"Alles nur noch Zirkus" - Gilles Simon kritisiert Entwicklung des Tennis

Der Franzose Gilles Simon ist kein Freund von Anpassungen im Tennis.

von Florian Goosmann
zuletzt bearbeitet: 29.11.2019, 12:25 Uhr

Gilles Simon
© Getty Images
Gilles Simon

Match-Tiebreaks, verkürzte fünfte Sätze, der neue Davis Cup innerhalb nur einer Woche: Tennis geht immer mehr den Weg, die Spiele und Wettbewerbe zu verkürzen. Und das recht uneinheitlich, vor allem bei den Majors. In Melbourne gibt es mittlerweile einen Match-Tiebreak (bis 10) beim 6:6 im fünften Satz, in Paris wird der fünfte Satz nach wie vor ausgespielt, in Wimbledon spielt man beim 12:12 einen normalen Tiebreak, in New York wie üblich beim 6:6. Und bei den NextGen Finals wird der Satz bis vier Spiele getestet./

Der Eindruck, der vermittelt wird: Tennis dauert zu lange. Das betrifft sowohl die Profi- wie auch die Vereinsebene, wo der Match-Tiebreak den dritten Satz abgelöst hat.

"Bald nur noch so lange wie eine Fernsehserie"

Gilles Simon ist kein Freund dieser Entwicklung. Der 34-Jährige ist abseits der Profitour auch in der französischen Bundesliga unterwegs, er spielt dort für den FC Paris. "Wir ändern uns, weil es in Mode gekommen ist", sagte Simon am Rande eines Spiels gegenüber der französischen Eurosport-Seite. Und Simon scheint überzeugt, dass die Verkürzung des Tennis weiter fortschreiten wird. "Bald werden wir wohl gebeten, nur noch 40 Minuten zu spielen, so lange wie eine Fernsehserie dauert. Mit der Begründung, dass junge Leute keine drei Stunden mehr vor dem Fernseher sitzen werden."

Simon will auch den Grund für die Verkürzungen ausgemacht haben. "Entweder gibt man der Laune des Zuschauers nach - oder man erzieht ihn. Wir haben uns entschlossen, seiner Laune nachzugeben. Daher ist alles ein Zirkus geworden, auf allen Ebenen."

Ein Hoch auf die Langweile

Rémi Bourrières, der Verfasser des Artikel, weist noch auf einen anderen interessanten Punkt hin: die vermeintliche Langweile zu Beginn normaler Sätze. Wieso man Spiele nicht einfach beim 4:4 beginne, wenn es doch dann erst spannend würde? Weil der Beginn eines Satzes ein wesentlicher Bestandteil eines Matches sei. Zwei Gegner, die sich sozusagen aufwärmen vor dem intensiven Ende. Wie zwei Boxer in den ersten Runden. Oder ein Radfahrer im Tal, vor dem Aufstieg. Oder im Leben: "Wären Feste so schön, wenn der Rest unserer Tage nicht von einer gewissen Monotonie geprägt wäre?", fragt Bourrières.

Langeweile sei schlecht, so das Motto der Gesellschaft mittlerweile. Dabei sei man in Momenten der Langeweile oft am kreativsten. Auch beim Tennis sei die mögliche Langeweile am Anfang eines Satzes doch nicht schlimm, der Zuschauer werde in diesen Momenten nämlich Dinge bemerken, die ihm entgingen, wenn es wieder kritisch würde. Es sei gefährlich, stets dem Konsumenten nachzugeben, nur noch die Show zu suchen. Denn der wahre Enthusiast werde ohnehin immer bleiben.

Das Problem, so Simon: Es gebe keinen, der zuversichtlich in die Zukunft des Tennis blicke. Niemand merke, dass es allen nur darum ginge, alles zu ändern. "Tennis ist ein Sport, der stolz auf seine lange Tradition sein sollte. Aber stattdessen will man es zu einem Marketing-Produkt aufziehen."

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