ATP-Challenger Menorca: Brancaccio holt den Titel

Der zweite Ausgabe der Open Menorca endeten am Sonntag mit dem Turniersieg von Raul Brancaccio. Der italienische Alternate setzte sich im Finale des ATP Challenger 100 in Ciutadella gegen den spanischen Qualifikanten Alex Martinez mit 6:1 und 6:4 durch und feierte damit den dritten Challenger-Titel seiner Karriere nach San Benedetto (Italien) 2022 und Noumea (Neukaledonien) 2023.

von Von Florian Heer aus Menorca
zuletzt bearbeitet: 05.04.2026, 17:16 Uhr

Das Siegerbild in Menorca: Alex Martinez und Raul Brancaccio
© Florian Heer
Das Siegerbild in Menorca: Alex Martinez und Raul Brancaccio

Der Weltranglisten-379. nutzte vier seiner fünf Breakchancen und gewann 59 Prozent aller gespielten Punkte, um sich nach 69 Minuten durchzusetzen.
„Ich bin sehr glücklich über den Titelgewinn. Die letzten Jahre waren nicht immer einfach für mich“, verriet Brancaccio, der im spanischen Valencia trainiert und bereits unter den Top 125 der Welt zu finden war. „Jetzt werde ich versuchen an die Leistung hier anzuknüpfen.“  

Brancaccio hatte sich am Samstag mit einem hart erkämpften 6:3, 0:6, 7:6(2)-Erfolg über den US-Amerikanischen Qualifikanten Dali Blanch den Finaleinzug gesichert. Nach starkem Beginn verlor der Italiener den zweiten Satz deutlich und hatte sichtbar mit körperlichen Problemen zu kämpfen. 

„Dali hat wirklich gut gespielt, aber ich habe mich konzentriert und bin bis zum Ende positiv geblieben“, sagte Brancaccio. „Ich weiß nicht genau, was passiert ist. Ich muss es mit dem Physio abklären und dann sehen wir weiter. Ich hoffe, dass ich für morgen bereit bin.“ 

Trotz der Beschwerden war Brancaccio im Finale rechtzeitig wieder fit. Gegen Martinez konnte er zudem auf eine positive Bilanz bauen – alle drei bisherigen Duelle hatte der Italiener bereits gewonnen. Auch in Ciutadella behielt Brancaccio die Oberhand und machte seinen dritten Titel perfekt. 

Martinez kämpft sich durch den Wind 

Für Martinez endete eine beeindruckende Woche zwar ohne Happy End, dennoch war der 25-Jährige aus Barcelona die große Überraschung des Turniers, das vor allem von schwierigen Wetterbedingungen geprägt war. Starker Wind sorgte an den ersten Tagen immer wieder für Verzögerungen. Am Karfreitag mussten deshalb alle verbliebenen Spieler sowohl ihr Achtelfinale als auch ihr Viertelfinale am selben Tag bestreiten. 

Martinez kam mit diesen Bedingungen am besten zurecht. Zunächst besiegte er den topgesetzten Franzosen Valentin Royer nach Satzrückstand mit 6:7(7), 6:4, 6:3. Nur wenige Stunden später setzte er sich auch gegen seinen Landsmann Pol Martin Tiffon mit 7:6(5), 6:1 durch. 

„Am Nachmittag zu gewinnen, nachdem man schon müde ist, ist eine große Leistung“, sagte Martinez nach seinem Halbfinaleinzug.

Dass der Weltranglisten-405. mit Wind und schwierigen Bedingungen so gut umgehen konnte, kam nicht von ungefähr. Vier Jahre lang spielte Martinez College-Tennis an der University of Oklahoma, wo Wind und sogar Tornados zum Alltag gehören. 

Mit einem Lächeln erklärte Martinez, dass ihn diese Erfahrungen bestens auf die anspruchsvollen Bedingungen auf den Balearen vorbereitet hätten. In Oklahoma studierte er Human Relations und machte vor zwei Jahren seinen Abschluss. 2024 wurde er zudem in das ATP Next Gen Accelerator-Programm aufgenommen, das College-Spielern den Übergang auf die Challenger-Tour erleichtert. 

Im vergangenen Jahr gewann Martinez zwei Titel auf der ITF World Tennis Tour in Tulsa (Oklahoma) und Harlingen (Texas) und kletterte auf Platz 388 der Weltrangliste. Anschließend wurde er jedoch durch Verletzungen an beiden Knien zurückgeworfen. 

Zurück in Barcelona arbeitet Martinez inzwischen mit zwei Trainern und einem Fitnesstrainer an seinem Comeback. Menorca war nun das bislang deutlichste Zeichen, dass er wieder auf dem Weg zurück ist. 

Im Halbfinale am Samstag setzte sich Martinez dann auch gegen seinen Landsmann Daniel Rincon mit 7:5, 7:5 durch. 

„Ich blieb mental stark“, erklärte Martinez danach. „Gestern war ein anstrengender Tag für uns beide, da wir beide zwei Matches spielen mussten. Nach so einer großen Anstrengung ist es leicht, nachzulassen. Ich habe wirklich daran gedacht, heute daran anzuknüpfen.“ 

Die Siege gegen Royer und Pol Martin Tiffon seien zwar die größten seiner Karriere gewesen, doch Martinez wollte sich davon nicht ablenken lassen.

„Ich hatte gute Siege gegen einen Top-100- und einen Top-200-Spieler, man ist glücklich, aber die Arbeit war noch nicht erledigt“, sagte er.  

Zweites Challenger Finale – zweite Niederlage  

Bereits der Finaleinzug bedeutete für Martinez das zweite Challenger-Finale seiner Karriere nach den Open Castilla y Leon in El Espinar vor zwei Jahren. Doch erneut blieb ihm der ganz große Triumph verwehrt. 

„Es bedeutet mir sehr viel, denn in diesem Sport gibt es viel Kampf und Schmerz“, sagte Martinez vor dem Finale. „Man muss viel opfern und hart arbeiten. Es ist einfach eine Belohnung für den Einsatz, den ich in den letzten Monaten nach meiner Verletzung gezeigt habe.“ 

Abseits des Platzes fand Martinez gemeinsam mit seinem Coach eine einfache Routine, die ihm half, während der Woche die richtige Balance zu halten.
„Jeden Abend gehen wir spazieren und lassen unsere Handys im Hotelzimmer“, sagte Martinez über die erste gemeinsame Turnierreise mit seinem Trainer. „In der Stadt ist eine gute Stimmung. Es ist ziemlich ‚tranquilo‘ und es ist gut, abzuschalten.“ 

Anschließend verbrachten die beiden jeweils noch eine Stunde in einer Bar, bevor sie ins Hotel zurückkehrten. 

„Das hat geholfen. Wir machen das seit Dienstag und hier bin ich nun im Finale“, hatte Martinez am Samstag gesagt.

Einen Tag später stand fest: Raul Brancaccio war der Champion von Menorca. Alex Martinez hingegen verließ Ciutadella trotz der Finalniederlage als einer der großen Gewinner des Turniers.



 

von Von Florian Heer aus Menorca

Sonntag
05.04.2026, 18:16 Uhr
zuletzt bearbeitet: 05.04.2026, 17:16 Uhr