Talentsuche: 5 junge Spieler, die man auf dem Radar haben sollte

Wir kennen Jannik Sinner, Carlos Alcaraz und Holger Rune. Doch wer könnte dieses Trio in Zukunft sprengen?

von Marco Kühn
zuletzt bearbeitet: 08.10.2023, 16:04 Uhr

Jakub Mensik im tschechischen Davis-Cup-Trikot
© Getty Images
Jakub Mensik im tschechischen Davis-Cup-Trikot

Es gibt viele junge Spieler, die bereits beachtliche Ergebnisse erzielt haben. Nicht nur auf der kleineren ITF-Tour. Einige dieser sehr jungen Spieler haben sogar auf ATP-Level erste Fußabdrücke auf der roten Asche hinterlassen.

Wer diese Spieler sind und wer von ihnen wirklich das Potenzial hat, ganz nach vorne zu kommen, das werden wir in den kommenden Zeilen etwas näher unter die Tennislupe nehmen.

Wer gilt überhaupt als “Talent”?

Dieser Artikel kümmert sich um die wirklich jungen Spieler. Stefanos Tsitsipas ist kein junges Talent mehr. Daher beleuchten wir ausschließlich Spieler aus den Jahrgängen 2002 - 2005.

Es gibt derzeit eine große Menge von sehr jungen Spielern, die interessant sind. Leider konnte Brandon Nakashima seinen Erfolg bei den Next-Gen-Finals noch nicht auf dem höchsten Level bestätigen. Dafür kam aber Matteo Arnaldi, der zuvor eher unter dem Radar sein Racket schwang, mit tollem Tennis im Stile eines Novak Djokovic 2.0 um den Netzpfosten.

Neben diesen beiden Young-Guns schauen wir uns jetzt den ersten jungen Spieler an, den du auf dem Radar haben solltest.

#1 Dino Prizmic

Der Dino kam am 05. August 2005 zur Welt. Mit 17 Jahren holte er seinen ersten Sieg auf der ATP-Tour. In Umag schlug er in diesem Jahr den ebenfalls jungen Duje Ajdukovic glatt mit 6:1 und 6:2. Erst in der dritten Runde war gegen den starken Alex Popyrin knapp mit 6:7 und 5:7 Schluss. Dino gewann in diesem Sommer die French Open der Junioren und dazu das Challenger-Event in Banja Luka. Bei seinem French Open Triumph gab er nur einen einzigen Satz ab.

Im Jahre 2022 raste Dino durch die ITF-Tour. Er gewann unter anderem 15 Matches in Serie und war quasi konkurrenzlos auf dieser Ebene. 

Obwohl er noch sehr jung ist, hat er bereits beachtliche Entwicklungen in seiner Spielweise gemacht. Im Jahr 2022 war Dino Prizmic noch sehr passiv. Er war mehr darauf aus, die Kugel im Spiel zu halten, als selbst zu attackieren. Im Verlauf des Jahres 2023 stellte er seine Spielweise ein Stückchen um. Er spielt immer noch sehr gerne und sehr stark aus der Defensive. Aber er hat gelernt, dann zu attackieren, wenn sich die Möglichkeit bietet. Er spielt seine Vorhand - vor allem aus der Mitte des Platzes heraus - aggressiv, mit Power.

Wohin die Reise gehen soll, das sagte Dino selbst nach seinem Triumph bei den French Open: “Der Titelsieg bei den Junioren in Roland Garros reicht nicht aus!”.

Dino Prizmic ist Stand Oktober 2023 die Nummer 168 der Weltrangliste.

#2 Pablo Llamas Ruiz

Pablo wurde am 13.10.2002 geboren. Der junge Spanier gewann im Jahr 2023 das Challenger-Turnier in Segovia und stand dazu im Finale des Challenger-Events von Vicenza. Llamas Ruiz ist mit 1,88 m groß gewachsen, schlägt gut auf und besitzt ein durchdachtes Schlagrepertoire in seinem Grundlinienspiel.

Er mag es, den Rückhand-Slice einzusetzen, das Tempo aus den Ballwechseln zu nehmen und strategisch zu spielen. Seine Spielanlage ist noch etwas passiv. Zu seinen Stärken gehört die starke Vorhand, aber auch seine beidhändige Rückhand aus dem Lauf heraus. 

Llamas Ruiz konnte in diesem Jahr einige vor ihm platzierte Spieler schlagen. So gewann er in Lyon gegen Quentin Halys. Er schlug den starken, jungen Italiener Luca Nardi sowie den Australier Max Purcell.

In der zweiten Qualifikationsrunde bei den US Open verlor er denkbar knapp mit 6:7 (11:13 im Tiebreak!) im dritten Satz gegen Dominic Stricker. Gegen den Kerl, der später im Hauptfeld Stefanos Tsitsipas schlug und erst in der vierten Runde an Taylor Fritz scheiterte.

Pablo Llamas Ruiz ist Stand Oktober 2023 die Nummer 132 der Weltrangliste.

#3 Jakub Mensik

Jakub Mensik wurde am 01.09.2005 geboren und ist gerade 18 Jahre jung geworden. Der junge Tscheche ist vielleicht der beste und interessanteste Mann in diesem Artikel.

Mensik sorgte bei den diesjährigen US Open für Furore. Er spielte sich durch die Quali ins Hauptfeld und schlug dort in der ersten Runde die Nummer 73 der Weltrangliste Gregoire Barrere. Damit war aber noch nicht genug. Mensik gewann auch die zweite Runde gegen den jungen Franzosen Droguet und scheiterte erst in Runde drei an dem Lokalmatadoren Taylor Fritz.

