Porsche Tennis Grand Prix: Markus Günthardt und Anke Huber - „Noch mal anderes Niveau als vor fünf, sechs Jahren“

Turnierdirektor Markus Günthardt und die Sportliche Leiterin Anke Huber haben ihr Fazit zum Porsche Tennis Grand Prix 2022 gezogen.

von Florian Goosmann aus Stuttgart
zuletzt bearbeitet: 24.04.2022, 13:26 Uhr

© Porsche

Günthardt zeigte sich hierbei vor allem dankbar um die Rückkehr der Zuschauerinnen und Zuschauer in die Porsche Arena. Die Auflage 2020 war ausgefallen, 2021 hatte man ohne Publikum gespielt - „diese Totenstille, das war schon anstrengend“, so Günthardt. Er werde immer wieder gefragt, was den Porsche Tennis Grand Prix ausmache, warum die Spielerinnen so gerne kämen. „Genau deswegen. Dieses Feedback bekommen wir auch von den Spielerinnen selbst.“

Natürlich sei man in diesem Jahr von Rekordzahlen mit rund 32.000 Zuschauern aus 2019 noch entfernt gewesen, Günthardt nannte als aktuellen Schätzwert 25.000 Zuschauer. „Ich bin natürlich erst zufrieden, wenn hier über neun Tage kein freier Sitzplatz ist. Das hatten wir nicht. Aber der Samstag war beinahe ausverkauft, der Sonntag sieht auch sehr gut aus.“ Der Grund: Man habe aufgrund der Coronasituation erst spät mit dem Ticketvorverkauf beginnen können, hatte lange Zeit keine Vorgaben der Behörden und der WTA. Und auch die Werbung in diesem Jahr eher zurückhaltend aufgebaut. Etwas, das sich für 2023 wieder ändern solle.

Spielerinnenfeld in 2022 "die perfekte Mischung"

Das Spielerinnenfeld war objektiv wieder mal eines der besten – neun Profis aus den ersten Zehn waren angekündigt, aufgrund zweier Absagen waren am Ende sieben Top-10-Spielerinnen dabei. Günthardt war jedoch vor allem von der "einmaligen Mischung" beeindruckt. "Eine Petra Kvitova war schon zum neunten Mal hier, dazu eine Karolina Pliskova, Angie Kerber, Laura Siegemund. Dann die neuen Stars, wie Iga Swiatek, neue Gesichter, die sich schon etabliert haben, wie auch Paula Badosa. Und die nächste Generation mit Emma Raducanu und Coco Gauff, die im Doppelfinale steht, sowie die jungen deutschen Spielerinnen.“

Im TV- und Streamingbereich hatten Eurosport und der Tennis Channel übertragen, dazu kam der Onlinestream über Porsche TV mit Elmar Paulke, mit vier verschiedenen Kameraperspektiven, aus denen die Fans wählen konnten. „Auch wir brauchen als Zuschauer die Next Gen“, so Günthardt. „Ich sehe das bei meinen Kindern, die schauen das alle auf dem Handy. Es muss schnell gehen, interaktiv sein und spannend, dann sind sie dabei. Das versuchen wir weiter aufzubauen.“

Anke Huber: "Deutsches Schulsystem wahnsinnig hart"

Anke Huber blickte ebenso happy auf den sportlichen Verlauf, die guten Auftritte der deutschen Spielerinnen, die vielen knappen Matches. „Ich bin mehrfach angesprochen worden, wie sich das Damentennis entwickelt hat, wie schnell es geworden ist. Es ist noch mal ein anderes Niveau als vor fünf, sechs Jahren.“ Zwei Jahre habe sie selbst kaum Livetennis verfolgen können, „auch für mich immer spannend zu sehen: eine Iga Swiatek, wie die spielt, was sich da verändert hat. Es ist einfach etwas anderes, ob man im Fernsehen schaut oder live dabei ist.“

Auch die Bedeutung des Turniers für die Spielerinnen habe sie gespürt. Maria Sakkari, die ihr Match gegen Laura Siegemund verletzungsbedingt aufgeben musste, „hat sich am nächsten Tag noch mal von uns verabschiedet, sie hat geweint bei uns im Büro und erklärt, sie sei niemand, der aufgebe, und es tue ihr so leid.“

Dass eine Iga Swiatek mit 20 Jahren schon die Nummer 1 der Welt sei, die deutschen Spielerinnen womöglich noch etwas Zeit brauchen, begründete Huber auch mit dem deutschen Schulsystem, das wahnsinnig hart sei. „Es ist fast unmöglich, da Leistungssport zu betreiben. Es gibt keine Internate, kein richtiges System, das fördernd ist. Da muss man unseren Mädels daher ein, zwei Jahre mehr geben.“ Auch Andrea Petkovic, Angelique Kerber oder Julia Görges hätten ihre Zeit gebraucht, „die standen auch noch nicht mit 20 Jahren in den Top 10.“ Huber zeigte sich jedoch beeindruckt von den Auftritten der Youngsters um Eva Lys, Nastasja Schunk oder Jule Niemeier.

Quali-Feld soll bei 16 Spielerinnen bleiben

Eine Neuerung in diesem Jahr: das kleinere Qualifikationsfeld: Sonst hatten immer 32 Spielerinnen um einen Hauptfeldplatz gekämpft, im vergangenen Jahr noch 24, diesmal nur noch 16. Geht es nach Günthardt, solle dem so bleiben, denn der Billie Jean King Cup am gleichen Wochenende stelle alles auf den Kopf. Man habe jahrelang am Montag keine Hauptfeldmatches ansetzen können, weil noch die letzte Quali-Runde ausgespielt werden musste, viele Spielerinnen aufgrund des Länderkampfes jedoch weder Quali spielen, noch frühzeitig anreisen konnten.

Natürlich böten größere Felder mehr Jobs für die Spielerinnen. „Aber wenn wir einen Cut-off von 500 haben, wie im vergangenen Jahr, dann passt das nicht zum Porsche Tennis Grand Prix.“ Im Hauptfeld hatten hier sechs Qualifikantinnen und zwei Lucky Loserinnen gespielt. „Lieber weniger – und dafür besser besetzt“, so Günthardts Hoffnung auch für die Auflage in 2023.

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zuletzt bearbeitet: 24.04.2022, 13:26 Uhr