Thomas Muster wünscht Dominic Thiem 10 Grand Slams

Der erfolgreichste österreichische Tennisspieler über seinen Nachfolger, fehlendes Neidgefühl und ein Jobangebot von Stan Wawrinka.

von Florian Goosmann
zuletzt bearbeitet: 06.11.2016, 00:00 Uhr

Es hätte - vor allem im Rückblick - keinen sinngemäßeren Abschied von der großen Bühne geben können: Thomas Musters letztes Match auf der ATP-Tour, nach seinem Comeback mit 42 Jahren, fand 2011 ausgerechnet gegen Dominic Thiem statt, in der Wiener Stadthalle. 2:6, 3:6 hieß es am Ende aus der Sicht von Muster, der drei Wochen später bei einem Challenger-Turnier in Salzburg dann endgültig Abschied vom Tennis nahm.

"Es kann uns nix Besseres passieren!"

Dass Thiem tatsächlich in seine Fußstapfen treten könnte? 2011 ein Wunschtraum, der nun, fünf Jahre später, so realistisch scheint wie selten zuvor, nicht zuletzt dank Thiems Qualifikation für die ATP World Tour Finals in London. Es gäbe wohl nicht wenige, die ihrem Nachfolger weniger Glück wünschen würden - Thomas Muster jedenfalls gehört nicht hierzu. "Ich wünsche ihm 10 Grand Slams, 15 Jahre Nummer eins, es kann uns nix Besseres passieren", so der French-Open-Sieger aus dem Jahr 1995 gegenüber der "Austria Presse Agentur - APA".

"Ich bin sicher kein Mensch, der glaubt, er muss der Einzige bleiben, der das jemals erreicht hat. Wie wir alle wissen, wenn wir nicht mehr sind, werden wir schnell vergessen. Ich habe meine Sache gut gemacht, ich habe einen Job gemacht, der in Ordnung war, ich habe eine gewisse Popularität im Land ausgelöst, was Tennis betrifft. Es gibt nichts Besseres wie jemand, der das verbessern kann, der größer, besser wird und verdient sich das. Ich finde das super positiv und würde mich sehr freuen, wenn das passiert. Ich kenne kein Neidgefühl. Es ist ein Krankheitsbild in Wahrheit, jemandem etwas neidig zu sein und nicht selber draufzuschauen, dass man es besser machen kann."

Muster als Coach gibt's nur zu 100 Prozent

Er selbst, inzwischen 49 Jahre alt, greife nur noch selten zum Schläger, verriet Muster. Sollte mal ein Champions-Tour-Event anstehen, spiele er zwei, drei Wochen vorher, "aber in der Regel spielt wahrscheinlich jeder Hobbyspieler mehr". Eine Sache, die sich hätte ändern können, wenn Muster den Weg als Coach eingeschlagen hätte - an Angeboten hierfür hat es offenbar nicht gemangelt. "Es war einmal Wawrinka ein Thema, dann Tomic und noch ein paar andere", so Muster.

Aber eine Coaching-Karriere à la Stefan Edberg, Boris Becker oder Ivan Lendl, also nur phasenweise dem Schützling zur Seite stehen, sei für ihn nichts gewesen. "Ich habe das dann verneint. Ich will kein Grand-Slam-Coach sein oder für die Sandplatz-Tournee. Wenn ich was mache, dann zu hundert Prozent. Nur für ein paar Wochen im Jahr nach dem Motto ,rent a coach' - da gibt es genügend davon", so der Steirer, der allerdings nicht nur seinem Tennis-Motto aus aktiven Zeiten treu geblieben ist. Schlagzeug, so Muster, spiele er immer noch. "Aber leider nicht besser."

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Sonntag
06.11.2016, 00:00 Uhr