams und aktuelle Betreuer von Jessica Pegula hätte für seinen Schützling gerne noch eine Trainingseinheit untergebracht. Die dichte Wolkendecke am Londoner Himmel verheißt nichts Gutes. Beim Interview mit tennisnet verbreitet Coach Witt aber gute Laune.

tennisnet: Jessica Pegula hat in Eastbourne gegen Doppel-Partnerin Coco Gauff verloren, ist hier in Wimbledon an Position vier gesetzt. Wie ist ihre Form, wie hoch sind die Erwartungen?

David Witt: Jess fühlt sich sehr gut, hat in Eastbourne ein paar gute Matches absolviert. In den kommenden Tagen werden wir hier ein wenig trainieren. Die Erwartungen sind hoch. Aber Rasentennis kann auch unvorhersehbar sein. Es wird von Beginn an harte Arbeit werden.

tennisnet: Wenn man die Rasenplätze in Eastbourne mit jenen hier in Wimbledon vergleicht: Gibt es da große Unterschiede?

Witt: Es gibt sicher ein paar Unterschiede, weil natürlich sind die Rasenplätze in Wimbledon die besten der Welt. Wir wissen aber noch nicht, wie die Bälle abspringen: hoch, flach, schnell. Das werden wir im Training herausfinden. Am Wochenende werden wir dann auf den Turnierplätzen trainieren und versuchen, uns dort zu adaptieren. Aber Eastbourne war eine gute Vorbereitung. Dazu hat Jess mit Coco noch ein paar Doppel-Matches mitgenommen, das war für die Gewöhnung an den Rasen gut.

tennisnet: Wie wichtig sind für Sie die Doppel-Auftritte ihrer Spielerin?

Witt: Ich glaube, den beiden macht es Spaß, gemeinsam zu spielen. Und man kann im Doppel an ein paar Dingen arbeiten, die wieder für das Einzel wichtig sind. Die Intensität ist hoch, man bleibt konzentriert. Solange man davon nicht zu müde wird und das Einzel darunter leidet, ist das völlig in Ordnung.

tennisnet: Jessica ist in die obere Hälfte des Tableaus gelost worden die untere scheint mit Aryna Sabalenka, Elena Rybakina oder Petra Kvitova etwas stärker besetzt zu sein. Ändert das etwas an der Einstellung?

Witt: Das ändert gar nichts. Gerade auf Rasen muss man Match für Match denken.

tennisnet: Sie haben sehr lange mit Venus Williams gearbeitet, die hier in der ersten Runde auf Elina Svitolina trifft. Was können wir von Venus erwarten?

Witt: Das ist für beide eine harte Auslosung. Svitolina ist gerade erst zurückgekommen und spielt hervorragendes Tennis, hat nach ihrem Comeback gleich einen Titel gewonnen. Venus ist auch gerade erst wieder da, hatte zwei gute Matches. Es wird darauf ankommen, wie die Bedingungen sind. Und wer besser aufschlägt.

tennisnet: Stand Venus trotz ihrer fantastischen Karriere zu sehr im Schatten von Serena?

Witt: Venus hat sieben Slams gewonnen. Das ist Wahnsinn. Auch dass sie in ihrem Alter noch spielt. Aber aktuell ist es viel schwieriger als noch vor ein paar Jahren. Die Dichte im Frauentennis ist viel größer geworden. Es ist schwieriger, Matches zu gewinnen. Diese Erfahrung wird auch Caroline Wozniacki machen, die jetzt zurückkommen möchte. Die Frauen schlagen die Bälle viel härter. Es gibt so gut wie keine einfachen Siege mehr, auch nicht in den ersten Runden. Wenn man jetzt nich hundertprozentig konzentriert auf den Court kommt, dann wird man nicht gewinnen.

tennisnet: Auf der Seite der Männer gibt es mit Novak Djokovic einen klaren Favoriten. Wie sehen Sie das Feld der Frauen?

Witt: Das ist schwierig. Wahrscheinlich gibt es zehn Frauen, die den Titel gewinnen können. Wenn sie durch die ersten Runden kommen, in denen es die Favoritinnen manchmal erwischt. Natürlich wird jeder Iga und Sabalenka nennen, man darf Kvitova nicht vergessen. Sie ist auf Rasen sehr gefährlich. Da sind Ons und Jess und noch einige andere.

tennisnet: Was ist mit Coco Gauff? Die müsste im Viertelfinale, wie schon in Paris, gegen Iga Swiatek ran?

Witt: Sollte es dazu kommen, hängt viel von den Bedingungen ab. Wenn der Rasen schnell ist, gibt es Facetten in Cocos Spiel, die gefährlich für Iga sind. Vor allem der Aufschlag. Von den Grundschlägen her ist wiederum Iga besser. Man muss einfach rausgehen und sein bestes Tennis zeigen.

David Witt beim tennisnet-Interview
© privat/tennisnet

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Sonntag
02.07.2023, 09:55 Uhr
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