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Weinendes Ballmädchen & Bestechungsvorwürfe – Disqualifikationen in Wimbledon

Beim Wimbledonturnier 1995 ging es äußerst kurios zu.

von tennisnet.com
zuletzt bearbeitet: 27.06.2016, 16:11 Uhr

29 JUN 1995: TIM HENMAN OF GREAT BRITAIN KISSES WIMBLEDON BALLGIRL CAROLINE HALL ON THE CHEEK AT A PRESS PHOTOCALL AT THE 1995 WIMBLEDON TENNIS CHAMPIONSHIPS. HENMAN ACCIDENTLY HIT CAROLINE HALL WITH A BALL DURING HIS DOUBLES MATCH WITH JEREMY BATES...

Das Wimbledonturnier 1995 sorgte gleich doppelt für Negativschlagzeilen – und das binnen weniger Stunden. Tim Henman, weltbekannt als „Gentleman“ im Tennis wurde in der ersten Runde in der Doppelkonkurrenz disqualifiziert. Der Brite, damals 20 Jahre alt, spielte an der Seite von Landsmann Jeremy Bates gegen das Duo Henrik Holm (Schweden) und Jeff Tarango (USA). Im vierten Satz im Tiebreak bei einer 2:1-Satzführung für die Briten geriet Henman in Rage und feuerte nach einem Punktverlust den Ball weg – und traf damit unglücklich das Ballmädchen Caroline Hall am Kopf, die daraufhin in Tränen ausbrach. Henman wurde wegen dieser Szene nach einigen Diskussionen wegen unsportlichen Verhaltens disqualifiziert.

„Es war ein Unfall, aber ich bin verantwortlich für meine Aktionen“, sagte Henman auf der Pressekonferenz. Einen Tag später gab es ein Wiedersehen zwischen Henman und dem Ballmädchen. Der Brite bat die 16-Jährige auf dem Platz mit einem Blumenstrauß um Entschuldigung und gab ihr ein Versöhnungsküsschen. Damit ist die Geschichte aber noch nicht auserzählt. Tarango meinte, dass die Geschwindigkeit des Balles das Ballmädchen hätte töten können. „Ich stimme dem nicht zu. Wenn sie nicht da gewesen wäre, bin ich mir sicher, dass ich nicht mal eine Verwarnung wegen Ballwegschlagens bekommen hätte“, meinte Henman auf die Anschuldigung seines Gegners. Zwei Tage später rückte Tarango selbst in den Mittelpunkt, in einem Match, wo kurioserweise Caroline Hall als Ballmädchen im Einsatz war.

Tarango beschuldigt Bruno Rebeuh als „korruptesten Offiziellen”

Und da wären wir dann auch schon bei Tarango, der beim Wimbledonturnier 1995 das Gesprächsthema Nummer eins war. Der US-Amerikaner disqualifizierte sich in der dritten Runde gegen den Deutschen Alexander Mronz selbst, indem er wütend den Platz verließ – ein Novum in der Grand-Slam-Geschichte. Was war passiert? Tarango schlug bei 6:7,-1:2-Rückstand ein Ass. Doch Schiedsrichter Bruno Rebeuh ließ den Ballwechsel aufgrund eines Aus-Rufs des Linienrichters wiederholen. Die wütenden Proteste des US-Amerikaners halfen nicht weiter. Als es wieder weitergehen sollte, rief Tarango nach Beschwerden aus dem Publikum über Spielverzögerung ein „Haltet den Mund“ den Zuschauern zu. Rebeuh verwarnte daraufhin Tarango, der nun vollends seine Fassung verlor. Der US-Amerikaner verlangte nach dem Oberschiedsrichter, um seine Beschwerde loszulassen. Als dieser die Entscheidung nicht rückgängig machte und Tarangos Forderung nach einem Austausch des Schiedsrichters zurückwies, beschuldigte Tarango Rebeuh als „korruptesten Offiziellen im Spiel“.

Tarango kassierte die zweite Verwarnung und einen Punktverlust, der gleichzeitig der Spielgewinn für Mronz war. Das war dann alles zu viel für den US-Amerikaner, der seine Tasche packte, wutentbrannt den Platz verließ und sich damit selbst disqualifizierte. Anschließend ging die Geschichte aber noch weiter, als Tarangos Frau Benedicte Rebeuh auf dem Weg in die Katakomben zwei Ohrfeigen verpasste. „Der Typ hat eine Lektion verdient. Er kann alles machen, was er will, weil er auf dem Stuhl sitzt. Die Spieler haben keine Chance, sich zu verteidigen“, rechtfertige Benedicte Tarango ihre Ohrfeigen auf der Pressekonferenz. Tarango wiederholte dort ebenfalls seine Bestechungsvorwürfe gegenüber Rebeuh. Der US-Amerikaner wurde von der ITF zunächst zu einer Strafe von 63.000 US-Dollar und einem zweijährigen Ausschluss bei Grand-Slam-Turnieren verurteilt. Kurz darauf verringerte die ITF das Strafgeld auf 20.000 US-Dollar und Tarango wurde nur für das Wimbledonturnier 1996 ausgeschlossen. Der US-Amerikaner lernte aus diesem Vorfall und blieb bis zu seinem Karriereende 2003 ohne größere Ausraster.

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27.06.2016, 16:11 Uhr