Ältester Top 100-Debütant: Trungelliti knackt Rekord und schreibt Tennismärchen
Marco Trungelliti sorgt derzeit beim ATP 250-Event in Marrakesch für Aufsehen. Nachdem der Argentinier im Viertelfinale überraschenderweise Corentin Moutet bezwang, darf er sich sogar über einen Eintrag in die Tennis-Geschichtsbücher freuen. Eine turbulente Karriere scheint so doch noch auf ein glückliches Ende zuzusteuern.
von Clemens Engert
zuletzt bearbeitet:
04.04.2026, 13:10 Uhr

Trungelliti kämpfte sich gegen den Franzosen nach Satzrückstand zurück und gewann am Ende mit 4:6, 6:3 und 6:4. Durch den Einzug ins Semifinale steht fest, dass der Argentinier nächste Woche erstmals in seiner Karriere in den Top 100 aufscheinen wird; derzeit liegt er im Live-Ranking auf Platz 85. Mit 36 Jahren und 64 Jahren ist Trungelliti somit der älteste Spieler in der Open Era, dem der erstmalige Einzug in die Top 100 der Tenniswelt gelingt.
„In die Top 100 zu kommen, war im Grunde mein gesamtes Karriereziel“, meinte der Argentinier im Anschluss an das Match gegen Moutet. „Ich habe das Gefühl, dass ich mich in den letzten zwei Jahren sowohl spielerisch als auch mental immer weiter angenähert habe. Körperlich bin ich in so guter Verfassung wie nie zuvor, was enorm hilft. Es ist einfach unglaublich."
Trungellitis Karriere als Tennisspieler verlief zwar (sportlich) abseits des großen Rampenlichtes, war aber durchaus turbulent.
Im Jahr 2015 wurde Trungelliti von Spielmanipulatoren kontaktiert, die ihm bis zu 100.000 US-Dollar anboten. Er lehnte das Angebot jedoch ab und meldete den Vorfall der Tennis Integrity Unit (TIU).
“Einfach nur grausam”
Was danach über den Argentinier hereinbrach, klingt wie aus einem schlechten Thriller. Trungelliti sah sich massiven Bedrohungen ausgesetzt, er musste sogar aus seiner Heimatstadt Buenos Aires fliehen. „Es wurde mit der Zeit immer schwieriger, und dann fingen die Hänseleien, die Sticheleien und die vielen Stimmen an, die ich nicht mochte. Und da begann ich, um es mal so auszudrücken, zu begreifen, in welch ein Schlamassel ich mich da hineinmanövriert hatte“, meinte Trungelliti im Rückblick. „Es war, als würde ich all das erleben, was man aus Filmen kennt: Ich meine die Angst, die meine Familie empfand, die allgemeine Sinnlosigkeit, die uns umgab … einfach nur grausam.“
Versagen der Verbände
Der Argentinier sparte auch nicht mit Kritik an anderen Spielern und den Verbänden. „Sergiy Stakhovsky, der mich einen Verräter genannt hatte, gab später zu, dass ihm das Angebot ebenfalls gemacht worden war. Es schien damals so, als ob alles perfekt liefe, aber er hat mich im Grunde genommen völlig aus der Bahn geworfen, weil ich es nicht erwartet hatte. Das, zusammen mit dem Verhalten der ATP, der TIU, der Association und der ITF, war eine verheerende Kombination, ein Schlag nach dem anderen. Alle diese Organisationen haben bei Weitem nicht das erreicht, was nötig wäre, um die Situation zu verbessern.“
Er sei in dieser Zeit in eine "gewisse Depression" verfallen, so der Argentinier. Trotzdem bereue er nichts. Wie er in seiner Zeugenaussage einmal zu Protokoll gab, würde er "lieber 700 Mal seine Karriere ruinieren, als Teil dieses Systems zu sein."
Sportlich geht für den 36-Jährigen am Samstag in Marrakesch gegen den topgesetzten Luciano Darderi. Für Trungelliti ist es das erst zweite ATP-Semifinale seiner Karriere. Nach allem, was dem Argentinier in seiner Karriere widerfahren ist, kann man ihm nur viel Glück wünschen.
Hier das Einzel-Tableau in Marrakesch
