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"Sonst kann man das gesamte Match zerstören" - Schiedsrichter Mohamed Lahyani über das Isner-Mahut-Rekordspiel

Nicht nur die Rekord-Männer John Isner und Nicolas Mahut mussten beim Wimbledon-Turnier 2010 über die volle Distanz gehen, auch Schiedsrichter Mohamed Lahyani musste lange ausharren - und das trotz einer aufregenden Neuigkeit.

von Florian Goosmann
zuletzt bearbeitet: 06.07.2020, 16:13 Uhr

John Isner und Nicolas Mahut haben für ihr Erstrunden-Drama im Jahr 2010 den Eintrag in den Rekordbüchern dieser Welt sicher. Aber auch Schiedsrichter Mohamed Lahyani musste Ausdauer-Arbeit leisten./

Obwohl anfangs alles noch wie ein normaler Arbeitstag schien. "Zwei beide in den Sätzen, das passiert oft. Und in Wimbledon wird oft wegen Dunkelheit abgebrochen", erinnerte sich Lahyani dieser Tage im Gespräch mit der ATP. Kurz bevor er dann am nächsten Tag auf den Platz gekommen sei, habe er einen Anruf seiner Frau Mariam erhalten, die sich in Marokko aufhielt. "Meine Frau hat mich angerufen und sagte mir, es gibt spezielle News: 'Es ist ein Junge!'" Lahyani habe geantwortet: "Ich bringe noch mein Match zu Ende. Dann sprechen wir." Sie habe dann für mehr als sieben Stunden warten müssen. Und nicht mal das Match gesehen, nicht realisiert, dass ihr Mann ein historisches Event begleite. 

"Teamwork", sagt Lahyani über das 11-Stunden-Match

Der Schwede legt wert darauf, jedes Match gleich zu behandeln, wie er weiterhin erklärte. "Die Leute denken immer an die Finalspiele. Aber es muss kein Finale sein, um ein großes Match zu werden." Er sage jungen Schiedsrichtern immer: "Ihr müsst alle Matches gleuch behandeln." Das Finale könne oft das einfachste Spiel zum Schiedsen sein, "die meisten harten Spiele finden in Runde 1 statt."

Bemerkenswert sei auch gewesen, dass es in den 11 Stunden und 5 Minuten keine bemerkenswerte Diskussion gegeben habe. "Teamwork", so Lahyani. Er selbst habe sich stets, wenn ein Spieler den Ball zum Aufschlag habe aufspringen lassen, gesagt: Mohamed, konzentriere dich! Du willst das Match nicht nach so langer Zeit zu Ende bringen und etwas Dummes tun." Auch das erkläre er seinen jungen Kollegen oft: dass man sich das gesamte Match lang fokussieren müsse. "Dieses Spiel war das perfekte Beispiel. Wenn man die Konzentration für eine Milli-Sekunde verliert, kann man das gesamte Match zerstören."

Ein ganz besonderer Moment: als Mahut ein Ass zum 50:50 geschlagen und es Standing Ovations gegeben habe. Gefühlt habe diese mehrere Minuten gedauert, "die Spieler mussten den Zuschauern sagen, dass sie sich beruhigen." Nach dem Spiel habe Isner ihn übrigens gefragt: "Mohamed, du musstest kein einziges Mal auf Toilette, wie kam das?" Er sei ganz einfach so konzentriert auf das Spiel gewesen, dass er gar nicht an Essen oder Trinken gedacht habe, so der 54-Jährige rückblickend.  

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von Florian Goosmann

Montag
06.07.2020, 10:10 Uhr
zuletzt bearbeitet: 06.07.2020, 16:13 Uhr