Dieser Run war allerdings keine allzu große Sensation.

Denn Jakub Mensik siegte sich zuvor durch die ITF-Tour. Den Sprung von der kleineren auf die größere Challenger-Tour schaffte er mit einem Triumph beim Heim-Challenger in Prag. Dort schlug er im Finale übrigens Dominik Köpfer.

Es ist selten, dass ein junger Spieler mit 17 Jahren ein ITF-Turnier gewinnt, im Anschluss ein Challenger-Turnier siegreich bestreitet und anschließend die dritte Runde eines Grand-Slam-Turniers erreicht. Da ist kein Zufall mehr am Werk.

Jakub Mensik ist mental vielen in seinem Alter meilenweit voraus. Er weiß um seine Stärken. Dazu gehört ein enorm guter Aufschlag und ein extrem solides Grundlinienspiel. Ihm fehlt in manchen Situationen noch der absolute Killerinstinkt. Eines seiner Vorbilder ist der großartige Tomas Berdych. Eventuell kann Jakub sich von dessen Spielweise für die Zukunft etwas abschauen. Was spielerisch noch nicht da ist, ist allerdings im Kopf bereits da. Er kann Rückschläge in einem Match unglaublich gelassen wegstecken. Er wird auf dem Platz nie zu negativ, aber auch nie zu euphorisch.

Daher war es auch nicht allzu verwunderlich, dass Mensik nach seinem US-Open-Run im Davis Cup den starken Dusan Lajovic schlug. Glatt mit 6:3 und 6:2.

Das ist ein Mann, den man ganz genau beobachten sollte.

Jakub Mensik ist Stand Oktober 2023 die Nummer 151 der Weltrangliste. Er begann das Jahr 2022 als Nummer 1881.

#4 Alex Michelsen

Alex wurde am 25.08.2004 geboren und ist 19 Jahre jung.

Ähnlich wie die anderen Young-Guns aus diesem Artikel verlief sein Sprung von der ITF-Tour auf die Challenger-Tour rasant. Ebenso rasant ging es dann auch weiter.

Im Juli 2023 gewann Alex das Challenger-Turnier in Chicago. Dort stoppte er unter anderem Kei Nishikori in drei Sätzen. Anschließend ging es für Michelsen nach Newport, wo er beim ATP-Event bis ins Finale kam und dort erst gegen den starken Adrian Mannarino verlor.

Im Verlauf seines Runs schlug Michelsen Spieler wie Maxime Cressy, Mackenzie McDonald und John Isner.

Alex spielt ein sehr aggressives, humorloses und schnörkelloses Tennis. Er besitzt echte Waffen in seinem Spiel, die er in jedem Ballwechsel einsetzen will. Er spielt eine harte Vorhand, serviert sehr stark und ist der Spieler auf dem Platz, der auf die Punkte geht. Dafür ist er nicht der schnellste und beweglichste Spieler auf der Tour. Sein aggressives Spiel ist in manchen Phasen fehleranfällig. Wenn er aber trifft, dann scheppert`s.  

Seine Spielweise ist auf schnelle Hartplätze und Rasen ausgelegt. Kann Alex Michelsen sein Spiel auch langsameren Belägen anpassen, so ist er definitiv ein Mann, auf den man achten sollte.

Alex Michelsen ist Stand Oktober 2023 die Nummer 110 der Weltrangliste.

#5 Luca van Assche

Luca wurde am 11.05.2004 geboren und ist 19 Jahre jung.

Luca gehört zur Fraktion der starken, jungen Franzosen. Sein Kumpel Arthur Fils könnte ebenfalls problemlos in diesem Artikel auftauchen. Beide spielen aber ein sehr unterschiedliches Tennis. Luca van Assche besitzt nicht nur äußerlich Ähnlichkeiten mit dem großartigen Lleyton Hewitt. Auch die Spielanlage ist sehr ähnlich. Van Assche baut die Punkte auf, spielt teilweise Schach im Ballwechsel und besitzt eine unglaubliche Sicherheit in seinem Grundlinienspiel. Aufgrund seiner Technik ist sein Spiel schön anzuschauen und er hebt sich mit seinen runden Bewegungen bei Vor- und Rückhand enorm von anderen Spielern ab.

Luca ist sehr gut zu Fuß, enorm beweglich und besitzt leider noch keine echte Waffe in seinem Spiel, mit der er Ballwechsel abschließen kann. Eben wie Lleyton Hewitt früher. Ein erstes echtes Ausrufezeichen setzte van Assche in diesem Jahr in Banja Luka. Da nahm er keinen geringeren als Novak Djokovic einen Satz ab. Zuvor schlug er Stan Wawrinka.

Van Assche schaffte schnell den Sprung von der Challenger- auf die ATP-Tour. Er hangelte sich in der Weltrangliste rasch nach oben, so dass er mit seinen jungen Jahren in viele Turniere reinkommt. Durch sein sicheres Spiel ist er schwer zu schlagen und die Gegner müssen viel aufwenden, um gegen ihn zu gewinnen. Wenn Luca es mit seinem Trainerteam schafft, echte Waffen für sein Spiel zu kreieren, dann ist der nächste Sprung nicht weit entfernt.

Luca van Assche ist Stand Oktober 2023 die Nummer 66 der Weltrangliste.

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von Marco Kühn

Montag
09.10.2023, 11:38 Uhr
zuletzt bearbeitet: 08.10.2023, 16:04 Uhr