ATP Stuttgart: Andy Murray - "Ich bin immer gerne nach Deutschland gekommen"

Vor seinem Auftaktmatch am Dienstag beim ATP-250-Turnier in Stuttgart gegen den Australier Christopher O’Connell sprach der dreifache Grand-Slam-Champion Andy Murray bei einer Pressekonferenz über seine Weissenhof-Premiere, die Beweggründe für seine großzügige Unterstützung für die Ukraine, den 14. French-Open-Sieg von Rafael Nadal und das Verletzungspech von Alexander Zverev.

von PM
zuletzt bearbeitet: 06.06.2022, 17:52 Uhr

Andy Murray schlägt zum ersten Mal in Stuttgart auf
© Getty Images
Andy Murray schlägt zum ersten Mal in Stuttgart auf

Es ist dies dein 45. Turnier auf Rasen, aber erst das zweite, das du auf Gras außerhalb von Großbritannien spielst. Das bisher einzige war 2005 in Newport (USA).

Ja, das ist lange her. Ich weiß auch noch nicht, wie anders es sich anfühlen wird, aber ich habe über die Courts hier und über Stuttgart bislang nur Gutes gehört. Mein Bruder ist ja hier schon mehrmals im Doppel angetreten und hat mir einiges erzählt.

Wie geht es dir, wie gut bist du in Form?

Ich habe letzte Woche vier Matches beim Challenger in Surbiton gespielt. Das war gutes Tennis, aber dort waren die Courts anders. Mehr Old School – flacherer Ballabsprung, schnelleres Tempo. Aber es war ein guter Start in die Rasensaison und hoffentlich kann ich hier so weitermachen.

Ist es etwas Besonderes, in diesem Stadium deiner Karriere an einen neuen Schauplatz, ein neues Turnier zu kommen?

Ja, aber ich mag es, etwas Neues kennenzulernen. Ich bin immer gerne nach Deutschland gekommen. Ich war in München, öfters in Hamburg. Aber das war, bevor der Termin verlegt und das Turnier nach Wimbledon ausgetragen wurde. Ich habe aber immer gerne in Deutschland gespielt. Ich denke, Tennis ist hier ein großer Teil der Sportkultur. Das Land hat immer tolle Tennisspieler mit toller Fan-Unterstützung gehabt. Ich mag es auch, Turniere zu spielen, die in richtigen Tennisclubs veranstaltet werden – so wie in München und hier in Stuttgart.

In der ersten Runde triffst du auf Christopher O’Connell. Nicht das erste Mal in diesem Jahr.

Ja, er hat in Australien zu Beginn der Saison gut gespielt. In Dubai habe ich ihn geschlagen, aber es war ein hartes, knappes Match. Es wird also nicht einfach.

Was sind deine Ziele für diese und die nächsten Wochen vor Wimbledon?

Ich möchte so viele Matches wie möglich spielen und mich im Vergleich zu letzter Woche verbessern. Man hat zwar nicht immer die Kontrolle über das Ergebnis eines Spiels, aber ich kann andere Sachen kontrollieren, wie zum Beispiel meine Vorbereitung und solche Sachen. Das ist mein Ziel.

Du hast versprochen, dein Preisgeld ukrainischen Kindern zu spenden und hast dich auch immer wieder kritisch zu Waffengewalt geäußert.

Ich spende mein Preisgeld an die UNICEF, mit dieser Organisation arbeite ich schon seit ein paar Jahren zusammen. Was gerade in der Ukraine passiert, ist furchtbar. Kinder müssen von daheim fliehen, werden von ihren Familien getrennt oder sogar getötet. Ich kann nicht viel tun, aber ich versuche, wenigstens etwas zurückzugeben, um den Menschen in der Ukraine zu helfen. Was genau mit dem Geld passiert, ist unterschiedlich, aber UNICEF weiß am besten, was damit anzufangen ist. Die Situation ändert sich ja auch ständig. Aber das Geld ist da, um den Familien zu helfen.

