13 Dinge, die man 2023 nicht auf dem Tennisplatz tun sollte

Die Saison 2023 hat begonnen. Der Tennis-Insider Marco Kühn listet 13 Dinge auf, die ihr in diesem Jahr auf dem Platz vermeiden solltet.

von Marco Kühn
zuletzt bearbeitet: 06.01.2023, 13:30 Uhr

Nicht nur für Alexander Zverev gibt es Fragezeichen
© Getty Images
Nicht nur für Alexander Zverev gibt es Fragezeichen

Sind wir nicht alle ein bisschen Zverev? Ähnlich wie unsere Nummer eins gehen viele Clubspieler mit Fragezeichen auf dem Schläger in die Saison 2023. In diesem Artikel möchte ich mit dir 13 Punkte durchgehen, die du auf dem Platz in diesem Jahr vermeiden solltest. Der schlaue Spieler lernt von den Fehlern anderer Spieler - nicht nur aus seinen eigenen. Das ermöglicht dir eine flottere Entwicklung. 

Lass uns schauen, wie du dein Tennis in diesem Jahr auf das nächste Level bringen kannst.

1) Lange über einen Fehler ärgern

Bei 3:4 und 30:30 verlegst du die so einfache Vorhand aus dem Halbfeld um drei Zentimeter neben die Seitenlinie. Du packst dein Racket am Schlägerherz und würdest es am liebsten auf die T-Linie schmettern. Während du dich über diesen einen Fehler ärgerst, fliegen die nächsten Minuten des Matches komplett an dir vorbei.

Du verlierst den Satz mit 3:6.

Es ist immer besser, Fehler schnell abzuhaken, als sich an einem Fehler lange hochzuziehen.

2) Horrorszenarien vor einem Match im Kopf malen

Bereits die alten Philosophen wie Seneca wussten, dass der Mensch am meisten in seiner eigenen Imagination leidet. Beim Tennis gilt diese Erkenntnis umso mehr. Viele Spieler haben das Match bereits verloren, bevor sie überhaupt im Auto zur Tennisanlage sitzen.

Was kann hier helfen?

Male eine Komödie oder einen Actionfilm in deinen Gedanken. Gehe emotionale Ballwechsel durch. Stelle dir vor, wie du deinen Gegner rechts-links über den Platz jagst, um mit einer Vorhand kurz-cross den Punkt abzuschließen. Du bereitest deinen Geist mit diesen simplen mentalen Werkzeugen besser auf die Turniersituation vor.

3) Schubsen statt schlagen

Immer wieder sagen mir Spieler, sie würden im Match ihre Schläge schubsen statt zu schlagen. Das würde ihnen Sicherheit geben. Aber ist es wirklich sicher, wenn du nur abwartend spielst? Sicherheit bedeutet doch eigentlich, dass du variabel bist in deinem Spiel. Dass du auf neue Matchdynamiken besser reagieren kannst.

Dazu ist ein lockerer Schwung bei Vor- und Rückhand das entscheidende Detail, um Länge, Tempo und Präzision deiner Schläge zu steuern. Gib dir selbst einen leichten Tritt in den Allerwertesten und schwinge im Match locker durch. Du wirst merken, dass dein Spiel besser wird.

4) Spielen, um nicht zu verlieren

Dieser Punkt baut auf Punkt Nummer drei auf. Ist dein Mindset auf Sieg programmiert? Oder spielst du so, dass du nur nicht verlieren willst? Jegliche Art der Vermeidung ist beim Tennis ein Betonstein an deinem Racket. Wer nur bloß nicht verlieren will, der geht nicht auf die Bälle zu. Der hat oft Rückenlage bei seinen Schlägen.

Rafa Nadal sagte in einem Interview mal, dass er auf den Platz gehe, um Lösungen für seine Probleme zu finden. Das ist eine hervorragende Gewinner-Mentalität, die sich jeder Clubspieler von ihm abschauen kann.

5) Trainingsspiele gewinnen wollen

Ja klar, Siege sind immer cool. Wir wollen immer gewinnen und richtig gutes Tennis spielen. Aber sind dir deine Trainingsspiele und die Ergebnisse dort so wichtig wie deine Turniermatches? 

