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US Open: "Wer auf dieses Finale getippt hätte, hätte ein Vermögen verdienen können"

Das Damenturnier bei den US Open 2021 hat ein absolutes Sensations-Endspiel hervorgebracht. Die beiden Teenager Emma Raducanu und Leylah Fernandez haben in den vergangenen 14 Tagen die Tenniswelt auf den Kopf gestellt. 

von Jörg Allmeroth
zuletzt bearbeitet: 10.09.2021, 14:35 Uhr

Emma Raducanu und Leylah Fernandez stehen sensationell im US-Open-Finale
Emma Raducanu und Leylah Fernandez stehen sensationell im US-Open-Finale

Auf Platz 11 des Billie Jean King Tennis Centers waren am 25. August noch keine Zuschauer zu Gast, als Emma Raducanus US Open-Mission ziemlich diskret begann. Sie gewann an diesem Mittwoch nahezu unbeobachtet ihr erstes Qualifikationsspiel gegen die Niederländerin Bibiane Schoofs in zwei glatten Sätzen. Zweieinhalb Wochen später ist Raducanu nun aber immer noch im Big Apple beschäftigt, nie in der Geschichte der Major-Turniere hat eine Titelkampagne länger gedauert als bei der 18-jährigen Britin, die als allererste Starterin überhaupt in der Tenniswelt das Kunststück geschafft hat, sich von der Qualifikation bis ins Finale durchzukämpfen. „Es ist ein Schock. Das ist absolut verrückt“, sagte Raducanu völlig zu Recht, als sie am späten Donnerstagabend ihre Halbfinalpartie gegen die Griechin Maria Sakkari mit 6:1 und 6:4 gewonnen hatte. 

Vor vollem Haus wird Raducanu (18) nun am Samstag in einem unwahrscheinlichen Teenagerinnen-Endspiel auf die 19-jährige Kanadierin Leylah Fernandez treffen (7:6, 4:6, 6:4 gegen Sabalenka/Belarus). Dieses Pokalduell ist nicht etwa eine Sensation, weil hier die Nummer 150 der Weltrangliste (Raducanu) gegen die Nummer 73 antreten wird. Sondern weil dieses Finale die zwei mit Abstand besten, couragiertesten, nervenstärksten und kreativsten Spielerinnen eines spektakulären Turniers zusammenführt – zwei junge Frauen, die wieder und wieder auftraten, als gehörten sie seit vielen Jahren zur Elitegruppe der Szene. Wenn Raducanu und Fernandez den Protagonistinnen des letzten Teenagerinnen-Finales im Big Apple folgen, Serena Williams und Martina Hingis im Jahr 1999, kann sich der Wanderzirkus noch auf einiges gefaßt machen. „Es war ein unglaublicher Spaß mit den beiden bisher“, sagte Billie Jean King, die Begründerin des modernen Frauentennis, „dieses Turnier geht schon jetzt herausragend in die Geschichte unseres Sports ein.“

Fernandez kegelt Favoritinnen raus

Vor den US Open 2021 war noch über die Abwesenheit der großen Namen geklagt werden, über den sich abzeichnenden, eher traurigen Abschied von den langjährigen Helden und Heldinnen – Roger Federer, Rafael Nadal und die beiden Williams-Schwestern Serena und Venus, prägende Figuren in New York und anderswo, hatten allesamt wegen Verletzungen ihren Start abgesagt. Aber die etwas wehmütige Stimmung vor den Ausscheidungsspielen in Flushing Meadows verflog schnell, auch und gerade wegen der Blutauffrischung, die niemand mehr als Fernandez und Raducanu verkörperten. Raducanu rauschte von der Einsamkeit ihrer Bewerbungsmatches, ausgetragen an der Peripherie des Grand Slam-Geländes, hinein ins Rampenlicht des größten Tennisstadions der Welt, der Arthur Ashe-Arena, in drei Qualifikations- und sechs Hauptfeldspielen gab sie noch keinen einzigen Satz ab. „Wenn man so jung ist, hat man einen Vorteil: Man denkt nicht so viel über alles nach. Über das, was man verlieren könnte“, sagt die 18-jährige, die in Kanada als Kind eines rumänischen Vaters und einer chinesischen Mutter geboren wurde und als Zweijährige mit den Eltern nach England umzog.

Fernandez, geboren als Kind eines ecuadorianischen Vaters und einer philippinischen Mutter, ging in New York einen noch härteren, aber ebenso konsequenten Weg ins Pokalmatch. Sie musste zwar nicht in die Qualifikationsmühsal, aber im Hauptfeld türmten sich erstklassige Gegnerinnen gleich reihenweise auf. Doch wer immer auch versuchte, die junge Kanadierin auszubremsen, scheiterte mehr oder weniger eindrucksvoll – Naomi Osaka, die Titelverteidigerin, blieb auf der Strecke. Dann Angelique Kerber, die US Open-Königin von 2016. Dann Elina Switolina, die Nummer 5 der Weltrangliste. Und schließlich im Halbfinale auch Aryna Sabalenka, die Nummer 2 der Hackordnung. „Meine Einstellung ist: Ich kann alles schaffen, was ich mir vornehme. Es gibt keine Grenze, wenn ich an mich glaube“, sagt die 19-jährige.

Vor drei Jahren begegneten sich Fernandez und Raducanu noch in der zweiten Runde des Juniorinnen-Wettbewerbs von Wimbledon (Raducanu gewann in zwei Sätzen), nun kämpfen sie beiden um den Grand Slam-Sieg in New York. „Es ist eine absolut verrückte Geschichte. Wer auf dieses Endspiel getippt hätte, hätte ein kleines Vermögen verdienen können“, sagt Chris Evert, die amerikanische Tennislegende.

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von Jörg Allmeroth

Freitag
10.09.2021, 17:10 Uhr
zuletzt bearbeitet: 10.09.2021, 14:35 Uhr