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Wimbledon: Die Aufschlag-Volley-Spieler sind auf ein Zehntel geschrumpft

Vor zwei Jahrzehnten einmal konnte man in Wimbledon im Grunde nur mit einer gepflegten Aufschlag-Volley-Kombination gewinnen. Aktuell stellt diese Variante nur noch eine winzige Nuance im Rasentennis dar.

von Jens Huiber
zuletzt bearbeitet: 10.11.2021, 10:04 Uhr

Goran Ivanisevic an seinem größten sportlichen Tag 2001
© Getty Images
Goran Ivanisevic an seinem größten sportlichen Tag 2001

2001, da lassen wir keine zwei Meinungen zu, hat Wimbledon das stimmungsvollste Endspiel der Männer aller Zeiten und Welten erlebt. Und das an einem Montag! Oder aber besser: natürlich an einem Montag! Denn da kamen plötzlich Fans zum Zug, die es mit der Etikette (und Festtagskleidung!) im altehrwürdigen All England Lawn Tennis Club nicht ganz so bierernst nahmen - und darob Pat Rafter und dem Champion Goran Ivanisevic jene Art von Unterstützung zukommen haben lassen, die die beiden von vielen Davis-Cup-Schlachten kannten.

Ach, Goran. Ach, Pat. Lange Ballwechsel waren deren Sache nicht, die Bälle und der Rasen anno 2001 gaben das in Wimbledon auch nicht her. Kein Wunder also, dass in jenen glorreichen Zeiten 37 der Punkte via Serve-an-Volley-Variation eröffnet wurden. Das hat der britische Journalist Nick Lester kürzlich auf Twitter dokumentiert, ebenso wie den Umstand, dass der betreffende Wert im aktuellen Jahr nur noch bei vier Prozent liegt, etwas mehr als ein Zehntel des Wertes von 2001.

Woran das liegt? Sicherlich nicht nur daran, dass Feliciano Lopez in Runde eins an Daniel Evans gescheitert ist und Mischa Zverev und Sergyi Stakhovsky gar nicht am Start waren.

Lopez, Federer, Zverev - die Serve-and-Volley-Spieler werden alt

Tatsächlich sind diese drei Spieler aber die ersten aktuellen Kandidaten für das gepflegte Aufschlag-Volley-Spiel. Mit der nicht unerheblichen Ergänzung, dass der 40-jährige Lopez wohl nicht mehr lange mitgeigen wird und Mischa Zverev vor lauter anderen Verpflichtungen kaum noch zu Trainieren kommt. Roger Federer könnte natürlich auch nach seinem Service ans Netz stürmen, tut dies aber nicht mehr in der Häufigkeit wie noch in den jungen Jahren. Und ob überhaupt noch einmal, wird sich 2022 weisen.

Zverev, der Ältere, hat den Trend zum Grundlinien-Gehämmere in Wien gegenüber tennisnet.com erläutert: Die Bälle würden immer langsamer werden, die Spieler aber immer schneller schlagen, als Volley-Artist bleibe kaum noch Zeit, um zu reagieren.

Dass die Variante, dem Aufschlag ans Netz zu folgen, als Überraschungselement taugt, hat Novak Djokovic erst vergangene woche in Paris-Bercy bewiesen. Aber natürlich fühlt sich auch Nole, regierender Champion von Wimbledon, an der Grundlinie wohler. Wer aber wirklich konsequent auf Serve-and-Volley setzt, der kann auch heutzutage noch Großes leisten. Frag nach bei Taylor Townsend, die 2019 gegen Simona Halep ihren Zweitwohnsitz einen Meter vor der Netzkante aufgeschlagen hatte. Allerdings bei den US Open, die mittlerweile fast als schneller zu bespielen gelten als die Plätze in Wimbledon. Auch eine Sache, die es zu Zeiten von Ivanisevic und Rafter nicht gegeben hätte. Allerdings: Der Australier konnte in New York sein offensives Spiel zu einem erfolgreichen Ende führen. Und gewann dort 1997 und 1998 den Titel.

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von Jens Huiber

Mittwoch
10.11.2021, 11:45 Uhr
zuletzt bearbeitet: 10.11.2021, 10:04 Uhr

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