Du kannst deine Trainingsspiele wie eine Art Werkstatt nutzen, um an deinem Spiel zu feilen. Du kannst Spielzüge ausprobieren, neue Schlagvariationen und neue Strategien. Das Schöne ist, dass du all das direkt matchorientiert trainieren kannst. Das reine Ergebnis deiner Trainingsspiele wird dann zur Nebensache. 

Das Ergebnis? Du kannst neue Spielzüge und Variationen in deinen wichtigen Turniermatches mit mehr Selbstvertrauen spielen.

6) Platzwart verfluchen

Vor allem zu Beginn der Sommersaison sind die Plätze weicher, langsamer und anfälliger für Platzfehler. Die Kunst dabei ist es, die Verantwortung für die eigenen Leistungen nicht an den Platzwart abzutreten. Ebenso kann der Wind oder die Sonne nichts dafür, dass du Doppelfehler servierst. Du wirst lachen, aber viele Clubspieler lassen sich von den äußeren Umständen ablenken. Sie regen sich über einen versprungenen Ball auf und halten sich an ihrem Zorn fest.

Ist das eine gute Basis für ein erfolgreiches Turniertennis? Wohl eher nicht. Ein sehr guter Spieler weiß genau, dass er selbst in der Verantwortung steht, mit allen Umständen umgehen zu müssen. Er kann sich dem Platz und dem Wetter anpassen.

7) Erst im April mit der Saisonvorbereitung starten

Du wirst Spieler in deinem Verein kennen, die sich seit fünf oder 15 Jahren spielerisch nicht weiterentwickelt haben. Woran könnte das liegen? Sie rosten im Winter ein. Stell dir vor, du betreibst nur im Sommer ein Muskelaufbautraining. Du gibst richtig Gas und baust einen dicken Bizeps auf. Sobald es kälter wird und der Winter naht, trainierst du nicht mehr. Wird dein Bizeps zu Beginn des nächsten Sommers noch so durchtrainiert sein wie zuvor? Du kennst die Antwort.

Die schlauen Spieler nutzen die Wintersaison, um an ihrer körperlichen sowie geistigen Fitness zu arbeiten. Dazu weiß ich von vielen sehr guten Clubspielern, dass sie die ein oder zwei Stunden auf dem Platz - pro Woche - intensiv nutzen. Sie schulen ihr Auge für den Ball, spielen viele Rhythmusübungen und bleiben einfach dran.

Denn sind wir ehrlich: Im April ist es zu spät, um eine gezielte Saisonvorbereitung zu starten.

8) Schnelle Bälle des Gegners noch schneller zurückspielen

In den vergangenen über 30 Jahren Tennis habe ich eine Beobachtung immer und immer wieder gemacht. Technisch sehr gute Spieler, die ohne Frage eine richtig heiße Kugel spielen, wollen im Match von Schlag zu Schlag schneller spielen.

Der Gipfel wird erreicht, wenn der Gegner dann auch noch schnell spielt. Durch diese "Taktik" entstehen aber viele unnötige, ärgerliche Fehler. Du kannst dein ganzes Potential anders einsetzen. Beispiel: Nimm in schnelleren Ballwechseln das Tempo raus. Spiele vollkommen bewusst langsam, wenn dein Gegner schnell spielt.

Der Clou ist: Viele Spieler haben große Probleme damit, langsame Bälle zu beschleunigen.

9) Sich schlechter denken, als man ist

Gibt es außer Novak Djokovic einen Spieler, der nicht an sich zweifelt? Wohl kaum. Und doch überschreitet man als Spieler mit Ambitionen oft eine Linie. Ein mental gesunder und fitter Spieler sieht sich als Tennischarakter mit all seinen Stärken und Schwächen. Er versteht ziemlich genau, was er auf dem Court richtig gut macht und was nicht.

