Riesenfreude bei Österreichs Davis-Cup-Team: "Es war ein großes Tennisfest"

Österreichs Davis-Cup-Team darf abermals mit der Teilnahme am Finalturnier in Bologna liebäugeln. Nach dem 3:2-Sieg in Japan kannte die Freude bei Jurij Rodionov und Co. keine Grenzen.

von PM
zuletzt bearbeitet: 07.02.2026, 16:55 Uhr

Österreich darf von Bologna träumen
© Getty Images
Österreich darf von Bologna träumen

Es war die erwartet knappe Begegnung – bis zum letzten Satz des alles entscheidenden fünften Spiels. Gebracht hat sie dem KURIER Austria Davis Cup Team letztlich ein Happy End: Österreichs Herrennationalmannschaft ist durch einen 3:2-Sieg über Japan in Tokio in die zweite und letzte Qualifikationsrunde zu den Davis Cup Final 8 eingezogen. 

Dafür verantwortlich zeichneten Jurij Rodionov und Lukas Neumayer mit ihren Einzelerfolgen am Samstag. Nachdem Letzterer (ATP 223) durch ein 6:3, 6:3 über Japans Nummer eins Shintaro Mochizuki (ATP 108) ein zweites Mal ausgleichen konnte, behielt Rodionov (ATP 170) die Nerven und bezwang im Entscheidungsmatch Yoshihito Nishioka (ATP 131) mit 5:7, 6:1, 6:0. Damit bietet sich der Equipe von ÖTV-Sportdirektor und -Davis-Cup-Kapitän Jürgen Melzer die Chance, sich sensationell ein zweites Mal in Serie fürs Finalturnier der besten acht Nationen der Welt zu qualifizieren. Und das diesmal in einem Heimspiel: Am 18./19. oder 19./20. September geht es entweder gegen Bulgarien oder Belgien, die ihre Erstrundenbegegnung erst am Sonntag abschließen werden.

Neumayer und Rodionov bleiben nach 1:2-Rückstand cool

Nach dem 1:1-Zwischenstand vom Freitag gingen Alexander Erler und Lucas Miedler als leichte Favoriten in das den zweiten Spieltag eröffnende Doppelmatch. Für Österreichs Paradeduo lief es an diesem Tag jedoch nicht nach Wunsch: In einem hochdramatischen Spiel unterlagen der Tiroler (ATP-Doppel 38) und der Niederösterreicher (ATP-Doppel 23) den 21 Asse servierenden Yosuke Watanuki (ATP-Doppel 892) und Takeru Yuzuki (ATP-Doppel 95) nach 2:52 Stunden Spielzeit hauchdünn 6:7 (4), 7:6 (8), 4:6 – trotz beherztem Kampf sowie drei abgewehrten Matchbällen schon im zweiten Satz. „Taffe Partie heute. Das Ergebnis tut natürlich weh. Es war offen bis zum Schluss. Das war eigentlich gutes Niveau von allen Vier, finde ich. Am Ende, wie es im Doppel oft so ist, entscheiden es ein paar Punkte“, befand Miedler. „Man muss sagen, dass die wirklich sehr, sehr gut serviert haben. Das ist natürlich nicht leicht, du kriegst so null Rhythmus. Normalerweise ist der Return ja eine meiner Stärken, aber ich bin heute überhaupt nicht reingekommen, hatte das Gefühl, wenn man mal einen kriegt, muss man diesen machen“, ergänzte Erler. „Wir haben bis zum letzten Punkt gekämpft und alles probiert.“

Auf das KURIER Austria Davis Cup Team wuchs mit dem erneuten Rückstand der Druck. Doch Neumayer und Rodionov hielten diesem stand. Ersterer wurde von Kapitän Melzer aufgestellt, nachdem Sebastian Ofner am ersten Tag diesmal nicht überzeugen konnte. Nicht so Neumayer: Der Salzburger erledigte seine Aufgabe Mochizuki in nur 74 Minuten mit Bravour und ließ, bis auf einen kurzen Wackler Mitte des zweiten Satzes, zu keinem Zeitpunkt Zweifel über den Ausgang des Matches aufkommen. „Natürlich bin ich extrem stolz auf die Leistung – und generell auf wieder einen Sieg im Davis Cup. Vom Score her schaut’s problemlos aus, aber es war wirklich ein taffes Match. Es hätte leicht nochmal kippen können, aber ich habe im letzten Game nochmal gut aufgeschlagen“, freute sich Neumayer über den Punkt zum 2:2. Wie in der zweiten Qualifikationsrunde im Herbst in Ungarn lief bei diesem Stand Rodionov ein – und wieder zu seiner Höchstform auf. Nach den vorangegangenen Strapazen wurde der bis dahin zweimal erfolgreiche Watanuki bei Japan im Entscheidungsspiel durch Nishioka ersetzt. Zwar gab Rodionov Satz eins noch etwas unglücklich ab, ließ dem zusehends physisch schwächelnden Nishioka dann aber nur noch ein Game.

