3:33 Uhr als Symbol: Kritik an den Night Sessions wird lauter
Ein spektakuläres Fünf-Stunden-Drama ist genau das, was die US Open mit ihren Night Sessions verkaufen wollen. Doch seit dem 3:33-Uhr-Finish zwischen Ben Shelton und Carlos Alcaraz stellt sich die Frage, wie gesund solche Matches sind.
von Isabella Walser-Bürgler
zuletzt bearbeitet:
11.09.2026, 03:49 Uhr

146 Meilen pro Stunde, ein Ass, Schluss um 3:33 Uhr: Ben Shelton setzte dem vier Stunden und 28 Minuten langen Marathonmatch gegen Carlos Alcaraz ein spektakuläres Ende. Es war das Match mit dem spätesten Ende in der Geschichte der US Open. Die Zuschauer im Arthur Ashe Stadium feierten jede Minute. „New York ist heute Abend bis 3 Uhr morgens geblieben“, sagte Shelton danach begeistert.
Alcaraz' Team dagegen war weniger begeistert. Sein Fitnesstrainer Alberto Lledo Quiles bezeichnete den Spielbeginn eines Fünfsatzmatches um 23 Uhr als schlicht „nicht gesund“. Der Körper müsse sich zwar an unterschiedliche Bedingungen anpassen, schrieb er, das lasse sich aber nicht einfach so steuern. Das Problem sei auch nicht nur die Zeit auf dem Court. Wer erst tief in der Nacht spiele, verschiebe zwangsläufig auch Essen, Regeneration, Schlaf und den gesamten Tagesrhythmus. Und am nächsten Tag warte dann trotzdem der nächste Trainings- oder Spieltermin.
Venus Williams begann um 0:13 Uhr
Shelton und Alcaraz waren längst nicht die einzigen, die in New York mit der Uhr kämpften. Venus Williams und Sofia Kenin betraten am ersten Spieltag erst um 0:13 Uhr den Court – so spät hatte ein Frauenmatch bei den US Open noch nie begonnen. Alexander Zverev beendete seinen fast fünf Stunden langen Auftakt gegen Lorenzo Sonego um 1:55 Uhr Ortszeit und musste zwei Tage später bereits wieder in ein 4:33 Stunden langes Fünfsatzduell gegen Quentin Halys. Shelton selbst hatte zuvor gegen Denis Shapovalov bis 2:07 Uhr gespielt.
Damit war die Grenze vom spektakulären Einzelfall längst überschritten. Martina Navratilova reagierte nach einem weiteren Finish nach 3 Uhr entsprechend deutlich: „Something has got to give. This is not OK and it is not normal.“
Alcaraz: „Es ist unmöglich, alle Turniere zu spielen“
Für Alcaraz ist das deshalb längst eine grundsätzliche Frage. Nach seiner viermonatigen Verletzungspause kündigte der Spanier an, künftig bewusst längere Pausen einzuplanen und Turniere auszulassen. Vier Monate (wie bei seiner Handverletzung) müssten es nicht sein, aber ein oder zwei Monate könnten notwendig werden, weil es unmöglich sei, alle Turniere zu spielen.
Seine Begründung passt umso besser angesichts der kräftezehrenden Night Sessions. Der Tenniskalender ist ohnehin dicht. Wenn dann noch Matches regelmäßig bis weit nach Mitternacht dauern, wird aus einem einzelnen spektakulären Abend schnell ein Belastungsproblem für den gesamten Turnier- und möglicherweise den weiteren Saisonverlauf.
Schluss mit der Nachtschicht
Dass Lösungen hermüssen, bestätigen auch viele ehemalige Spieler und Experten. Tim Henman etwa schlägt eine Art „protected“ Startzeiten vor, bei denen verspätete Matches auf einen anderen Court verlegt werden könnten. Navratilova würde nachts lieber ein Einzelmatch parallel zu einem Doppel ansetzen. Marion Bartoli plädiert ab dem Viertelfinale überhaupt für nur noch ein Match pro Night Session.
