„Wenn jemand was falsch machen möchte“ – Günter Bresnik kritisiert Dominic Thiem

Der Headcoach und Manager von Österreichs Nummer eins nimmt diese öffentlich ganz stark unter verbalen Beschuss.

von tennisnet.com
zuletzt bearbeitet: 29.07.2016, 11:39 Uhr

Dominic Thiem Trainer Guenter Bresnik sitzt auf der Tribuene,Portrait Tennis - US Open 2015 - Grand Slam ITF / ATP / WTA - Flushing Meadows - New York - New York - USA - 3 September 2015.

Dominic Thiemist die – freilich sprichwörtlichen – Zuckerbrot-Häppchen und Peitschenhiebe von Günter Bresnik im Rahmen ihrer vieljährigen Zusammenarbeit schon lange gewohnt, und dabei schreckt der Headcoach und Manager in Personalunion von Österreichs Youngster auch keineswegs vor öffentlicher Kritik zurück. Diese ist nach einerverletzungsbedingten Aufgabe des 22-Jährigenam Mittwoch beim Rogers Cup in Toronto wegen einer Hüftverletzung dieses Mal besonders hart ausgefallen. Thiem war nach derAuftaktniederlage bei den Generali Open Kitzbühel, bei denen er ob einerStirnhöhlenentzündung im Vorfeldgeschwächt gewirkt hatte, dennoch zum ATP-Masters-1000-Hartplatzturnier nach Kanada aufgebrochen. Und trotz jener Hüftbeschwerden, von denen er Bresnik erst dienstags unterrichtet hatte,wie dieser gegenüber tennisnet.com verriet.

„Wenn einer nicht hört, dann muss er fühlen“

„Ich habe auch gesagt, man soll nicht nach Toronto fliegen – aber wenn einer nicht hört, dann muss er fühlen“, das richtete Bresnik seinem Schützling nun über die „Austria Presse Agentur – APA“ sehr unmissverständlich aus. „Für mich war das ganz klar. Ich habe gewusst, dass das ein Zwei- oder Drei-Tage-Ausflug ist.“ Kritik an der bisherigen Turnierplanung, diese hält der Starcoach einerseits für verfehlt, wohl aber sei die Notwendigkeit für Adaptierungen gegeben. „Die Turnierplanung war ausgezeichnet, deswegen steht er jetzt in den ersten Zehn. Nur muss man die dann entsprechend angleichen, wenn man in den ersten Zehn ist. Für mich persönlich hätte die Turnierplanung nach Paris schon ganz anders verlaufen müssen“, bekannte Bresnik – ohne hierbei auf Details eingehen zu wollen. „Wenn jemand was falsch machen möchte, dann kann man ihn davon nicht abhalten.“

Thiems Einsicht kommt erst nach Toronto

Bresnik stellte klar, dass er persönlich es nicht für sinnvoll hielte, bei einem Event anzutreten, wenn man physisch gerade nicht bereit dafür ist. „Natürlich, wenn er nicht fit ist, spielt er kein Turnier. Da ist mir komplett wurscht, welches Turnier das ist, das kann auch Wimbledon oder Paris sein.“ Gerne hätte er rigoroser durchgegriffen. „Den Vorwurf kann ich mir machen – bei schlechten Entscheidungen zuschauen, das geht nicht, da muss man durchgreifen.“ Thiem traf seine Entscheidungen selbst, es dürften diesmal wohl die falschen gewesen sein. Eine Einsicht kam beim Niederösterreicher im Nachhinein dann von selbst: „Ich habe seit zwei Wochen ein bisschen Probleme, nachdem ich krank war vor Kitzbühel. Dort war es nicht so schlimm, aber es ist hier schlimmer geworden“, so der siebenfache ATP-Titelträger gegenüber der „APA“ zu seiner Hüftverletzung. „In der Form hat es keinen Sinn gemacht, da weiterzuspielen.“

„Jetzt will der Körper eine Pause“

Thiem gab zu verstehen, dass ihn die Beschwerden nicht so wenig einschränken würden: „Ich spüre es bei ein paar Schritten. Ich kann beim Aufschlag nicht voll springen, bei der Vorhand mich nicht gescheit hinstellen“, und das reiche auf dem Niveau einfach nicht. „Daher habe ich gesagt, ich höre auf und fliege zurück und lass’ das abchecken. Ich glaube auch, dass es nichts so Schlimmes ist.“ Die Verletzung sollte dennoch als Warnschuss zur rechten Zeit dienen, die körperlichen Limits nicht weiter auszureizen oder gar zu missachten, nicht umsonst hat Thiem in der ersten Saisonhälfte 48 Matcherfolge verbucht – sogar mehr als der Weltranglisten-ErsteNovak Djokovic, wenngleich dieser seine Einsätze viel gezielter auswählt. „Ich habe sehr viel gespielt. Jetzt will der Körper eine Pause“, erkannte Thiem. „Man kann es ihm nicht verübeln, und ich werde ihm das jetzt geben und dann hoffentlich wieder in Mexiko sehr frisch sein“, so seine Hoffnung, übernächste Woche in Los Cabos trotzdem an den Start gehen zu können.

Rückkehr in Los Cabos die Hoffnung, Cincinnati die Option

Dass Thiem in der Olympia-Woche beim ATP-World-Tour-250-Event in Mexiko aufschlagen kann – was er voraussichtlich als Topgesetzter tun würde –, erscheint jedoch noch keineswegs sicher. Erst mal gilt’s die Schwere seiner Hüftverletzung bei ärztlichen Untersuchungen in der Heimat abzuklären. „Ich werde ein MR von der Hüfte machen und sonst auch noch Blutwerte checken, ob alles okay ist wegen der Entzündung“, außerdem wolle er „auf jeden Fall ein paar Tage zu Hause entspannen, und dann werde ich hoffentlich in Mexiko spielen.“ Die Rückkehr erst beim nächsten ATP-Masters-1000-Turnier in Cincinnati (ab 14. August) dürfte allerdings ebenso eine in Betracht zu ziehende Möglichkeit sein. Es wäre sein letzter Auftritt vor den US Open in New York (ab 29. August), dem vierten und letzten Grand Slam des Jahres.

von tennisnet.com

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29.07.2016, 11:39 Uhr