Freude über Bologna-Chance im ÖTV

Im KURIER Austria Davis Cup Team brachen daraufhin alle Dämme, dass die schwierige Auswärtsreise ins weite Veranstalterland doch noch ein erfolgreiches Ende genommen hatte. „Was ich gerade fühle, kann ich noch nicht wirklich in Worte fassen, aber ich bin stolz auf das Team, dass wir es gemeinsam geschafft haben, den Sieg hier in Tokio zu holen. Wir freuen uns alle, dass wir im September jetzt wieder die Chance haben, nach Bologna zu kommen“, strahlte Rodionov, der auch die Früchte für die harte körperliche Arbeit mit seinem Team geerntet sah. „Ich habe im zweiten und dritten Satz dann auch mein Spiel gefunden und habe nicht mehr losgelassen.“ Von Teamkapitän Melzer gab es dafür Sonderlob: „Ich bin richtig stolz auf ihn, dass er nach dem ersten Satz, der wirklich extrem kräfteraubend war, so dabeigeblieben ist und so gefightet hat und den anderen müde gespielt hat. Einfach toll, ich bin richtig happy.“ Der Tenniskrimi hatte Österreichs Ex-Weltklassespieler auf der Bank trotzdem „natürlich Nerven gekostet. Das Doppel war extrem spannend, ein ganz enges Match verloren. Dann war es natürlich mit 1:2 vor den letzten zwei Einzelspielen nicht die beste Ausgangslage. Aber ich habe volles Vertrauen gehabt und war überzeugt davon, dass Lukas eine richtig gute Leistung bringen wird. Er ist für solche Momente gemacht, ist seinen Mann gestanden und hat super gespielt“, so Melzer. Und Rodionov habe es nach intensivem erstem Satz „souverän zu Ende gespielt. Er ist ein bisschen aggressiver geworden und hat dann das Heft in der Hand gehabt.“

Groß war und ist natürlich die Freude im Österreichischen Tennisverband, zum sechsten Mal ein Viertelfinale beim traditionsreichen Nationenwettbewerb erreichen zu können – allen voran bei Präsident Martin Ohneberg, der die heimische Auswahl vor Ort an beiden Spieltagen tatkräftig unterstützte. „Die Spannung war nicht zu überbieten. Es war eine tolle Teamleistung, eine super Stimmung in der Halle. Man sieht einfach bei den letzten Davis-Cup-Spielen, dass das wirklich ein geformtes Team ist, in dem alle für den Erfolg kämpfen. Es war ein großes Tennisfest, eine Riesenfreude und ein tolles Ergebnis. Jetzt wird natürlich gefeiert. Wir sind stolz auf unser Team. Das ist was ganz Besonderes. Im September gibt es dann ein Heimspiel in Österreich, darauf freuen wir uns.“ So erging es auch Melzer: „Ein Heimspiel um Bologna – was wollen wir mehr? Es wird hoffentlich ein Tennisfest werden und wir schaffen es wieder zum Finalturnier. Die Chance ist auf alle Fälle da, und wir werden sie, so gut es geht, nützen.“ Sich neuerlich für die Top Acht zu qualifizieren, wäre für ihn „natürlich unglaublich. Alleine wieder die Chance zu haben, ist sensationell. Wir sind in einer Weltsportart.“ ÖTV-Geschäftsführer Wirtschaft Thomas Schweda zeigte sich ebenfalls „richtig stolz auf unser KURIER Austria Davis Cup Team, angeführt von unserem Sportdirektor Jürgen Melzer. Jetzt freuen wir uns darauf, für die österreichische Tenniscommunity einen heißen Tennisherbst zu organisieren, mit einem Heimspiel gegen eine starke Nation wie Belgien oder Bulgarien. Es ist für uns eine große Sache, wieder unter den besten 15 Nationen der Welt stehen. Wir werden gleich Montag Kontakt mit den Landesverbänden und potenziellen Veranstalter:innen aufnehmen, ob es Interesse gibt, diesen Länderkampf um einen Platz beim Finalturnier auszutragen.“

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