Gero Kretschmer klagt ATP an – „Wo ist mein weißer Sport?“
Gero Kretschmer und Alexander Satschko warten seit zwei Jahren auf die Auszahlung ihres Preisgeldes für einen Turniersieg.
von tennisnet.com
zuletzt bearbeitet:
23.02.2016, 14:49 Uhr

Gero Kretschmer ist Doppelspezialist und bereist mit seinem festen Doppelpartner, seinem deutschen Landsmann Alexander Satschko, die ganze Welt. Die ATP-Challenger-Tour ist überwiegend das Zuhause von Kretschmer und Satschko, die vergangene Woche im mexikanischen Cuernavaca spielten und ihren größten Karriereerfolg im Februar 2015 mit dem Titel beim ATP-World-Tour-250-Turnier in Quito (Ecuador) feierten. 12.140 US-Dollar kassierten die beiden jeweils für diesen Turniersieg - in der Endabrechnung im Jahr 2015 machte dieser Betrag mehr als ein Viertel des erspielten Preisgeldes aus.
Turniersieg in Sao Paulo, aber kein Preisgeld
Der gebürtige Kölner, derzeit Nummer 98 im ATP-Doppelranking, ist nicht nur angewiesen auf die rasche Auszahlung seiner erspielten Preisgelder, sie sind für sein Leben als Doppelspezialist überlebenswichtig. Umso ärgerlicher ist es, wenn man auf die Auszahlung warten muss. Wenn die Wartezeit dann auch noch mehr als zwei Jahre beträgt, geht der Ärger in Wut über.
Anfang Januar 2014 gewannen Kretschmer und Satschko das ATP-Challenger-Turnier in Sao Paulo und feierten den perfekten Saisonstart. Das Hartplatzturnier in Brasilien ist mit 125.000 US-Dollar eines der höchsten dotierten Turniere auf der Challenger-Tour. Doch auf die Auszahlung ihrer Prämie für den Turniersieg, insgesamt 7600 US-Dollar, warten die beiden genauso wie alle anderen Spieler, die bei diesem Turnier teilnahmen, immer noch. Auf seiner Facebook-Seite machte Kretschmer seinem Unmut Luft und appelliert an die ATP, im Dienst der betroffenen Spieler tätig zu werden. Der 30-Jährige fragt sich: "Wo ist mein weißer Sport?"
Hier ist der Aufruf von Gero Kretschmer an die ATP im Wortlaut:
"Es war Januar 2014, als mein Partner Alexander Satschko und ich das mit 125.000 US-Dollar dotierte Challenger in Sao Paulo gewonnen haben. Es sind nun zwei Jahre vergangen und wir haben immer noch nicht das Preisgeld von 7600 US-Dollar erhalten. Das muss ein Witz sein, wenn man bedenkt, dass die ATP nicht einschreitet und den Betrag zahlt oder begleicht. Sie erzählen uns, dass sie mit dem ehemaligen Turnierdirektor reden, um die Bezahlung zu erreichen. Die Realität sieht anders aus. Nichts ist passiert in zwei Jahren. Wir haben bislang nicht mal einen Euro erhalten. Die ATP zahlte eine Entschädigung von 1000 Euro für jeden Spieler. Das fühlt sich so an, als ob man einem Kind einen Lolly gibt, um es ruhig zu stellen.
Die ATP erhält jedes Jahr 1250 US-Dollar von Spielern der Division I sowie 300 US-Dollar von Spielern der Division II. Das ist viel Geld und Geld, das man problemlos einsetzen könnte, um das Problem zu lösen, wenn man in Betracht zieht, dass es 20.000 Spieler auf der Tour gibt. Daneben sparen sie Millionen von US-Dollar jedes Jahr. Es sollte eine Möglichkeit geben, dass sie einschreiten und bei solch dringenden Problemen aushelfen. Die Spieler haben bereits versucht, damit vor Gericht zu gehen, aber aufgrund der enormen Gerichtskosten und des fragwürdigen Ausgangs sind sie nicht bis zum Ende gegangen.
Ich frage mich, warum sie das Preisgeld nicht bezahlen können, obwohl sie jedes Jahr das Preisgeld erhöhen. Sie sollten die Rechte der Spieler schützen. Sie wollen immer, dass wir dieses und jenes tun, dass wir uns gut benehmen, dass wir medizinische Formulare ausfüllen und Strafen für jede einzelne Sache zahlen. Die Regeln werden immer lächerlicher für ‚unterklassige Spieler' (die Rede ist immer noch von einem Top 100 Spieler) und wir sollten erst gar nicht über Doppelspieler reden. Aber lasst uns zu meinem Punkt zurückkehren. Ich frage mich, ob sie dies bei einem ATP-Event, wo die großen Stars spielen, zugelassen hätten. Sie hätten so große Angst ihr Gesicht zu verlieren, dass sie für das Problem einstehen würden, aber natürlich kann man es mit den ‚zweit- und drittklassigen Spielern" machen.
Liebe ATP, entschuldigt bitte, aber seid Ihr immer noch überrascht über Wettskandale? Reagiert nicht so überrascht!!! Wenn ein Spieler besorgt sein muss, sein Preisgeld zu erhalten, solltet ihr als erstes darüber nachdenken, das Preisgeld zu erhöhen, aber das Wichtigste ist, den Spielern die Sicherheit zu geben, das zu erhalten, was sie verdienen. Die Realität zeigt mir, dass wir in Zukunft das Preisgeld nicht erhalten werden. Das ist traurig und enttäuschend, wenn man sieht, dass sich die ATP derzeit nicht darum kümmert. Wo ist mein weißer Sport?"
