ATP setzt beim Doppel den Rotstift an: Wird das Doppel verschwinden?
Das professionelle Doppel auf der ATP-Tour steht vor einem Einschnitt. Ab 2028 könnten die Bewerbe reduziert werden. Im Zentrum der Debatte steht die Frage, ob das Doppel den derzeitigen Anteil am Preisgeld tatsächlich rechtfertigt.
von Isabella Walser-Bürgler
zuletzt bearbeitet:
16.09.2026, 12:53 Uhr

Derzeit werden die Preisgelder bei ATP-Turnieren ungefähr im Verhältnis 80:20 zwischen Einzel und Doppel aufgeteilt. Für die ATP stellt sich deshalb die Frage, ob die Doppelbewerbe tatsächlich einen entsprechenden Anteil an den Einnahmen der Turnierveranstalter generieren. Die Überlegungen dahinter lauten: Wenn das Doppel rund ein Fünftel des Preisgeldes erhält, müsste sich dieser Anteil auch wirtschaftlich widerspiegeln.
Herwig Straka stellt sich hinter die ATP
ATP-Board-Mitglied und Turnierdirektor der Erste Bank Open in der Wiener Stadthalle, Herwig Straka, verteidigt die geplante Neuordnung der ATP. Die Diskussion sei keineswegs neu und die Doppelspieler seien in den Prozess eingebunden. Einen Schwerpunkt sieht Straka allerdings bei den Einzelspielern außerhalb der absoluten Weltspitze.
Mehr Geld für Spieler zwischen Platz 30 und 100
Konkret soll ein größerer Teil der über die Reduzierung des Doppels verfügbar gemachten Mittel künftig den Einzelspielern zwischen Weltranglistenplatz 30 und 100 zugutekommen. Nach Strakas Argumentation handle es sich bei ihnen nämlich um jene Profis, die bei Turnieren stärker zum Zuschauerinteresse beitragen, finanziell aber weniger abgesichert seien als die Topstars.
Mit anderen Worten: Das vorhandene Geld soll innerhalb des Profizirkus anders verteilt werden. Für die Doppelspieler könnte das drastische Einbußen bedeuten. Wie groß diese ausfallen, ist allerdings noch Gegenstand der Verhandlungen.
Das Doppel soll bleiben
Eine komplette Abschaffung des Doppels stehe ohnehin nicht zur Debatte, betont Straka. Eine solche Variante sei zwar diskutiert worden, werde aber nicht verfolgt. Stattdessen soll der Doppelbewerb mit einem kleineren Teilnehmerfeld auskommen.
Dahinter steckt auch eine strategische Überlegung: Die ATP will verhindern, dass junge Spieler das Doppel als vermeintlich einfacheren Weg ins Profitennis wählen. Straka hält es etwa für problematisch, wenn ein 20-Jähriger bewusst auf eine Einzelkarriere verzichtet, weil sich im Doppel relativ schnell gutes Geld verdienen lässt. Für bereits etablierte Doppelprofis soll die Umstellung durch eine mehrjährige Übergangsphase abgefedert werden.
Große ATP-Reform: Entscheidung fällt in Turin
Das Doppel ist allerdings nur ein Teil eines größeren Umbauplans innerhalb der ATP. Über die konkreten Maßnahmen soll erst beim ATP-Finale in Turin entschieden werden. Dabei geht es auch um die Größe der Tableaus und die Frage, wie die einzelnen Turnierkategorien künftig positioniert werden.
An den verlängerten Masters-1000-Turnieren, die seit Längerem von vielen Spielern kritisiert werden, soll zumindest bis 2031 nichts geändert werden. Aus Sicht der ATP sind diese Veranstaltungen wirtschaftlich attraktiv. Seit 2023 werden dort zudem 50 Prozent der entsprechenden Einnahmen mit den Spielern geteilt. Gleichzeitig soll die Bedeutung der Masters weiter steigen, und auch die 500er-Turniere sollen aufgewertet werden.
