Alexander Zverev: Mutig und ein bisschen unglücklich nach Cincinnati
Alexander Zverev hat sich beim ATP-Masters-1000-Turnier in Toronto mutiger als gewohnt gezeigt. Dieser Ansatz wurde beinahe mit dem Finaleinzug honoriert. Und sollte in Cincinnati weiter gepflegt werden.
von Jens Huiber
zuletzt bearbeitet:
08.08.2025, 08:27 Uhr

Die amerikanischen TV-Kommentatoren haben offenbar auch ganz genau hingehört beim Podcast-Auftritt von Alexander Zverev bei John Isner und Co. Ein Kernpunkt dabei war ja: Aus den Gesprächen und Trainingseinheiten mit Rafael Nadal und dessen Onkel Toni habe er, also Zverev, auch mitgenommen, dass er mutiger spielen wolle. Ganz grundsätzlich und vor allem in den entscheidenden Phasen. Und also war vor allem im dritten Satz bei Zverevs Ausscheiden gegen Karen Khachanov das Wort „brave“ schon fast inflationär oft verwendet. Übrigens auch in Richtung des siegreichen Russen.
Alexander Zverev selbst hatte sich in puncto Tapferkeit schon nach dem Match gegen Alexei Popyrin ein gutes Zeugnis ausgestellt. Auch wenn die Spielanlage des Australiers es noch schwieriger macht, aus einem schönen Rhythmus heraus die Initiative zu ergreifen. Gegen Khachanov tauchte Zverev nun öfter als 20 Mal am Netz auf - und das zumeist erfolgreich.
Das Netzband verhindert Finaleinzug von Zverev
Zur Wahrheit gehört indes auch: Gerade im dritten Satz schien Karen Khachanov einem Break deutlich näher zu sein als die deutsche Nummer eins. Auch weil Zverev mit mehreren Doppelfehlern ordentlich Druck auf sich selbst aufbaute. Die Chance, das Match vor einem alles entscheidenden Tiebreak zu beenden, die hatte dann aber Alexander Zverev. Khachanov servierte bei 5:6 und Matchball Zverev einen sehr vorsichtigen zweiten Aufschlag, Zverev riskierte mit der Rückhand - Stichwort: „mutig“ - der Ball blieb aber am Netzband hängen. Was auch Khachanov nach seinem Einzug ins Endspiel gerne zugestand: Wenn dieser Ball auf seiner Seite herunter getropft wäre, dann hätte es kein Siegerinterview von ihm gegeben, so Khachanov.
Lustig dabei: Oben genannte TV-Kommentatoren hatten wenige Minuten zuvor angemerkt, dass das Netzband an diesem Abend in Toronto ganz klar auf der Seite von Alexander Zverev gewesen sei.
Und so fliegt der mutige, aber etwas unglückliche Weltranglisten-Dritte also nach Cincinnati, das dieser Tage ja in neuer Pracht erstrahlt. Mit dem Wissen im Gepäck, dass ein Titel in Toronto um einiges einfacher zu holen gewesen wäre als beim letzten großen Test vor den US Open. Am Vorsatz, mehr Initiative zu ergreifen, wird sich wohl nicht ändern. Mit ein bisschen mehr Glück hätte dieser ja bis ins Finale des kanadischen Masters geführt.
Hier das Einzel-Tableau in Cincinnati
