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Roland-Garros 2024: Ein paar Gedanken zu Spielansetzungen, Publikum, etc.

Sebastian Ofner ist also gestern an Corentin Moutet gescheitert. Das Drumherum hat die Tennisfans aufgewühlt. Versuch einer Einordnung.

von Jens Huiber
zuletzt bearbeitet: 01.06.2024, 15:01 Uhr

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Kein böses Blut zwischen Corentin Moutet und Sebastian Ofner
© GEPA Pictures
Kein böses Blut zwischen Corentin Moutet und Sebastian Ofner

Von Jens Huiber aus Roland-Garros

Die Emotionen sind hochgekocht am Freitagabend in Hinsicht auf das Match zwischen Sebastian Ofner und Corentin Moutet in der dritten Runde der French Open 2024. Erstaunlicherweise aber eher in den sozialen Medien als auf dem Platz zwischen den Spielern und den Tribünen im Suzanne-Lenglen. Und schon gar nicht bei Sebastian Ofner selbst. Aber dazu gleich mehr. Zunächst einmal der Versuch einer Einordnung von verschiedenen Punkten …

Die Match-Ansetzung: Bei allen Grand-Slam-Turnieren, nicht nur in Paris, ist es Usus, dass sich die Matches der oberen und unteren Hälfte spätestens ab Runde zwei tageweise abwechseln. In Roland-Garros 2024 war für die untere Hälfte, jener mit Ofner und Moutet, der Mittwoch für Runde zwei vorgesehen, der Freitag für Runde drei, der Sonntag für das Achtelfinale. Das heißt dreierlei: Wär das Match zwischen Ofner und Moutet auf Samstag verschoben worden, hätte der Sieger auch keinen Ruhetag vor der Begegnung mit Jannik Sinner (der in der privilegierten Situation ist, all seine Matches unter Dach bestreiten zu dürfen) gehabt.

Zweitens hat Sebastian Ofner durch den Regen bedingt nach seinem Erstrunden-Erfolg gegen Terence Atmane sogar drei Tage Ruhepause gehabt.

Und drittens: Auch Corentin Moutet hat am Donnerstag gespielt. Und sein Match gegen Alexander Shevchenko sogar deutlich später beendet als Ofner seines gegen Sebastian Baez. Nur hat Moutet halt nur vier Sätze gebraucht. Um weiterzukommen. In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass auch Denis Shapovalov, Ben Shelton, Félix Auger-Aliassime und andere am Donnerstag und Freitag ran mussten.

Die Verschiebung auf Court Suzanne-Lenglen: Zum Zeitpunkt, als der Lenglen frei geworden ist, hatten genau zwei Partien noch nicht begonnen: Ofner gegen Moutet. Und Shelton gegen Auger-Aliassime. Dass die Franzosen da einem Lokalmatador den größeren Court geben erscheint nun nicht ganz verwegen. Hätten das Turnierveranstalter in Melbourne, Wimbledon, New York, aber auch in Wien, Hamburg, Basel oder Rom anders gemacht? Hmmm.

Ob nun Moutet ein paar Minuten früher davon erfahren hat als Ofner? Das wäre unschön. Andererseits wusste Ofner ja, dass er am Freitag spielen muss. Und als Vollprofi hat er sich auch darauf eingestellt.

Das Publikum: Wenn Sebastian Ofner nach der Partie mit immer noch glänzenden Augen bei der Pressekonferenz sitzt und davon schwärmt, dass das Erlebnis „geil“ war - dann sollte man ihm das nicht nur vielleicht, sondern ganz zwingend glauben. Und wer das Match auf der Tribüne mitverfolgt hat: In dieser Partie war es nie unfair. So gut wie keine Zwischenrufe zwischen erstem und zweitem Aufschlag, keine Störungen des laufenden Spielbetriebs.

Natürlich waren die Fans in der überwältigenden Mehrzahl für Corentin Moutet. Aber nie explizit gegen Sebastian Ofner (im Unterschied zur Partie von David Goffin auf Court 14 vor ein paar Tagen). Und: Ist das denn bei den Matches von Dominic Thiem in Österreich oder von Alexander Zverev in Deutschland oder von nick Kyrgios in Australien oder, oder, oder anders?

Corentin Moutet: „Man weiß ja, wie er ist.“ Hat Sebastian Ofner ebenfalls gesagt. Und er hat sich darauf eingestellt. Moutet holt aus seinen Möglichkeiten fast das Maximum heraus, er hat halt nicht den Aufschlag von Alexander Zverev oder die Vorhand von Stefanos Tsitsipas. Dass er den Gegner mit seiner Spielweise nervt, manchmal auch provoziert - das gehört um Paket dazu. Und das kann man mögen oder nicht. Bis Mitte des zweiten Satzes hatte Ofner den Franzosen ja schon deutlich herunter gekühlt.

Ach, ja: Im On-Court-Interview hat Corentin Moutet dann Sebastian Ofner noch einmal vollen Respekt gezollt. Das hat der Österreicher zwar nicht mehr mitbekommen. Sehr wohl aber den wirklich warmen Abgangs-Applaus des angeblich so unfairen Publikums.

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Ofner Sebastian

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Samstag
01.06.2024, 13:00 Uhr
zuletzt bearbeitet: 01.06.2024, 15:01 Uhr

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