Was die Waffengewalt angeht: Als ich ein Kind war, gab es einen furchtbaren Zwischenfall an meiner Schule in Dunblane, bei dem viele Menschen durch Waffengewalt ihr Leben verloren haben. Danach wurden bei uns die Gesetze geändert und seit damals hat es so etwas nicht mehr gegeben. Wenn heute so etwas passiert, kann ich also gut nachvollziehen, wie es den Leuten geht, denn ich fühle mich nach wie vor von diesem Zwischenfall damals betroffen. Ich versuche also zu helfen, wo ich kann, aber es ist für mich schwierig, darüber zu sprechen. Man sieht es ohnehin die ganze Zeit im Fernsehen. In den USA hat es dieses Jahr bereits mehr als 200 solcher Massenschießereien gegeben. Man sollte sich dort also vielleicht auch einmal Gedanken darüber machen, wie man diese Kultur ändern könnte.

Du spendest also dein Preisgeld. Ist das eine zusätzliche Motivation, hier in Stuttgart auch möglichst erfolgreich zu sein?

Ich möchte grundsätzlich jedes Match gewinnen, das ich spiele. Wenn dabei auch noch etwas anderes Positives rauskommt, wenn ich damit anderen Menschen helfen kann, ist das natürlich positiv.

Du hast sicher die French Open mitverfolgt. Was sagst du zu dem Vorschlag, dass der Centre Court nach Rafael Nadal benannt werden soll?

Ich habe mir nicht alle Spiele angesehen, weil ich ja selbst ein Turnier gespielt habe und bis Samstag im Einsatz war. Aber ich habe mir doch einige Matches anschauen können. Was Rafa Nadal und Iga Swiatek geleistet haben, ist unglaublich. Swiatek hat jetzt die Möglichkeit, ihre ganz eigene Geschichte zu schreiben. Und Rafa? 14 Grand-Slam-Turniere am selben Schauplatz zu gewinnen, ist unfassbar. Als er seinen elften oder zwölften Titel in Paris holte, habe ich schon gesagt, dass ich mir nicht vorstellen kann, jemals eine Wiederholung davon zu sehen. Es gibt kaum Spieler auf der Tour, die Roland Garros 14-mal spielen werden, gar nicht davon zu sprechen, es 14-mal zu gewinnen. Carlos Alcaraz ist 19 und müsste das Turnier wohl jedes Mal gewinnen, wenn er spielt. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass das jemand schafft.

Alexander Zverev wartet noch auf seinen ersten Grand Slam-Titel.

Ja, schade, dass er sich verletzt hat. Ich hoffe, es ist nicht zu schlimm. Grand Slams sind wahnsinnig schwierig zu gewinnen. Ich weiß das aus eigener Erfahrung. Es gibt keine Garantie. In den letzten Jahren war er immer wieder in einer guten Position, um weit zu kommen. Trotzdem ist das keine Garantie. Novak (Djokovic, Anm.) ist noch immer motiviert und die Generation rund um Zverev will auch gewinnen. Und dann drängt schon die nächste Generation rund um Alcaraz und Rune nach. Es wird für ihn also nicht einfach. Er wird seine Chancen bekommen, er ist ja ein absoluter Topspieler und hat schon viel gewonnen, aber ich kann es wirklich nicht sagen. Es ist unmöglich, so etwas vorauszusagen.

Wirst du in der Zukunft einmal Mixed-Doppel mit Emma Raducanu in Wimbledon spielen?

Wir haben letztes Jahr darüber gesprochen. Ich bin ohne große Vorbereitung und Erwartungen nach Wimbledon gekommen. Sie war auch noch recht neu auf der Tour, hatte noch nicht viel Erfahrung. Es ist sich dann nicht ausgegangen. Ich habe die vierte Runde erreicht, sie die dritte. Die britischen Tennisfans würden sich sicherlich über so etwas freuen, aber ich kann das wirklich nicht versprechen. Es ist schon hart genug für mich, momentan im Einzel anzutreten.

TV-HINWEIS: ServusTV Deutschland überträgt alle Centre-Court-Matches der BOSS OPEN live und exklusiv im Free-TV sowie bei ServusTV On.

Hier das Einzel-Tableau in Stuttgart

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