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Wimbledon 2022: In Nick Kyrgios lodert (endlich) das Feuer

Nick Kyrgios verpasste in Wimbledon zwar den Titel, zeigte im Südwesten Londons aber großartiges Tennis. Nicht zum ersten Mal in diesem Jahr. Eine kommentierende Analyse zum australischen Enfant terrible.

von Nikolaus Fink
zuletzt bearbeitet: 11.07.2022, 18:28 Uhr

Nick Kyrgios musste sich Novak Djokovic in vier Sätzen geschlagen geben
© Getty Images
Nick Kyrgios musste sich Novak Djokovic in vier Sätzen geschlagen geben

Der Grat zwischen Genie und Wahnsinn, er ist bei keinem Tennisspieler dieser Welt so schmal wie bei Nick Kyrgios. Mal verzaubert der Australier die Zuschauer mit Weltklasseschlägen en masse, nur um Sekunden später wieder absolut unverständliche Entscheidungen zu treffen und die Schuld in seiner Box zu suchen.

Auch im Wimbledon-Finale gegen Novak Djokovic präsentierte Kyrgios der Weltöffentlichkeit sein breites Portfolio: Schimpftiraden auf der einen, Tweener auf der anderen Seite. Keine Frage: Wer Fan des Weltranglisten-45. ist, benötigt ein beneidenswertes Nervenkostüm. 

Kyrgios bleibt fokussiert

Im Unterschied zu zahlreichen Auftritten in der Vergangenheit brachte sich Kyrgios in Wimbledon diesmal jedoch nicht selbst aus der Bahn. Nicht in der ersten Runde gegen den furios aufspielenden Briten Paul Jubb und auch nicht im so emotionalen Drittrundenmatch gegen Stefanos Tsitsipas. Im Endspiel war es letztlich schlicht und ergreifend Djokovics Extraklasse, die den Ausschlag zugunsten des langjährigen Weltranglistenersten gab.

"Er ist eine Art Gott. Ich denke, ich habe ganz gut gespielt", sagte Kyrgios bei der Siegerehrung. Als Manko machte der 27-Jährige in der abschließenden Pressekonferenz seine fehlende Kaltschnäuzigkeit bei den wichtigen Punkten aus. So etwa bei vier Breakbällen, als Djokovic in Durchgang zwei auf den Satzausgleich servierte oder im Tiebreak, in dem Kyrgios zu einfache Fehler unterliefen.

Am verpassten Titel sah Kyrgios jedoch auch etwas Positives: "Ich habe das Gefühl, hätte ich diesen Grand Slam gewonnen, hätte mir etwas die Motivation gefehlt. Mir wurde mein ganzes Leben lang eingeredet, dass ein Wimbledonsieg die ultimative Leistung sei." Dennoch fokussiert zu bleiben, wäre sicher mühevoll geworden, so der Australier weiter.

Kyrgios war immer schon ein Spieler, der es liebte, in den größten Stadien gegen die besten Spieler anzutreten. Zum Verhängnis wurden dem 27-Jährigen oftmals die vermeintlich leichteren Gegner, Pflichtsiege gab es für den so hochtalentierten Mann aus Canberra nicht. Auch deswegen, weil der Australier abseits des Platzes nicht zur Ruhe kam. Doch das änderte sich für Kyrgios offenbar durch die Umstellung seines Teams: "Ich habe in diesem Jahr viele tolle Menschen kennengelernt, die mich zusätzlich motiviert haben."

Kyrgios gewinnt an Konstanz

"Ich habe das Gefühl, dass mein Feuer das ganze Jahr über lodert", führte Kyrgios weiter aus und spielte damit auf seine starken Leistungen in der laufenden Saison an. Und tatsächlich hat der 27-Jährige - das zeigen die durchwegs guten Ergebnisse - in dieser Spielzeit ein neues Asset in sein Spiel aufgenommen: Konstanz.

Ob Kyrgios in den kommenden Wochen und Monaten ähnlich herausragende Leistungen wie in Wimbledon auf den Platz bringen kann, darf dennoch zumindest angezweifelt werden. Denn dafür waren die Gefühlsschwankungen des 27-Jährigen in der Vergangenheit einfach zu groß. Eines ist jedoch klar: Ein ähnlich motivierter Nick Kyrgios wie in den vergangenen zwei Wochen ist für den Tennissport ein großer Gewinn.

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von Nikolaus Fink

Montag
11.07.2022, 17:35 Uhr
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