Ein Spieler, der im mentalen Bereich großes Potential besitzt, sieht ausschließlich seine Schwächen. Und das ist die Linie. Eine wunderbare Übung für jeden Spieler geht wie folgt: Schreibe in einem Brainstorming alles auf, was dich als Spieler im Match charakterisiert. Gute Schläge, schwache Schläge. Positive Verhaltensweisen, negative Verhaltensweisen. Aber auch negative sowie positive Denkmuster. Wenn das Brainstorming abgeschlossen ist, dann packst du all deine Ergebnisse in die Kategorien "Stärken" und "Schwächen". 

Mit dieser Übung zeichnest du ein realistisches Bild von dir als Spieler. Und nicht nur ein falsches, negatives Bild.

10) Den Gegner stärker denken als er ist

Dieser Punkt baut auf Nummer neun auf. Im Match stellt man seinen Gegner zu schnell auf ein viel zu hohes Podest. Man erschafft sich in seinem Kopf einen Drachen, den man kaum bezwingen kann. Und eben weil man sich den Gegner viel stärker denkt, als er ist, fühlt man automatisch viel mehr Druck auf seinen durchtrainierten Schultern.

Die Lösung? Zeichne auch von deinem Gegner ein realistisches Bild. Setze ihn nicht nur in die strahlende Sonne, sondern auch in den Nieselregen. Wann macht er Fehler? Ist er lauffaul? Regt er sich schnell auf? Verliert er ab dem dritten Schlag in der Rally die Geduld? Wenn du dich auf die Suche machst, dann wirst du Schwächen finden, ganz sicher.

11) Mondballspielern tolle Geschenke machen

Man kommt nicht an ihnen vorbei. Ein, zwei Matches wirst du gegen einen Mondballspieler spielen müssen. Was ist ein Mondballspieler? Jemand, der dir ausschließlich hoch und langsam auf deine Rückhand spielt. Das sind die Jungs und Mädels, die nur auf Fehler warten, aber selbst keine machen.

Was möchte solch ein Mondballspieler erreichen? Was ist das größte Geschenk, das du ihm machen kannst? Exakt, der Mondballspieler will, dass du dich über seine Spielweise aufregst. Und zwar so sehr, dass du jeden zweiten Ball mit Frust auf der Bespannung in den Zaun spielst.

Verteile keine Geschenke, bleib cool und spiele mit Köpfchen.

12) Griffhaltungen verändern

In den letzten Jahren haben mir viele Spieler berichtet, wie sehr sie mit ihren Griffhaltungen experimentieren. Nun, bei manchen Spielern mag dies eine feine Sache sein. Aber das Verändern der Griffhaltung ist ein bisschen wie eine Operation am offenen Herzen - riskant. Von zahlreichen Spielern habe ich gehört, wie sie mit Veränderungen der Griffhaltung nur noch verunsicherter wurden. Alles, was du änderst, musst du erst trainieren. Überlege dir daher genau, ob du deine Griffhaltung bei deiner Vor- oder Rückhand optimieren willst. Falls ja, dann plane zwei bis drei Monate intensives Training ein, bevor du deine "neue" Griffhaltung im Match mit Selbstvertrauen einsetzen kannst.

13) Immer nur den nächsten Sieg jagen

Diesen habe ich bewusst als letzten Punkt gewählt. Natürlich sind Siege und Erfolge wichtig. jeder Spieler will Erfolg haben. Aber was kommt vor diesem Erfolg? Was musst du zunächst erreichen, damit du geile Erfolge erspielen kannst? Exakt, du musst deine Technik, deine Taktik, deine Fitness und deine Mentalität verbessern. In Kurzform: Du musst ein stärkerer Spieler werden. Das Problem ist, dass man durch harte Niederlagen schnell die Motivation verlieren kann. Die Spieler, die sich mehr auf ihre spielerische Entwicklung fokussieren als auf Siege, werden langfristig bessere und auch erfolgreichere Spieler.

Du kannst hoffentlich ein paar Ideen aus diesen Punkten ziehen. Ich wünsche dir viel Spaß auf dem Platz und den entscheidenden Netzroller!

Mehr von unserem Tennis-Insider gibt es hier!

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