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Herwig Straka exklusiv – „… dann ist mein Lebensziel wirklich erreicht“

Der Turnierdirektor des Wiener-Stadthallen-Turniers nach der Präsentation des Feldes im tennisnet.com-Interview.

von tennisnet.com
zuletzt bearbeitet: 16.09.2016, 01:05 Uhr

Herwig Straka

Seit 2009 ist Herwig Straka Turnierdirektor der ATP-Veranstaltung in der Wiener Stadthalle.2015 holte der Steirer eine ATP-World-Tour-500-Lizenz in die Bundeshauptstadt, 2016 sorgte er für die wohl beste Teilnehmerliste, die das nun aufgewertete Turnier je gesehen hat,mit 16 Spielern aus den Top 30 der Weltrangliste. Am Rande einer Pressekonferenz zur Präsentation des hochkarätigen Starterfelds bat tennisnet.com den 50-Jährigen zum Exklusivinterview über dieses und über den JungstarDominic Thiem. Und darüber, warum sein Lebensziel zwar fast, aber noch nicht wirklich erreicht ist. Herwig Straka hier im Gespräch.

Herwig, du kennst das Stadthallen-Turnier – nicht nur als Turnierdirektor – bereits seit einer halben Ewigkeit. Hast du jemals so ein starkes Feld erlebt?

Ich versuche immer, nicht zu übertreiben. Und schon als ich Schwimmer war, war ich parallel immer beim Stadthallen-Turnier, also seit den 80er-Jahren. Es waren stets Top-Spieler da, die Namen waren immer groß, das muss man schon sagen. Aber in der Dichte habe ich es nicht in Erinnerung, dass es das jemals gegeben hätte.

„Die guten Turniere funktionieren natürlich alle als Turnier, und das ist auch unser Ziel für Wien.“
Herwig Straka

Im Vorjahr hat man gesehen, dass das Turnier auch ohne österreichische Matchsiege im Einzel inzwischen bestens funktionieren kann. Wie erwartest du dies denn heuer? Ist die Stadthalle unabhängig vom Abschneiden der Österreicher einfach angekommen, erst Recht durch den Aufstieg in die ATP-World-Tour-500-Kategorie?

Sie ist definitiv angekommen, auch mit dem 500er-Status – was umso mehr zeigt, wie wichtig es für eine Stadt wie Wien war, dass man so ein großes Turnier holt. Aber es ist schon auf der ganzen Welt gleich: Selbst bei den US Open ist der Center Court voll, wenn ein Amerikaner spielt, und er ist, zumindest in den ersten Runden, halt bloß halbvoll, wenn kein Amerikaner spielt. Das ist bei jedem großen Turnier so. Die guten Turniere funktionieren natürlich alle als Turnier, und das ist auch unser Ziel für Wien – und das hat man voriges Jahr eben auch schon gesehen, dass es funktioniert. Aber klarerweise ist es noch einmal wichtiger und besser, wenn  Österreicher spielen.

Was traust du Dominic Thiem in diesem so starken Feld zu? Eigentlich scheint von einer Erstrunden-Niederlage bis zum Turniersieg alles drinnen zu sein.

Genau. Wenn man sich das anschaut, ist das eigentlich fast die schwerste Situation für einen gesetzten Spieler. Bei einem Grand-Slam-Turnier hast du meistens zwei, drei Runden keinen Gesetzten vor dir und kannst dich ins Turnier reinspielen. Und bei einem ATP-Masters-1000-Event – und ich muss ehrlich sagen, von der Dichte des Feldes her sind wir eigentlich fast wie ein 1000er – hast du das Problem, von der ersten Runde an Vollgas geben zu müssen, und das muss Dominic machen. Klarerweise muss er, wenn er ein Turnier gewinnen oder bei diesem weit kommen will, die erste Runde auch gewinnen, aber es können schon viele unangenehme Gegner in der ersten Runde warten.

Isner,Karlovic,…

Ja, aber zum Beispiel auch einGilles Simon– das sind jetzt alles nicht irgendwelche Namen. Das sind Spieler, die Top Ten waren, und gegen die musst du in der ersten Runde erst einmal gewinnen. Und der Druck ist dann bei ihm, aber das hat sich in diesem Jahr meines Erachtens wesentlich verbessert, dass er mit den Drucksituationen ganz anders umgeht und seinen Mann steht.

Wie optimistisch bist du, dass er eines Tages das schafft, wasThomas Muster(Straka ist Musters Manager; Anmerkung)nicht vergönnt war?

Ich habe mit ihm jetzt gerade gesprochen. Ich glaube, man kann sich das nie zum Ziel setzen. Man muss von Spiel zu Spiel denken – auch wenn das nach einer abgedroschenen Floskel klingt. Das ist für einen Außenstehenden selbstverständlich, aber als Spieler hat man dann doch das Ziel, vielleicht in die Top Ten zu kommen, das Finale zu erreichen oder das Turnier zu gewinnen. Am Ende des Tages, wenn er Runde für Runde gewinnt, dann ist es möglich. Es kann aber auch sein, dass es die nächsten fünf Jahre immer wieder blöd hergeht – genauso in Kitzbühel. Da kann es auch passieren, dass du die zweite Runde verlierst, das ist halt Tennis.

„Beruflich war es sicher die absolut richtige Entscheidung und mein Traum.“
Herwig Straka über den Erwerb der 500er-Lizenz für Wien

Du hast bei der Pressekonferenz die unmenschlichen Investitionen, die nötig waren, um die 500er-Lizenz nach Wien zu holen, erwähnt. War es trotzdem der beste Coup deines Lebens – oder einer der besten?

Beruflich war es sicher die absolut richtige Entscheidung und mein Traum. Als wirAndy Murrayvor zwei Jahren in Wien gehabt haben, da war er die Nummer elf der Welt, das war für mich schon ein epochaler Schritt. Und jetzt nimmt man es fast schon als selbstverständlich hin, dass hier drei oder vier Top-Ten-Spieler sind, und das mit so einem Teilnehmerfeld. Also ja, es ist schon irgendwo mein Lebensziel, das da in Erfüllung geht. Und wenn man vielleicht noch einen Schritt weitergeht und in Wien mal die aktuelle Nummer eins der Welt hat, dann kann ich sagen, dass mein Lebensziel wirklich erreicht ist.

Das Gespräch führte Manuel Wachta.

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