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Experten sind sich einig – Roger Federer hat noch Großes vor

Trotz seiner bitteren Niederlage blicken John McEnroe, Boris Becker und Co. positiv in Roger Federers Zukunft.

von tennisnet.com
zuletzt bearbeitet: 09.07.2016, 13:53 Uhr

LONDON, ENGLAND - JULY 08: Roger Federer of Switzerland plays a backhand during the Men's Singles Semi Final match against Milos Raonic of Canada on day eleven of the Wimbledon Lawn Tennis Championships at the All England Lawn Tennis and Croquet Clu...

Von Jörg Allmeroth aus London

In der spätabendlichen TV-Plauderstunde der alten Tante „BBC“ waren sich zwei der großen Champions der Vergangenheit komplett einig – und zwar, als es in der Kultsendung „Today at Wimbledon“um das bittere Ausscheiden des Rekord-Rasenmeisters Roger Federer ging. John McEnroe und Boris Becker, erbitterte Gegner von einst, sprachen dem im Halbfinale abservierten Eidgenossen nicht nur Anerkennung und Respekt für ein „ganz starkes Wimbledon“ (Becker) und einen „fast unerwartet guten Auftritt in dieser schweren Saison“ (McEnroe) aus. Das Duo befand ebenso unisono, Federer habe in dieser Saison und für den Rest seiner Karriere „noch manche Überraschung im Gepäck“ (Becker). McEnroe, der Berater von Federer-Bezwinger Raonic, wiederholte sogar seine bereits bei anderen TV-Kanälen geäußerte Prognose, „dass Roger immer noch die Macht und Klasse in sich hat, einen Major-Titel zu holen.“

Finalsonntag ohne Federer, Nadal und Djokovic

Wie auch immer: Wimbledon musste sich nach dem dramatischen Abgang seines geliebten Gastes aus der Schweiz erst einmal an einen Finalsonntag ohne ihn, aber auch ohne den zuletzt fast abonnementmäßigen Endspielteilnehmer Novak Djokovic gewöhnen.Andy Murray, der Lokalmatador, schaue wohl etwas verblüfft auf eine Situation, in der ihm im letzten Tennis-„Fall für Zwei“ nicht einer der beiden Großmeister gegenüberstehe,sondern Aufschlag-Kanonier Raonic, befand die „New York Times“. In den letzten 14 Spieljahren, also seit Federer 2003 seine Macht-Epoche hier eröffnet hatte, war das sowieso nur einmal der Fall gewesen – kein Federer, kein Djokovic im Finale: 2010 nämlich, da hatten sich Rafael Nadal und Tomas Berdych gegenübergestanden.

Federer weit über dem Soll

Während Federer noch immer den Frust des späten Umschwungs im Match gegen Ballermann Raonic verdauen musste („Ich bin traurig und ärgerlich zugleich“), schätzten Experten wie etwa der Engländer Tim Henman seine Gesamtperformance hier als „Mut machend“ und „aufbauend für den Rest des Jahres“ ein: „Wenn man bedenkt, was Roger in dieser Saison erlebt hat, dann lag er weit über Soll“, sagte der frühere Spitzenmann von der Insel. Zwar sei Federer „abgeschossen worden von den Monsteraufschlägen Raonics“, so Australiens gerade in den Ruhestand getretener Profi Lleyton Hewitt, „aber ich verspreche jedem: Roger hat noch Großes vor sich. Es ist Blödsinn, wenn ihm jetzt irgendwer den Rückzug empfehlen würde.“

Verletzung am Bein noch unklar

Schon gar nicht nach einem Wimbledon-Jahrgang, in dem Federer die emotionalen Highlights gesetzt hatte, die erinnerungswürdigen Momente:Erst mit dem hollywoodreifen Rendezvous mit dem Nobody Marcus Willis, der Nummer 772 der Weltrangliste. Dann mit dem Riesen-Comeback in der Partie gegen den Kroaten Marin Cilic. Und schließlich auch im verlorenen Krimi gegen Raonic, der auch im Gedächtnis haften bleiben wird, weil der Artist Federer einen unglücklichen Stolperer hinlegte wie nie zuvor in seiner Laufbahn. „So bin ich noch nie gefallen“, sagte Federer selbst, er wusste, dass dies auch eine Szene, ein Bild sein würde, das fast ikonischen Charakter hatte. Ob sich Federer dabei nun auch nicht nur weh getan hatte („Es fühlte sich danach nicht mehr gleich an im Bein“), sondern auch verletzt war, das blieb vorerst offen.

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Samstag
09.07.2016, 13:53 Uhr